
Europas Regierungschefs verteidigen Grönland – doch wo bleibt die Konsequenz?

Eine bemerkenswerte Allianz hat sich formiert: Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Macron, Italiens Ministerpräsidentin Meloni und weitere europäische Staatschefs haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, die unmissverständlich gegen die Ambitionen von US-Präsident Donald Trump gerichtet ist. Der Tenor: „Grönland gehört seinem Volk." Eine noble Aussage, gewiss. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich ein Schauspiel voller Widersprüche und politischer Doppelmoral.
Trumps Griff nach der Arktis
Der Hintergrund dieser diplomatischen Offensive ist hinlänglich bekannt. Donald Trump hat wiederholt sein Interesse an der strategisch bedeutsamen Arktisinsel bekundet und Grönland als essentiell für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten bezeichnet. Was zunächst wie eine seiner typischen Provokationen klang, gewinnt zunehmend an Ernsthaftigkeit. Die Bodenschätze Grönlands – seltene Erden, Öl, Gas – wecken Begehrlichkeiten, und die geostrategische Lage zwischen Nordamerika und Europa macht die Insel zu einem Schlüsselterritorium im sich verschärfenden Großmachtkonflikt.
Die europäischen Regierungschefs betonen in ihrer Erklärung die Grundsätze der UN-Charta: Souveränität, territoriale Integrität und die Unverletzlichkeit der Grenzen. Man werde nicht aufhören, diese universellen Prinzipien zu verteidigen, heißt es pathetisch. Das Königreich Dänemark – einschließlich Grönlands – sei Teil der NATO, und die Sicherheit in der Arktis müsse gemeinsam mit den Verbündeten gewährleistet werden.
Die Heuchelei der „Wertegemeinschaft"
Doch halt! Sind das nicht dieselben Politiker, die beim Thema Krim und Donbass völlig andere Maßstäbe anlegen? Dort, wo die Bevölkerung in Referenden ihren Willen zur Zugehörigkeit zu Russland bekundete, war plötzlich von „Annexion" und „Völkerrechtsbruch" die Rede. Im Kosovo hingegen wurde das Selbstbestimmungsrecht der Völker mit westlicher Waffengewalt durchgesetzt. Die Frage drängt sich auf: Gilt das Völkerrecht nur dann, wenn es den eigenen Interessen dient?
Besonders pikant erscheint die Formulierung „Grönland gehört seinem Volk" aus deutschem Munde. Denn wer hierzulande den Satz „Deutschland gehört den Deutschen" äußert, riskiert eine Anzeige wegen Volksverhetzung nach § 130 StGB. Der ehemalige Bundespräsident Gauck verkündete einst, es gebe kein deutsches Volk – doch für Grönland soll plötzlich ein solches existieren und Ansprüche geltend machen dürfen? Diese selektive Anwendung von Prinzipien entlarvt die moralische Beliebigkeit der europäischen Politik.
Dänemarks koloniale Vergangenheit
Auch die Rolle Dänemarks verdient kritische Betrachtung. Seit 1720 beansprucht das kleine skandinavische Königreich die riesige Arktisinsel als Teil seines Reiches. Die Geschichte dieser Beziehung ist keineswegs ungetrübt: In den 1960er und 1970er Jahren wurden Tausende grönländische Frauen und Mädchen ohne ausreichende Aufklärung oder Zustimmung mit Verhütungsmitteln behandelt – ein dunkles Kapitel, das erst in jüngster Zeit aufgearbeitet wird. Ist Grönland unter dänischer Herrschaft wirklich so frei, wie die europäische Erklärung suggeriert?
Die Grönländer selbst streben seit Jahren nach mehr Unabhängigkeit. Ein Referendum über die vollständige Loslösung von Kopenhagen ist theoretisch möglich, wird jedoch durch die massive wirtschaftliche Abhängigkeit von dänischen Transferzahlungen erschwert. Die Inuit genießen zwar die Vorteile einer EU-Staatsbürgerschaft, ohne selbst Mitglied der Union zu sein, doch der Preis dafür ist eine fortgesetzte Abhängigkeit vom Mutterland.
Was wollen die Grönländer wirklich?
Aktuelle Umfragen zeigen, dass lediglich sechs Prozent der grönländischen Bevölkerung einen Anschluss an die USA befürworten. Neun Prozent sind unentschlossen, die überwältigende Mehrheit lehnt Trumps Avancen ab. Doch diese Zahlen könnten sich ändern, sollten die Vereinigten Staaten tatsächlich attraktive Angebote unterbreiten. Die 56.000 Einwohner der Insel stehen vor einer historischen Entscheidung über ihre Zukunft.
Die europäische Erklärung betont, es sei „allein Sache Dänemarks und Grönlands", über ihre Angelegenheiten zu entscheiden. Ironischerweise könnte genau diese Formulierung Trump in die Hände spielen: Wenn Grönland tatsächlich selbst entscheiden darf, warum sollte es dann nicht auch für einen Anschluss an die USA stimmen können?
Ein zahnloser Tiger
Die Reaktion der europäischen Regierungschefs wirkt letztlich wie das Bellen eines zahnlosen Tigers. Was genau will Europa tun, sollte Trump seine Pläne weiterverfolgen? Militärisch ist man den USA hoffnungslos unterlegen, wirtschaftlich abhängig, und politisch zerstritten. Die vollmundigen Bekenntnisse zu Souveränität und Völkerrecht klingen hohl, wenn man bedenkt, wie wenig Europa in den vergangenen Jahren für seine eigene Verteidigungsfähigkeit getan hat.
Die Arktis wird zum Schauplatz eines neuen Großmachtkonflikts, und Europa steht – wieder einmal – am Spielfeldrand. Während Trump, Putin und Xi um Einfluss ringen, beschränkt sich der alte Kontinent auf moralische Appelle. Ob das ausreicht, um Grönlands Zukunft zu sichern, darf bezweifelt werden.
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