
Europas Gier nach Seltenen Erden: Schwedisches Urvolk soll für EU-Rohstoffpolitik weichen

Es ist eine Geschichte, die so alt ist wie der Bergbau selbst – und doch in ihrer aktuellen Ausprägung erschreckend zeitgemäß: Im hohen Norden Schwedens, wo die Rentiere seit Jahrhunderten über weite Tundren ziehen, droht ein industrielles Mammutprojekt die Lebensgrundlage eines ganzen Volkes zu zerstören. Der schwedische Staatskonzern LKAB plant bei Kiruna den Abbau eines der größten Seltene-Erden-Vorkommen Europas – und die EU klatscht begeistert Beifall, während die samischen Rentierhalter um ihre Existenz bangen.
Per Geijer: Ein Projekt mit gewaltigem Ausmaß
Die Zahlen sind beeindruckend, fast schon erschlagend: Rund 1,2 Milliarden Tonnen Mineralvorkommen umfasst das Projekt Per Geijer, darunter geschätzte 2,2 Millionen Tonnen Seltene Erden. Primär handelt es sich um ein Eisenerzvorkommen, bei dem die begehrten Seltenen Erden als Begleitrohstoff anfallen. Die EU hat das Vorhaben im Rahmen ihres Critical Raw Materials Act als strategisches Projekt eingestuft – ein Gütesiegel, das Genehmigungsverfahren beschleunigen und die europäische Rohstoffversorgung sichern soll.
Doch was in Brüsseler Amtsstuben als Meilenstein der europäischen Rohstoffsouveränität gefeiert wird, könnte sich für die samische Rentierhaltergemeinschaft Gabna als Todesstoß erweisen. Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des renommierten Stockholmer Umweltforschungsinstituts SEI kommt zu einem vernichtenden Urteil: Das Bergbauprojekt würde die Weideflächen der Samen regelrecht durchschneiden und damit gegen deren völkerrechtlich geschützte Ansprüche auf Land, Kultur und wirksame Beteiligung an Entscheidungsprozessen verstoßen.
Der letzte Nagel im Sarg einer uralten Kultur
Lars-Marcus Kuhmunen, Vorsteher der Samengemeinde Gabna Sameby, fand drastische Worte. Die Samen seien nicht grundsätzlich gegen Bergbau, solange dieser ihre Kultur nicht bedrohe. Doch dieses Projekt könne „der letzte Nagel im Sarg sein, der das Ende der gesamten Gemeinschaft bedeutet". Man muss sich diese Aussage auf der Zunge zergehen lassen: Ein indigenes Volk, das seit Jahrtausenden in Nordskandinavien lebt, sieht sich durch ein EU-gefördertes Industrieprojekt in seiner Existenz bedroht.
Die SEI-Forscher haben eigens eine neue Methode zur Bewertung von Menschenrechtsrisiken im Kontext der Rentierzucht entwickelt. Sechs Voraussetzungen müssten demnach erfüllt sein, um die kollektiven Rechte einer samischen Gemeinschaft auf Land und Kultur zu wahren. Bei nahezu allen untersuchten Kriterien stellten die Wissenschaftler schwere Beeinträchtigungen fest. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Ohne die ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen wäre das Vorhaben mit dem internationalen Schutz indigener Rechte schlicht unvereinbar.
LKAB verweigert den Dialog – und nennt es Gesprächsbereitschaft
Besonders pikant ist das Verhalten des Staatskonzerns LKAB. Das Unternehmen erklärte, den SEI-Bericht nicht geprüft zu haben, und betonte gleichzeitig seine Bereitschaft zum Dialog mit der Gemeinde, um Kompensationsmaßnahmen zu entwickeln. Was LKAB dabei verschweigt: Das SEI hatte den Konzern vor der Veröffentlichung ausdrücklich eingeladen, Informationen beizusteuern und den Bericht zu prüfen. LKAB lehnte ab. So sieht also die vielgepriesene Dialogbereitschaft eines Staatsunternehmens aus – man redet gerne über Kompensation, aber nicht über die Grundlagen der eigenen Verantwortung.
Bislang hat LKAB für das Projekt keine menschenrechtliche Folgenabschätzung vorgelegt. Bis zum 1. Mai 2026 muss das Unternehmen seine eingereichte Konzessionsanfrage um eine Analyse zu den Auswirkungen auf die Rentierzucht ergänzen. Ob diese Frist zu einem substanziellen Umdenken führen wird, darf bezweifelt werden.
Europas Rohstoff-Dilemma offenbart die Doppelmoral der EU
Der Fall Per Geijer steht exemplarisch für ein fundamentales Dilemma europäischer Rohstoffpolitik. Jahrzehntelang hat sich die EU in eine gefährliche Abhängigkeit von China begeben, das den globalen Markt für Seltene Erden mit einem Anteil von über 60 Prozent an der Förderung und rund 90 Prozent an der Verarbeitung dominiert. Nun, da die geopolitischen Spannungen zunehmen und Donald Trumps Zollpolitik die globalen Lieferketten zusätzlich erschüttert, sucht Europa verzweifelt nach eigenen Quellen – und ist bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen. Nur eben nicht selbst.
Die Ironie könnte kaum größer sein: Dieselbe EU, die sich auf internationaler Bühne als Vorkämpferin für Menschenrechte und den Schutz indigener Völker inszeniert, stuft ein Projekt als „strategisch" ein, das nach Einschätzung unabhängiger Wissenschaftler genau diese Rechte mit Füßen tritt. Man predigt Wasser und trinkt Wein – eine Disziplin, in der Brüssel bekanntlich Weltmeister ist.
LKAB: Ein Jahrhundert industrieller Dominanz
Der 1890 gegründete und seit 1976 vollständig staatliche Konzern LKAB prägt das nordschwedische Erzrevier um Kiruna seit mehr als einem Jahrhundert. Das Unternehmen betreibt dort Europas reichste Eisenerzmine und fördert jährlich rund 25 Millionen Tonnen besonders reinen Erzes – ein zentraler Rohstoff für die europäische Stahl- und Eisenindustrie. Von der Werkssiedlung Kiruna um 1900 bis zu den legendären Eisenerztransporten über den norwegischen Hafen Narvik im Zweiten Weltkrieg reicht die Geschichte dieses Industriegiganten.
Doch Geschichte allein legitimiert keine Zukunftsprojekte, die auf Kosten anderer gehen. Das traditionelle Siedlungsgebiet der Samen – in ihrer Eigenbezeichnung Sami – erstreckt sich von Nordnorwegen über Nordschweden und Nordfinnland bis auf die russische Kola-Halbinsel. In Schweden sind sie als indigenes Volk und als nationale Minderheit anerkannt. Staatliche Stellen sind verpflichtet, ihre Vertreter bei Entscheidungen von besonderer Bedeutung zu konsultieren. Dass diese Konsultation im Fall Per Geijer bisher offenkundig unzureichend stattgefunden hat, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Prioritäten der schwedischen Rohstoffpolitik.
Ein Weckruf für die europäische Rohstoffstrategie
Rasmus Kløcker Larsen vom SEI betonte, der Bericht solle zu besseren Bewertungen und einem faireren Umgang mit Landnutzungskonflikten beitragen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Mahnung nicht ungehört verhallt. Denn die Landnutzungskonflikte im schwedischen Lappland – von Kiruna bis nach Jokkmokk – werden sich in den kommenden Jahren eher verschärfen als entspannen, je drängender Europas Hunger nach kritischen Rohstoffen wird.
Für den aufmerksamen Beobachter offenbart dieser Konflikt einmal mehr, wie fragil das Fundament der vielgepriesenen „grünen Transformation" tatsächlich ist. Die Elektromobilität, die Windkraftanlagen, die Hightech-Industrie – sie alle verschlingen Seltene Erden in rauen Mengen. Und irgendjemand muss den Preis dafür zahlen. In diesem Fall wären es die Samen, deren Rentierherden seit Menschengedenken über die Weiten Lapplands ziehen. Es wäre an der Zeit, dass Europa seine Rohstoffstrategie nicht nur ökonomisch, sondern auch ethisch durchdenkt – bevor der letzte Nagel tatsächlich eingeschlagen wird.
In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten und fragiler Lieferketten zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, physische Werte zu besitzen. Wer sein Vermögen langfristig absichern möchte, sollte über eine Beimischung von physischen Edelmetallen wie Gold und Silber in seinem Portfolio nachdenken – Werte, die seit Jahrtausenden Bestand haben und keiner politischen Willkür unterliegen.
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