
Franken statt Yen: Profi-Zocker entdecken neue Billig-Geldquelle

Die großen Devisenspekulanten wechseln das Pferd. Weil der japanische Yen durch Interventionen unberechenbar geworden ist, finanzieren Hedgefonds ihre Carry Trades zunehmend im Schweizer Franken. Daten der US-Terminmarktaufsicht CFTC für die Woche bis zum 11. August zeigen: Die Netto-Short-Position im Franken kletterte auf nahezu den höchsten Stand seit zwei Monaten – während die Wetten gegen den Yen die zweite Woche in Folge zurückgefahren wurden.
Was hinter dem Carry Trade steckt
Das Prinzip ist so alt wie simpel: Billig verschulden, teuer anlegen. Investoren nehmen Kredit in einer Niedrigzinswährung auf, tauschen das Geld und kaufen damit höher verzinste Anlagen – gern in Schwellenländern. Der Gewinn ist die Zinsdifferenz, der sogenannte „Carry".
Klingt nach Geld drucken. Ist es aber nicht. Wertet die Finanzierungswährung plötzlich auf, sind die mühsam eingesammelten Zinspunkte binnen Stunden verbrannt. Genau das erlebten die Märkte im August 2024, als eine Zinserhöhung der Bank of Japan die Yen-Carry-Trades kollabieren ließ und die Kurse weltweit auf Talfahrt schickte.
Warum der Yen zum Minenfeld wurde
Ende Juli griffen Tokio und Washington gemeinsam am Devisenmarkt ein, um den Yen von seinem historischen Tief wegzudrücken – Medienberichten zufolge die erste größere US-Devisenintervention seit 2011. Seither schwankt die japanische Währung stark. Zusätzlich soll Japans Regierung laut mit der Sache vertrauten Personen eine baldige Zinserhöhung der Notenbank unterstützen.
Für Carry-Trader ist das Gift. Wer sich in Yen verschuldet, wettet faktisch gegen eine Notenbank und ein Finanzministerium, die beide einen stärkeren Yen wollen.
„Der Markt hat zuletzt Short-Positionen im Schweizer Franken aufgebaut, um Devisen-Carry-Trades zu finanzieren", sagte Tobias Jungmann, Leiter des Devisenoptionsgeschäfts für Amerika bei Bank of America in New York.
Die Schweiz als Selbstbedienungsladen
Der Franken bietet, was die Spekulanten suchen: Der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank liegt seit Juni 2025 bei null Prozent, der SARON notiert sogar leicht negativ. Und die SNB gilt als bereit, eine zu starke Aufwertung zu bremsen – eine Art impliziter Rückenwind für jeden, der die Währung leerverkauft.
Die Zahlen sprechen für sich: Wer sich im Franken verschuldete und in den hochverzinsten mexikanischen Peso investierte, verdiente laut Bloomberg-Daten im vergangenen Monat fast 4 Prozent. Der gleiche Trade mit Yen-Finanzierung brachte nur 1,3 Prozent. Der Franken hat gegenüber dem Euro seit seinem Elfjahreshoch im März spürbar nachgegeben.
Stephen Jefferies, Leiter für Währungen und Schwellenländer bei JPMorgan in London, verweist darauf, dass Anleger nach 2024 vorsichtiger geworden seien – gefragt seien nun alternative Finanzierungswährungen wie Franken, Euro und sogar der Taiwan-Dollar.
Ein Kartenhaus mit Ansage
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt dieser Währungs-Karussellwechsel vor allem eines: Das globale Finanzsystem lebt weiterhin von billigem, geliehenem Geld. Solange Notenbanken Zinsen künstlich bei null halten, wandern die Spekulationsströme einfach dorthin, wo das Geld am günstigsten ist – bis der nächste Schock die Kette reißt.
Wer solche Verwerfungen beobachtet, versteht, warum physisches Gold und Silber seit Jahrhunderten als Gegengewicht dienen: Sie tragen kein Gegenparteirisiko und lassen sich von keiner Notenbank per Knopfdruck vermehren. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie ein nüchterner Anker in einem Markt, der zunehmend auf Kredit läuft.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger muss eigenverantwortlich recherchieren und entscheiden; Kapitalanlagen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden.
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