
Flucht aus den Tech-Giganten: Warum clevere Investoren jetzt auf KI-Infrastruktur setzen
Während die einst gefeierten Börsenlieblinge der künstlichen Intelligenz ins Straucheln geraten, vollzieht sich an der Wall Street ein bemerkenswerter Paradigmenwechsel. Immer mehr Investoren kehren den hochbewerteten Tech-Giganten den Rücken und wenden sich stattdessen jenen Unternehmen zu, die das physische Rückgrat der KI-Revolution bilden – Chiphersteller, Rechenzentrumsbauer und Energieversorger. Ein Trend, der nachdenklich stimmen sollte.
Die Ernüchterung nach dem Hype
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Aktien von KI-Schwergewichten wie Alphabet und Amazon haben nach Jahren astronomischer Kursgewinne empfindliche Rückschläge erlitten. Die Sorge wächst, dass die gewaltigen Investitionen in immer intelligentere KI-Systeme die schwindelerregenden Bewertungen schlicht nicht rechtfertigen könnten. Der Roundhill Magnificent 7 ETF, der die Performance der sogenannten KI-Hyperscaler abbildet, hat in diesem Jahr bereits 7,3 Prozent verloren – während der breite S&P 500 mit mageren 0,52 Prozent vor sich hindümpelt.
Ganz anders sieht es bei den Unternehmen aus, die tatsächlich die Schecks einlösen. Caterpillar, der Optik-Spezialist Lumentum und der Datenspeicher-Hersteller Western Digital verzeichnen allesamt zweistellige Kursgewinne. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die „langweiligen" Infrastrukturunternehmen die glamourösen Tech-Stars in den Schatten stellen würden?
Eine Lawine neuer Anlageprodukte
Die Finanzindustrie hat den Trend natürlich längst gewittert – und reagiert mit einer wahren Flut neuer börsengehandelter Fonds. BlackRock, VistaShares und Impax Asset Management überarbeiten ihre Produktpaletten oder lancieren völlig neue Angebote, die auf ein zunehmend spezialisiertes Spektrum von KI-Infrastruktur-Investments setzen.
„Unser Ziel ist, dass jedes Mal, wenn ein Unternehmen wie Meta oder Amazon in ein Rechenzentrum investiert, die Kassen in unserem Portfolio klingeln."
So beschreibt Adam Patti, Chef von VistaShares, die Strategie seines im Dezember 2024 aufgelegten Artificial Intelligence Supercycle ETF. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Fonds legte 2025 um beachtliche 58,4 Prozent zu und steht in diesem Jahr bereits bei einem Plus von knapp 17 Prozent. Bemerkenswert dabei: Obwohl Nvidia im Portfolio vertreten ist, hat der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix, dessen Halbleiter in Rechenzentren verbaut werden, eine mehr als doppelt so hohe Gewichtung.
BlackRock setzt massiv auf die „Schaufelverkäufer"
Auch der Branchenriese BlackRock hat seine Strategie grundlegend angepasst. Der iShares A.I. Innovation and Tech Active ETF investiert mittlerweile 74 Prozent seiner 8,8 Milliarden Dollar schweren Vermögenswerte in KI-Infrastruktur – von Chipherstellern über Energieunternehmen bis hin zu spezialisierten Zulieferern. Vor einem Jahr lag dieser Anteil noch bei 59 Prozent. Jay Jacobs, BlackRocks US-Chef für Aktien-ETFs, bringt es auf den Punkt: Dort seien derzeit schlicht die Umsätze zu finden. Der Fonds hat in den vergangenen zwölf Monaten 7,9 Milliarden Dollar an frischem Kapital angezogen.
Allein in diesem Monat wurden zwei weitere Infrastruktur-ETFs aufgelegt. Impax Asset Management wandelte einen bestehenden Investmentfonds in einen globalen Infrastruktur-ETF um, während Harrison Street Asset Management einen auf Elektrifizierung fokussierten KI-Fonds startete. Die Energieversorgung sei eine der größten Engpässe beim Ausbau der benötigten KI-Rechenzentren, betonte Robert Becker, Chefstratege bei Harrison Street.
Die „Stealth"-Profiteure der KI-Revolution
Besonders faszinierend ist die Jagd nach verborgenen Gewinnern. Ari Sass von M.D. Sass Investor Services beobachtet, wie Unternehmen, die er einst als „Stealth"-KI-Investments bezeichnete, zunehmend ins Rampenlicht rücken. Darunter fallen Firmen, die den enormen Energiebedarf von Halbleiterfabriken und Rechenzentren decken. Quanta Services etwa, ein Dienstleister für Bau und Wartung elektrischer Versorgungsnetze, hat seit Jahresbeginn bereits über 24 Prozent zugelegt.
Ein besonders kurioses Beispiel liefert Modine Manufacturing aus Wisconsin – ein über hundert Jahre altes Unternehmen, das einst Kühler für landwirtschaftliche Geräte produzierte und sich inzwischen auf Kühlsysteme für Rechenzentren spezialisiert hat. Die Aktie notiert knapp 20 Prozent im Plus. Es sind solche Geschichten, die zeigen, wie tiefgreifend die KI-Revolution die Wirtschaft umwälzt – weit über das Silicon Valley hinaus.
Mahnende Stimmen werden lauter
Doch nicht alle teilen die Euphorie. Erfahrene Marktbeobachter warnen vor Parallelen zum Glasfaser-Boom der späten 1990er Jahre, als Netzwerkfirmen massiv in Infrastruktur investierten, um den Internetboom zu bedienen – nur um anschließend spektakulär zusammenzubrechen. Michael Reynolds von Glenmede mahnt zur Vorsicht: Zwar kämen die KI-Investitionen diesmal von finanziell deutlich solideren Unternehmen, doch die Bewertungen für alles mit KI-Bezug würden allmählich „etwas üppig".
Diese Warnung sollte man ernst nehmen. Denn die Geschichte der Finanzmärkte lehrt uns eines mit brutaler Regelmäßigkeit: Wenn alle in dieselbe Richtung rennen, steht der Abgrund oft näher, als man denkt. Die rund 630 Milliarden Dollar, die allein in diesem Jahr in KI-Infrastruktur fließen sollen, sind eine gewaltige Summe – und die Frage, ob sich diese Investitionen jemals amortisieren, ist keineswegs beantwortet.
Was bedeutet das für den deutschen Anleger?
Für deutsche Investoren, die ohnehin unter einer erdrückenden Steuerlast und einer wirtschaftspolitisch orientierungslosen Regierung leiden, stellt sich die Frage nach der richtigen Anlagestrategie drängender denn je. Während in Berlin munter neue Schulden aufgetürmt werden – man denke nur an das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das kommende Generationen belasten wird –, suchen immer mehr Bürger nach Wegen, ihr Vermögen zu schützen. Die Volatilität an den Aktienmärkten, befeuert durch Trumps aggressive Zollpolitik mit 20 Prozent auf EU-Importe, macht die Lage nicht einfacher.
In solch unsicheren Zeiten bewährt sich einmal mehr die zeitlose Weisheit, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber bieten als greifbare Werte eine bewährte Absicherung gegen die Unwägbarkeiten digitaler Hypes und politischer Fehlentscheidungen. Sie kennen keinen Stromausfall, keinen Servercrash und keine Bewertungsblase – und haben über Jahrtausende ihren Wert bewiesen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfältiger Recherche getroffen werden. Für etwaige Verluste, die aus der Nutzung der hier bereitgestellten Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung. Konsultieren Sie bei Bedarf einen qualifizierten Finanzberater.

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