
Europas Geheimdienstchefs zerpflücken Trumps Ukraine-Friedensillusion
Während Donald Trump nicht müde wird, einen baldigen Friedensschluss im Ukraine-Krieg als greifbar nahe zu verkaufen, zeichnen die obersten Geheimdienstchefs Europas ein ernüchterndes – ja geradezu vernichtendes – Gegenbild. Fünf führende europäische Nachrichtendienstleiter haben sich in den vergangenen Tagen unter der Bedingung der Anonymität geäußert und dabei eine Einschätzung geliefert, die Washingtons optimistische Rhetorik als das entlarvt, was sie möglicherweise ist: Wunschdenken.
Moskau spielt auf Zeit – und der Westen schaut zu
Die Botschaft der Geheimdienstchefs könnte kaum deutlicher sein: Russland hat kein Interesse an einem schnellen Frieden. Vier der fünf Nachrichtendienstleiter gaben an, Moskau nutze die von den USA vermittelten Gespräche primär, um Sanktionserleichterungen und bilaterale Geschäftsabkommen zu erwirken. Ein europäischer Geheimdienstchef bezeichnete die Verhandlungen – deren jüngste Runde diese Woche in Genf stattfand – schlicht als „Verhandlungstheater". Ein Wort, das sitzt.
Die strategischen Ziele Russlands hätten sich nicht verändert, so die einhellige Einschätzung. Dazu gehörten nach wie vor die Absetzung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und die Umwandlung der Ukraine in einen „neutralen" Pufferstaat gegenüber dem Westen. Wer geglaubt hatte, Putin sei durch wirtschaftlichen Druck zum Einlenken zu bewegen, wird eines Besseren belehrt: Russland sei eine „resiliente Gesellschaft", die Entbehrungen ertragen könne, so ein zweiter Geheimdienstchef.
Selenskyj platzt der Kragen
Auch der ukrainische Präsident selbst scheint die Geduld zu verlieren. Nach der dritten US-vermittelten Verhandlungsrunde des Jahres 2026, die ohne Durchbruch bei den zentralen Streitpunkten – insbesondere der Territorialfrage – endete, machte Selenskyj seinem Frust auf der Plattform X Luft. Die russische Seite sei offenbar mehr daran interessiert, die historischen Wurzeln des Konflikts zu diskutieren, als eine zeitnahe Einigung zu erzielen. „Ich brauche keinen historischen Mist, um diesen Krieg zu beenden", schrieb er unverblümt. Es handele sich um reine Verzögerungstaktik.
Moskau fordert bekanntlich den Rückzug ukrainischer Truppen aus den verbliebenen 20 Prozent der östlichen Region Donezk, die Russland noch nicht kontrolliert – eine Forderung, die Kiew kategorisch ablehnt. Doch selbst wenn diese Konzession gemacht würde, wäre das nach Einschätzung der europäischen Geheimdienste lediglich der Beginn tatsächlicher Verhandlungen, nicht deren Ende. Russland würde dann schlicht weitere Forderungen nachschieben.
Trumps Verhandlungsteam: Immobilienmakler statt Diplomaten
Besonders brisant ist die kaum verhüllte Kritik an der Zusammensetzung des amerikanischen Verhandlungsteams. Die US-Seite wird von Steve Witkoff, einem Immobilienentwickler und langjährigen Freund Trumps, sowie Jared Kushner, dem Schwiegersohn des Präsidenten, angeführt. Keiner von beiden ist ausgebildeter Diplomat, keiner verfügt über spezifische Expertise zu Russland oder der Ukraine. Ein Geheimdienstchef äußerte Besorgnis über das „sehr begrenzte" Niveau an Verhandlungskompetenz gegenüber Russland im gesamten Westen.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die komplexeste geopolitische Verhandlung unserer Zeit wird auf amerikanischer Seite von einem Immobilienmogul und einem Familienmitglied des Präsidenten geführt. Das Weiße Haus konterte die anonyme Kritik erwartungsgemäß: Sprecherin Anna Kelly erklärte, anonyme Kritiker hätten nichts getan, um den Krieg zu beenden. Präsident Trump und sein Team hätten mehr als jeder andere unternommen, um beide Seiten zusammenzubringen.
Das Billionen-Dollar-Lockangebot
Besonders aufschlussreich ist die Enthüllung über eine mögliche Zwei-Gleisigkeit der Verhandlungen. Zwei der Geheimdienstchefs berichteten, Moskau versuche, die Gespräche in zwei separate Stränge aufzuteilen: einen über den Krieg und einen über bilaterale Geschäfte mit den USA, die Sanktionserleichterungen einschließen würden. Der russische Gesandte Kirill Dmitrijew sprach auf X von einem „Portfolio potenzieller US-russischer Projekte im Wert von über 14 Billionen Dollar".
Selenskyj selbst gab an, seine Geheimdienste hätten ihn darüber informiert, dass amerikanische und russische Unterhändler bilaterale Kooperationsabkommen im Wert von bis zu 12 Billionen Dollar diskutierten. Das Angebot sei darauf ausgelegt, sowohl Trump als auch russische Oligarchen anzusprechen, die aufgrund der Sanktionen nicht vom Krieg profitiert hätten, deren Loyalität Putin aber dringend benötige.
Russlands wirtschaftliche Achillesferse
Trotz der attestierten Resilienz der russischen Gesellschaft gibt es durchaus Risse im Fundament. Ein dritter Geheimdienstchef sprach von „sehr hohen" finanziellen Risiken für Russland in der zweiten Jahreshälfte 2026. Moskaus begrenzter Zugang zu den Kapitalmärkten aufgrund der Sanktionen und hohe Kreditkosten wurden als Faktoren genannt. Der Leitzins der russischen Zentralbank liegt bei 15,5 Prozent. Der liquide Teil des russischen Reservefonds, den die Regierung zur Deckung ihres Haushaltsdefizits nutzt, hat sich seit der Invasion 2022 mehr als halbiert. Analysten verorten die russische Wirtschaft irgendwo zwischen Stagnation und Rezession, nachdem sie im vergangenen Jahr nur um ein Prozent gewachsen sei.
Was bedeutet das für Europa – und für Deutschland?
Die Kluft zwischen europäischer Geheimdiensteinschätzung und amerikanischem Optimismus sollte jedem zu denken geben, der auf einen schnellen Frieden hofft. Für Deutschland und Europa bedeutet dies vor allem eines: Wir können uns nicht auf Washington verlassen. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz täte gut daran, die eigene Verteidigungsfähigkeit und strategische Autonomie endlich ernst zu nehmen – statt weiterhin darauf zu warten, dass ein amerikanischer Präsident, dessen Verhandlungsteam aus Immobilienhändlern besteht, die europäische Sicherheitsarchitektur rettet.
Die Zeiten, in denen sich Europa bequem hinter dem transatlantischen Schutzschirm verstecken konnte, sind endgültig vorbei. Wer das nicht begreift, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Und während in Berlin über Gendersprache und Klimaneutralität bis 2045 debattiert wird, rüstet Russland weiter auf und spielt die westlichen Verhandlungspartner gegeneinander aus. Es wäre an der Zeit, die Prioritäten neu zu ordnen – bevor es zu spät ist.
In Zeiten solch geopolitischer Unsicherheit und wirtschaftlicher Verwerfungen erweisen sich übrigens physische Edelmetalle einmal mehr als verlässlicher Anker der Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Sanktionen, keine Verhandlungstheater und keine gebrochenen Versprechen – sie bewahren ihren Wert, während Papierwährungen und politische Zusagen erodieren.

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