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Kettner Edelmetalle
20.02.2026
10:31 Uhr

Europas Zahlungssystem in US-Geiselhaft: Wie Washington den Kontinent am digitalen Tropf hält

Es ist eine jener unbequemen Wahrheiten, die man in Brüssel jahrzehntelang geflissentlich ignoriert hat: Wer in Europa digital bezahlt, bezahlt über amerikanische Schienen. Visa, Mastercard, PayPal – drei Namen, die den europäischen Zahlungsverkehr faktisch beherrschen. Was lange als bloßer Komfort durchging, entpuppt sich im Zeitalter eines unberechenbaren US-Präsidenten Donald Trump als strategische Achillesferse von historischem Ausmaß.

Zwei Drittel aller Kartentransaktionen in fremder Hand

Die Zahlen, die Piero Cipollone, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, kürzlich in einer Rede zum digitalen Euro präsentierte, sollten jedem europäischen Bürger kalte Schauer über den Rücken jagen. Fast zwei Drittel aller kartengestützten Transaktionen im Euroraum würden demnach von nicht-europäischen Unternehmen abgewickelt. Dreizehn Euro-Länder seien sogar vollständig auf internationale Kartensysteme angewiesen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Kontinent mit über 450 Millionen Einwohnern, der sich als geopolitischer Akteur inszeniert, hat nicht einmal die Hoheit über sein eigenes Bezahlsystem.

Und es kommt noch schlimmer. Selbst dort, wo nationale Kartenlösungen wie die deutsche Girocard existieren, hängen diese für grenzüberschreitende Zahlungen am US-amerikanischen Unterbau. Das sogenannte Co-Badging mit Maestro oder Visa macht auch vermeintlich europäische Karten anfällig für geopolitischen Druck. Wer also als Deutscher im italienischen Restaurant seine Girocard zückt, ahnt nicht, dass die Transaktion letztlich über amerikanische Server läuft.

Der Fall Guillou: Wenn Washington den Stecker zieht

Dass dies keine theoretische Gefahr ist, sondern bittere Realität, bewies jüngst der Fall des französischen Richters Nicolas Guillou. Der Jurist steht seit Sommer 2025 gemeinsam mit zehn weiteren Mitarbeitern des Internationalen Strafgerichtshofs auf der US-Sanktionsliste. Die Begründung aus Washington: Der Gerichtshof gehe „unzulässig" gegen Amerikaner und Israelis vor – nachdem der ICC einen internationalen Haftbefehl gegen Israels Premierminister Benjamin Netanjahu erlassen hatte.

Die Konsequenzen für Guillou waren verheerend. Quasi über Nacht wurde er vom internationalen Zahlungssystem abgeschnitten. Seine Konten bei Amazon, Netflix und Airbnb? Geschlossen. Einfach so. Ein EU-Bürger, ein Richter wohlgemerkt, der seinen Beruf im Rahmen einer internationalen Institution ausübt, wurde per Federstrich aus Washington zum digitalen Paria degradiert. Wie er bei einer Pressekonferenz in Brüssel schilderte, sei er praktisch zum Offline-Kunden geworden. Wenn das kein Weckruf ist – was dann?

Trumps Druckmittel reicht bis in den europäischen Alltag

In Brüssel kursierte laut Berichten das Gerücht, dass Trump die Kontrolle über die Zahlungsinfrastruktur als Druckmittel in den Zollverhandlungen einsetzen könnte, sollten sich die Europäer nicht bewegen. Die Logik ist bestechend einfach und zugleich erschreckend: Wer die Zahlungsnetze kontrolliert, kontrolliert den Handel. Und wer den Handel kontrolliert, kontrolliert letztlich die Politik. Europa hat sich in eine Abhängigkeit manövriert, die einem Vasallenstaat würdiger wäre als einem Kontinent, der sich gerne als Wiege der Demokratie feiert.

Jahrzehntelange Versäumnisse: Wie Europa seine Souveränität verspielte

Die Ursachen für dieses Desaster liegen Jahrzehnte zurück. Europas Banken haben es schlicht versäumt, nationale Systeme zu einem europäischen Netz zu verbinden. Frühere Anläufe für ein gemeinsames Kartensystem scheiterten an der mangelnden Bereitschaft der Banken – der Business Case erschien ihnen nicht tragfähig genug. Man war sich nicht einig über gemeinsame Investitionen und Rahmenbedingungen. Während die europäischen Finanzinstitute zauderten und zögerten, bauten Visa und Mastercard ihren Vorsprung mit einem massiven Netzwerkeffekt nahezu uneinholbar aus.

Besonders bitter: Es gab durchaus einen europäischen Ansatz. Die Eurocard hatte sich in den 1980er Jahren im europäischen Wirtschaftsraum zunehmend als Alternative etabliert. Doch was geschah? Mastercard schluckte das Pilotprojekt einfach auf. Ein Lehrstück dafür, wie amerikanische Konzerne europäische Eigenständigkeit im Keim ersticken – und wie europäische Entscheidungsträger dies sehenden Auges geschehen ließen.

Auf politischer Ebene behandelte die EU das Thema lange sträflich als reines Industrieprojekt. Man setzte auf Regulierung statt auf den Aufbau eigener Infrastruktur. Erst mit der Retail-Payments-Strategie im Jahr 2020 formulierte die EU-Kommission überhaupt das Ziel eines integrierten europäischen Zahlungssystems. Zwanzig Jahre nach der Euro-Einführung. Man fasst es kaum.

Wero und der digitale Euro: Hoffnungsträger oder Feigenblatt?

Die europäische Antwort heißt Wero – ein Zahlungsdienst, der seit 2020 im Rahmen der European Payments Initiative entwickelt wird. Doch auch hier offenbart sich das typisch europäische Muster: zu spät, zu langsam, zu kleinteilig. Wero startete zunächst nur für Handy-zu-Handy-Zahlungen, seit Sommer 2024 sind sogenannte P2P-Transfers möglich, seit Ende 2025 erste Online-Zahlungen. Allerdings finde der Dienst bisher wenig Anklang bei großen Händlern, wie es heißt.

Zudem wurde Wero vornehmlich von west- und nordeuropäischen Mitgliedsstaaten initiiert. In Spanien etwa hat sich mit Bizum längst eine eigene Variante etabliert. Von einem einheitlichen europäischen System kann also keine Rede sein. Der Markt, um den es geht, ist dabei gewaltig: Der Europäische Rechnungshof hielt Anfang 2025 fest, dass digitale Zahlungen für Einzelhandelsumsätze in der EU allein 2023 die Marke von mehr als einer Billion Euro überschritten hätten. Eine Billion Euro, die größtenteils über amerikanische Infrastruktur fließt.

Digitaler Euro frühestens 2029 – wenn überhaupt

Parallel soll der digitale Euro als staatlich garantierte Zahlungsoption auf eigener Infrastruktur Abhilfe schaffen. Das Ziel klingt vernünftig: Digitale Zahlungen sollen nicht mehr von Drittländern oder privaten Gatekeepern willkürlich abgeschaltet werden können. Doch die bürokratischen Mühlen der EU mahlen bekanntlich mit der Geschwindigkeit einer Schnecke auf Valium. Eine erste potenzielle Ausgabe des digitalen Euro soll frühestens 2029 erfolgen – vorausgesetzt, die entsprechende Verordnung passiert im Laufe des Jahres 2026 das Europäische Parlament und den Rat der Europäischen Union.

Erste Pilotprojekte erhofft sich die EU-Kommission ab 2027. Doch Widerstand formiert sich bereits: Den Banken seien die Implementierungskosten von vier bis sechs Milliarden Euro über vier Jahre zu hoch. Verbraucherschützer äußern Bedenken wegen des Datenschutzes. Man könnte fast meinen, Europa suche geradezu nach Gründen, die eigene Souveränität nicht zurückzugewinnen.

Souveränität beginnt beim Bezahlen

Während Digitalminister Karsten Wildberger auf dem AI Impact Summit in Neu-Delhi einen KI-Pakt mit Indien verkündet – zweifellos ein richtiger Schritt –, bleibt die fundamentalere Frage unbeantwortet: Was nützt europäische KI-Souveränität, wenn Washington jederzeit den digitalen Geldhahn zudrehen kann? Souveränität ist unteilbar. Sie beginnt nicht bei Künstlicher Intelligenz oder Verteidigungspolitik, sondern bei der elementarsten Frage des wirtschaftlichen Lebens: Kann ich bezahlen, ohne um Erlaubnis zu fragen?

Die Antwort lautet derzeit: Nein. Und solange das so bleibt, sind alle Sonntagsreden über europäische Eigenständigkeit nichts weiter als heiße Luft. Der Fall Guillou hat gezeigt, wohin die Reise geht. Heute trifft es einen Richter. Morgen könnte es ein ganzes Land treffen. Europa muss aufwachen – bevor es zu spät ist.

In Zeiten solch fundamentaler Unsicherheiten über die Stabilität digitaler Zahlungssysteme und die geopolitische Verwundbarkeit elektronischer Infrastrukturen erweist sich einmal mehr der Besitz physischer Edelmetalle als kluger Baustein einer vorausschauenden Vermögenssicherung. Gold und Silber funktionieren ohne Server, ohne Sanktionslisten und ohne die Gnade eines US-Präsidenten. Sie sind das ultimative Zahlungsmittel, das niemand abschalten kann.

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