
Evakuierung in Riad: Plant Washington den nächsten Iran-Schlag?

Die USA ziehen nicht zwingend benötigtes Regierungspersonal samt Familien aus Saudi-Arabien ab. Als Grund nennt Washington die immer heftigeren Angriffe der Huthi-Miliz auf das Königreich. Gleichzeitig berichtet die New York Times, amerikanische und israelische Militärs hätten bereits konkrete Pläne für neue Schläge gegen den Iran ausgearbeitet. Losgehen könnte es demnach nach den US-Zwischenwahlen am 3. November.
Drohnen auf Flughafen und Ă–lfeld
Dass die Lage ernst ist, zeigen die jĂĽngsten Angriffe. Am Mittwoch traf ein Angriff den King Fahd International Airport in Dammam. Mindestens ein Mensch starb, acht wurden verletzt. Bei einem Drohnenangriff auf das Shaybah-Ă–lfeld von Saudi Aramco kamen laut der staatlichen Nachrichtenagentur SPA zwei Menschen ums Leben, der Betrieb sei aber weitergelaufen.
Ein Sprecher des US-Außenministeriums, Tommy Pigott, erklärte auf X, die Anordnung gelte nur für Saudi-Arabien. Er begründete sie mit den zunehmenden Attacken der vom Iran unterstützten Huthis auf zivile Ziele. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet allerdings, Washington wolle auch aus anderen Vertretungen in der Region Angehörige abziehen. Wie angespannt die Stimmung in Riad ist, zeigt auch eine Absage: Medienberichten zufolge hat das Königreich seine prestigeträchtige Investorenkonferenz „Future Investment Initiative“, die für Ende Oktober geplant war, auf 2027 verschoben.
„Kurz, aber intensiv“: Der Plan nach der Wahl
Der Krieg begann Ende Februar und dauert inzwischen fast acht Monate. Laut New York Times laufen die Planungen für eine „kurze, aber intensive“ Operation auf Hochtouren. Die Streitkräfte beider Länder hätten zuletzt mehr geübt, unter anderem mit Flügen über dem Irak, bei denen Angriffsmanöver trainiert worden seien. Verteidigungsminister Pete Hegseth soll diese Woche bei einem unangekündigten Besuch in Israel mit Premierminister Benjamin Netanjahu über mögliche neue Schläge gesprochen haben.
Im Visier stünden dem Bericht zufolge Irans Energieinfrastruktur, seine Atomanlagen sowie sein Arsenal an Raketen und Drohnen. Allerdings: Präsident Donald Trump habe die Angriffe noch nicht freigegeben. In diesem Jahr soll er mehrfach Pläne für eine Rückkehr zu großen Kampfhandlungen gestoppt haben. Medienberichten zufolge rechnet Trump damit, dass nach den Zwischenwahlen ein Abkommen zustande kommt. Diplomatie und Kriegsplanung laufen also parallel. Teheran gibt sich derweil unnachgiebig. Iranische Offizielle drohen damit, künftig auch Rechenzentren und Unterseekabel für das Internet anzugreifen. Beim Atomprogramm wollen sie keine Zugeständnisse machen.
Ă–lpreis klettert ĂĽber 110 Dollar
An den Rohstoffmärkten kommt die Nachricht sofort an. Die Nordseesorte Brent kostete zeitweise mehr als 110 Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI legte um ein Prozent auf 98,12 Dollar zu. Nach Angaben des Analysehauses Kpler fließt trotz aller Störungen durch die Straße von Hormus wieder fast so viel Öl wie vor dem Krieg. Trotzdem sehen die Analysten eher Spielraum nach oben, vor allem wegen der Nachfrage aus China.
„China's crude import demand is expected to continue recovering, driven by rising refinery throughput and rapidly declining crude inventories."
So formuliert es Muyu Xu, leitende Rohöl-Analystin bei Kpler. Sie schätzt, dass Chinas Lager im September um 1,6 Millionen Barrel pro Tag geschrumpft seien, so schnell wie nie zuvor. Die Reserven lägen noch bei 1,1 Milliarden Barrel. Damit kämen die Raffinerien etwa 80 Tage aus. Weil fast alle iranischen Ladungen außerhalb der US-Blockade bereits gelöscht seien, dürften chinesische Staats- und Privatraffinerien verstärkt um Öl aus dem Nahen Osten konkurrieren.
Was das fĂĽr Deutschland bedeutet
Für deutsche Verbraucher und Unternehmen ist das eine schlechte Nachricht. Wenn Peking um dieselben Fässer konkurriert und im Golf neue Raketen drohen, spüren das Pendler an der Zapfsäule und Betriebe auf der Stromrechnung. Ein Hochsteuerland, das selbst kaum Rohstoffe fördert, kann sich solche Schocks eigentlich nicht leisten.
Gerade in solchen Zeiten setzen viele Sparer auf Werte, die nicht davon abhängen, was ein Staat verspricht oder wie stabil ein Markt ist. Physisches Gold und Silber haben über Jahrhunderte gezeigt, dass sie in Krisen bestehen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie eine sinnvolle Absicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂźlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist fĂĽr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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