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14.08.2026
13:30 Uhr
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Feuerwalze in der Eifel: Panzer gegen Flammen, 2000 Menschen auf der Flucht

Feuerwalze in der Eifel: Panzer gegen Flammen, 2000 Menschen auf der Flucht
Symbolbild: KI-generiert

Es ist die Nacht, in der die Polizei Klingeln drĂŒckt und TĂŒren hĂ€mmert: Kurz vor vier Uhr morgens ordnete die Feuerwehr die Evakuierung des HĂŒrtgenwalder Ortsteils Gey im Kreis DĂŒren an. Rund 2000 Menschen mussten ihre HĂ€user verlassen, weil ein Waldbrand in der Nordeifel außer Kontrolle geraten ist. Am Freitagmittag brannten nach Angaben des Kreises rund 300 Hektar Wald – eine FlĂ€che von etwa 420 Fußballfeldern.

Der Wind drehte – und plötzlich zĂ€hlten Meter

In der Nacht lag das Feuer noch rund 500 Meter vom Ort entfernt. Dann kippte der Wind. BĂŒrgermeister Stephan Cranen (parteilos) sprach am Morgen von weniger als 300 Metern, spĂ€ter rĂŒckten die Flammen bis unmittelbar an die ersten HĂ€user heran. Die Warn-App Nina schaltete auf die höchste Stufe: „Extreme Gefahr“.

Gegen 8 Uhr meldete der Kreis, die Evakuierung sei abgeschlossen. Nur das Nötigste sollten die Bewohner mitnehmen: Ausweis, Medikamente, Mund und Nase notfalls mit einem Tuch bedeckt. Anlaufstellen wurden in der Grundschule Straß und einem Sport- und SchĂŒtzenheim eingerichtet – eine Sammelstelle musste Medienberichten zufolge spĂ€ter wegen Ascheflugs nach DĂŒren verlegt werden.

Wenn im Wald die Munition von 1944 explodiert

Was den Einsatz besonders tĂŒckisch macht: der Boden selbst. Im HĂŒrtgenwald tobte im Herbst und Winter 1944/45 eine der verlustreichsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs, mit Bunkern, schweren GeschĂŒtzen und Minenfeldern. Bis heute steckt Kampfmittel im Waldboden.

Landrat Ralf Nolten (CDU) erklÀrte, das GelÀnde sei sehr schwierig, wegen der hohen Munitionsbelastung könne man keine einzelnen Feuerwehrleute mit LöschrucksÀcken hineinschicken. In der Nacht sei auf dem BrandgelÀnde bereits Munition explodiert.

Deshalb rollt die Bundeswehr an: Zwei Panzer sollen Schneisen in den Wald schlagen, dazu kommen Forstunternehmer, MotorsĂ€gen und laut Feuerwehr auch das kontrollierte Gegenfeuer – eine Taktik, die man sonst aus Kanada oder SĂŒdeuropa kennt. Drei Löschhubschrauber unterstĂŒtzen aus der Luft, rund 300 KrĂ€fte sind im Einsatz.

Rauch ĂŒber DĂŒren – und die Frage nach der Vorsorge

Der Rauch reicht weit ĂŒber das Brandgebiet hinaus. FĂŒr zahlreiche DĂŒrener Stadtteile – darunter GĂŒrzenich, Rölsdorf, Lendersdorf und Merken – forderte der Kreis die Bewohner auf, sofort geschlossene RĂ€ume aufzusuchen; gesundheitliche BeeintrĂ€chtigungen seien nicht auszuschließen. Auch der Ortsteil Großhau gilt als gefĂ€hrdet, eine Evakuierungsaufforderung gab es dort zunĂ€chst nicht.

Das NRW-Landwirtschaftsministerium hĂ€lt es fĂŒr möglich, dass es sich um den grĂ¶ĂŸten Waldbrand in Nordrhein-Westfalen seit Jahrzehnten handelt – abschließend beurteilen lasse sich das erst nach den Löscharbeiten. Innenminister Herbert Reul und Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (beide CDU) appellierten, betroffene WĂ€lder zu meiden: BrĂ€nde könnten sich rasant ausbreiten und Fluchtwege abschneiden.

Anhaltende DĂŒrre und Hitze liefern das Brennmaterial. Die Ursache liegt jedoch meist beim Menschen: Nach Angaben des Nationalparks Eifel gehen nahezu alle WaldbrĂ€nde in NRW nicht auf Blitzschlag, sondern auf Unachtsamkeit zurĂŒck.

Aus Sicht unserer Redaktion legt dieser Einsatz auch eine unbequeme Wahrheit offen: Deutschland verlĂ€sst sich im Ernstfall auf Ehrenamtliche, improvisierte Technik und Amtshilfe der Bundeswehr. Kritiker mahnen seit Jahren, dass beim Bevölkerungs- und Katastrophenschutz zu lange gespart wurde – wĂ€hrend Milliarden in Prestigeprojekte flossen. Wer in Gey heute Nacht aus dem Bett geklingelt wurde, weiß nun, wie schnell es ernst wird.

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