
Gas-Alarm vor dem Winter: EU-Behörde denkt laut über Sparzwang nach!

Die EU-Regulierungsagentur ACER warnt in ihrem neuen Gasmarktbericht vor einem Engpass. Um sicher durch den Winter zu kommen, bräuchte die EU rund 900 Terawattstunden Flüssigerdgas (LNG), so viel wie noch nie. Die Importe sinken aber, und Deutschland geht mit schwach gefüllten Speichern in die Heizsaison. Als letzte Möglichkeit nennt die Behörde sogar verpflichtende Einschränkungen beim Verbrauch.
Rekordbedarf, aber zu wenig Lieferungen
Die 900 Terawattstunden entsprechen etwa 78 Milliarden Kubikmetern Erdgas. Das sind elf Prozent mehr als der höchste Wert der vergangenen fünf Winter. Im Durchschnitt dieser Jahre wurden nur rund 662 Terawattstunden LNG ins Netz eingespeist, der bisherige Höchstwert lag bei 812.
Die Rechnung von ACER beruht auf günstigen Annahmen: ein Verbrauch wie im Vorwinter, ein Speicherstand von etwa 28 Prozent am Ende der Heizsaison, hohe Pipelineimporte, eine starke Förderung in Europa und russisches Pipelinegas auf dem Niveau des Vorjahres. Ob sich die berechneten Speicherverläufe technisch überhaupt umsetzen lassen, hat die Behörde nach eigenen Angaben nicht geprüft.
Kommt nur so viel LNG an wie im Durchschnitt der letzten fünf Winter, müsste die EU laut ACER rund sechs Prozent weniger Gas verbrauchen als im Vorwinter, um die Saison mit 20 Prozent Füllstand zu beenden. Helfen könnten mildes Wetter oder Verbraucher, die wegen hoher Preise sparen. Andernfalls käme die staatliche Drosselung in Frage.
Deutschland hinkt beim Speichern hinterher
Laut Daten von Gas Infrastructure Europe waren die deutschen Speicher am Dienstag zu 61,65 Prozent gefüllt. In Italien sind es rund 90 Prozent. Der EU-Durchschnitt lag laut ACER am 21. Oktober bei 75 Prozent. Rehden, der größte deutsche Speicher, war zu diesem Zeitpunkt erst zu 18 Prozent voll.
Der Unterschied hat Gründe. Italien unterstützt das Befüllen mit Geld und strengen Vorgaben. Deutsche Betreiber kritisierten dagegen schon im Sommer falsche Preissignale: Gas zum sofortigen Kauf war teurer als Gas für den Winter. Wer im Sommer einlagerte, zahlte also drauf. Der Betreiber EWE erklärte im August:
„Die heute niedrigen Speicherstände sind ernst zu nehmen und bedeuten einen geringeren Puffer im Vergleich zu vorangegangenen Wintern.“
Dazu kommt ein technisches Problem: Je leerer ein Speicher ist, desto weniger Gas lässt sich pro Tag entnehmen.
Abhängig von den USA und vom Spotmarkt
Die USA lieferten im Sommer rund 64 Prozent der EU-LNG-Importe und etwa 30 Prozent aller Gasimporte der EU. Die US-Mengen sanken zwar um neun Prozent, die gesamten LNG-Importe der EU gingen aber noch stärker zurück, nämlich um 14 Prozent. ACER nennt als Gründe ausgefallene Lieferungen aus Katar wegen des Iran-Kriegs, Störungen an der Straße von Hormus und die Konkurrenz aus Asien. Etwa 30 Prozent der Importe stammen vom Spotmarkt, also aus kurzfristigen Käufen. Viele Tanker auf dem Weg nach Europa fuhren am Ende nach Asien, weil dort mehr gezahlt wurde.
Russland bleibt trotz des geplanten EU-Importverbots ab 2027 ein wichtiger Lieferant: Sein Anteil an den LNG-Importen lag im Sommer bei 14 Prozent. Thomas Geisel, früher für den Gaseinkauf bei Eon Ruhrgas zuständig, glaubt nach eigener Aussage nicht, dass sich das russische Gas dauerhaft aus anderen Quellen ersetzen lässt.
Ein teurer Winter für Haushalte und Betriebe
Der europäische Gaspreis stieg am Montag zeitweise über 97 Euro je Megawattstunde. Neue Verträge helfen vorerst kaum. Der staatliche Importeur Sefe hat zwar 20 Jahre lang jährlich eine Million Tonnen LNG aus Kanada gesichert. Die ersten Lieferungen werden aber erst Anfang der 2030er-Jahre erwartet und sind nicht fest für Deutschland vorgesehen.
Die Bundesnetzagentur hält die Versorgung trotzdem für stabil, weil auf dem Weltmarkt genug Gas verfügbar sei. Das mag stimmen. Kritiker wenden jedoch ein: Wenn Europa im Winter kurzfristig teures LNG kaufen muss, zahlen das Haushalte und Unternehmen über höhere Gasrechnungen. Für die ohnehin belastete Industrie wäre das ein weiterer Nachteil im Wettbewerb.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Bericht, wie anfällig die Energieversorgung geworden ist, wenn sie vom Weltmarkt und von politischen Entscheidungen abhängt. Wer sein Vermögen gegen solche Risiken absichern will, kann physische Edelmetalle wie Gold und Silber als Ergänzung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Wir geben unsere eigene Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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