
Europas Kriegskoalition zerfällt: Wenn die Architekten des Durchhaltens von der Bühne treten

Es ist ein Schauspiel, das an den letzten Akt eines schlecht geschriebenen Dramas erinnert. Die «Koalition der Willigen» – jenes mit großem Pathos verkündete Bündnis von über dreißig Staaten, das der Ukraine militärische Rückendeckung und im Falle eines Waffenstillstands sogar Sicherheitsgarantien versprach – verliert nun binnen weniger Monate ihre wichtigsten Baumeister. Der britische Telegraph diagnostiziert in einer Analyse mit dem Titel «The slow death of the coalition of the willing» nichts weniger als das langsame Sterben dieses Projekts. Und man muss kein geopolitischer Hellseher sein, um zu erkennen: Diese Diagnose dürfte zutreffen.
Starmer weg, Macron bald – und dann?
Keir Starmer, der britische Premierminister, hat seinen Hut genommen. Emmanuel Macron, der französische Präsident, darf nach zwei Amtszeiten 2027 nicht mehr antreten. Ausgerechnet jene beiden also, die nach Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus die selbsternannte europäische Führungsrolle an sich rissen, verschwinden nahezu gleichzeitig von der Bühne. Diplomaten und Beobachter sprechen bereits von einem drohenden Führungsvakuum, das die europäische Koordination im Ukraine-Krieg empfindlich schwächen könnte.
Starmers Nachfolger Andy Burnham hat zwar erklärt, die britische Unterstützung fortzusetzen – und traf demonstrativ als ersten ausländischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj. Doch sein politisches Herz schlägt innenpolitisch. Außenpolitische Erfahrung? Bescheiden. Wer glaubt, ein Mann, der sich vor allem um britische Binnenprobleme sorgt, werde die europäische Ukraine-Architektur zusammenhalten, dürfte sich täuschen.
Frankreich: Das Pendel schwingt zurück
Noch dramatischer sieht es jenseits des Kanals aus. Als aussichtsreiche Anwärter auf den Élysée gelten derzeit Marine Le Pen vom Rassemblement National und der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon. Politisch trennt beide fast alles – in einem Punkt jedoch treffen sich ihre Positionen: Eine derart bedingungslose Unterstützung Kiews, wie Macron sie zelebrierte, wäre von keinem der beiden zu erwarten. Man prüft in diplomatischen Kreisen bereits diskret, was ein solcher Machtwechsel für die britisch-französische Kooperation und für die gemeinsamen Pläne zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus bedeuten würde.
Ein Bündnis, dessen Fundament nicht nationales Interesse, sondern moralischer Eifer war, hält dem ersten echten Gegenwind nicht stand.
Und Deutschland? Nur bedingt führungsfähig
Bleibt Deutschland als Ersatzlokomotive? Der Telegraph bewertet Berlin als lediglich bedingt geeignet – und das ist bemerkenswert höflich formuliert. Bundeskanzler Friedrich Merz steht innenpolitisch unter erheblichem Druck und hat sich bislang standhaft geweigert, deutsche Soldaten für eine mögliche Friedensmission zuzusagen. Man mag darin Feigheit sehen. Man kann darin aber auch das seltene Aufblitzen von Realismus erkennen: Eine Bundeswehr, die seit Jahren kaputtgespart und ideologisch umerzogen wurde, taugt nicht als Friedenstruppe in Osteuropa.
Polen und Italien unterstützen Kiew politisch und militärisch – eigene Truppen jedoch schicken sie ebenso wenig. Ein Bündnis, in dem alle Beteiligten mit dem Finger auf den Nachbarn zeigen, ist kein Bündnis. Es ist eine Absichtserklärung mit Ablaufdatum.
Die Rechnung zahlt der Steuerzahler
Was bleibt, ist die bittere Bilanz: Milliarden an Steuergeld sind geflossen, während in Deutschland Brücken bröckeln, Schulen verfallen und die Industrie unter Energiepreisen erstickt, die sich niemand mehr erklären kann. Gleichzeitig hat Berlin ein 500-Milliarden-Sondervermögen aufgelegt und die Klimaneutralität ins Grundgesetz geschrieben – finanziert auf Kredit, zu Lasten kommender Generationen. Von jenem Kanzler, der einst versprach, keine neuen Schulden zu machen.
Die Erosion der Glaubwürdigkeit ist der eigentliche Skandal. Große Versprechen prallen auf leere Staatskassen und harte geopolitische Interessen. Und wer sich fragt, warum in dieser Gemengelage aus Inflation, Verschuldung und außenpolitischer Ratlosigkeit immer mehr Bürger nach physischen Werten greifen, findet die Antwort in ebendieser Aufzählung. Gold und Silber kennen keine Koalitionsverträge, keine Rücktritte und keine Wahltermine. Sie liegen einfach da – und behalten ihren Wert, wenn Papierversprechen zerfallen.
Fazit: Ein Ende mit Ankündigung
Die «Koalition der Willigen» stirbt nicht durch einen Paukenschlag, sondern durch Erschöpfung. Durch Wahlen, durch politische Müdigkeit, durch die schlichte Tatsache, dass Völker Frieden wollen, während Regierungen Durchhalteparolen verkünden. Wer in Europa künftig regiert, wird sich der nüchternen Frage stellen müssen, wie lange man wirtschaftlich ausbluten will für einen Konflikt, dessen Ende sich niemand ausmalen kann. Es wäre höchste Zeit für eine Politik, die zuerst an die eigenen Bürger denkt.
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