
Führungskrise in deutschen Unternehmen: Kaum jemand will noch Chef sein

Die deutsche Wirtschaft steht vor einem bemerkenswerten Paradoxon: Während Unternehmen händeringend nach Führungskräften suchen, winken die meisten Beschäftigten dankend ab. Nur jeder siebte Arbeitnehmer ohne Leitungsfunktion kann sich überhaupt vorstellen, eine Führungsposition zu übernehmen. Ein alarmierendes Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Fast 30.000 Führungskräfte fehlen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2025 fehlen durchschnittlich 28.180 Fachkräfte in Führungsberufen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung am Institut der deutschen Wirtschaft hervor. Studienautorin Regina Flake warnt eindringlich vor den Konsequenzen: Vakanzen in Führungspositionen hätten häufig besonders gravierende Folgen für die Geschäftsprozesse.
Die repräsentative Befragung von über 3.100 Beschäftigten ohne Leitungsfunktion offenbart das ganze Ausmaß der Misere. Gerade einmal 14 Prozent würden eine angebotene Führungsposition annehmen. Weitere 40 Prozent ziehen dies nur unter bestimmten Umständen in Betracht, während satte 43 Prozent Führungsaufgaben kategorisch ablehnen.
Warum niemand mehr führen will
Die Gründe für diese Verweigerungshaltung sind vielfältig und werfen ein bezeichnendes Licht auf die Arbeitswelt im Jahr 2025. An erster Stelle steht die hohe Arbeitsbelastung, die 77 Prozent der Befragten abschreckt. Dicht gefolgt von der großen Verantwortung mit 75 Prozent und den befürchteten Einschnitten ins Privatleben mit 73 Prozent.
Besonders aufschlussreich: Fast die Hälfte der Befragten sieht in einer Führungsposition keine ausreichenden finanziellen Anreize. Ebenso viele fürchten den Verlust guter Beziehungen zu ihren Kollegen. Die Expertin Flake bringt es auf den Punkt:
„Die Attraktivität von Führungsaufgaben nimmt ab, weil sich ihre Wahrnehmung verschoben hat – weg von Status und Privilegien. Ein Führungsangebot wird nicht automatisch als Belohnung wahrgenommen."
Der Wandel der Werte
Was hier zum Vorschein kommt, ist ein fundamentaler gesellschaftlicher Wandel. Die klassische Karriereleiter, einst Symbol für Erfolg und Anerkennung, hat für viele Menschen ihren Glanz verloren. Work-Life-Balance, Selbstverwirklichung und persönliche Freiheit rangieren heute höher als Titel und Macht. Man mag darüber streiten, ob dies ein Zeichen von Dekadenz oder von gesteigerter Lebensklugheit ist.
Was Führungswillige wirklich wollen
Bei denjenigen, die sich grundsätzlich für Führungsverantwortung interessieren, steht ein hohes Gehalt mit 95 Prozent an erster Stelle. Größere Gestaltungsspielräume und mehr Entscheidungsfreiheit folgen mit 85 Prozent. Viele legen zudem Wert darauf, einen eigenen Führungsstil entwickeln zu können.
Doch mit höheren Gehältern allein lässt sich das Problem nicht lösen, warnt Expertin Flake. Führung müsse so gestaltet werden, dass sie mit dem Privatleben vereinbar ist. Besonders Frauen und Teilzeitbeschäftigte würden motiviert, wenn Führungsrollen flexibel ausgeübt werden dürfen – etwa in Teilzeit oder im Homeoffice.
Ein strukturelles Problem
Der Mangel an Führungskräften ist kein neues Phänomen. Im Jahr 2015 lag die Fachkräftelücke noch bei rund 14.000, erreichte 2022 mit 34.600 ihren Höchstwert und ist seitdem leicht rückläufig. Dennoch berichtete in einer Umfrage aus dem Jahr 2023 jedes zweite Unternehmen von wachsenden Schwierigkeiten bei der Besetzung von Führungspositionen.
Die Zahlen dürften in Wahrheit sogar noch höher liegen. Denn die Fachkräftedaten erfassen nicht alle Vakanzen. Werden etwa Teamleiter gesucht, die neben ihrer fachlichen Tätigkeit auch Führungsaufgaben ausüben, wird häufig nur der Fachberuf bei der Bundesagentur für Arbeit angegeben.
Lösungsansätze gefragt
Stellvertretende Leitungspositionen, Mentoring und Coaching könnten den Einstieg erleichtern und die Bereitschaft erhöhen, Verantwortung zu übernehmen. Viele Beschäftigte schrecken vor Führung zurück, weil sie einen Sprung ins kalte Wasser befürchten, so Flake.
Die deutsche Wirtschaft steht vor einer gewaltigen Herausforderung. In einer Zeit, in der ohnehin Fachkräfte an allen Ecken und Enden fehlen, verschärft die mangelnde Bereitschaft zur Übernahme von Führungsverantwortung die Situation zusätzlich. Ohne grundlegende Veränderungen in der Unternehmenskultur und den Arbeitsbedingungen wird sich dieses Problem kaum lösen lassen.
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