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Gas-Poker um die Ukraine: Kreml nennt Trumps Winter-Plan unmöglich

Gas-Poker um die Ukraine: Kreml nennt Trumps Winter-Plan unmöglich
Symbolbild: KI-generiert

Washington möchte russisches Erdgas noch vor dem Winter wieder durch ukrainische Pipelines nach Europa leiten. Moskau winkt vorerst ab. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte am Montag laut der Nachrichtenagentur Interfax, die Lage „vor Ort“ zeige „mehr als deutlich“, dass solche Pläne derzeit nicht umsetzbar seien. Ganz zu ist die Tür damit aber nicht.

Ein Neustart sei in Zukunft durchaus denkbar, sagte Peskow. Entscheidend seien der Wille von Käufern und Verkäufern und die Möglichkeiten der Lieferanten. Europa bleibe ein „Premium-Markt“. Wachsen werde die Nachfrage künftig allerdings vor allem im globalen Süden. Die Botschaft an Brüssel ist kaum zu überhören: Moskau braucht euch, aber nicht um jeden Preis.

Der Deal: Gas ĂĽber einen amerikanischen Mittelsmann

Peskow reagierte auf einen Exklusivbericht des Wall Street Journal. Demnach drängen die USA darauf, die Lieferungen möglichst schnell wieder aufzunehmen. Washington sehe darin einen Baustein für eine begrenzte Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine.

Laut dem Bericht sieht das Modell so aus:

  • Ein US-Unternehmen tritt als Zwischenhändler auf.
  • Die russischen Einnahmen flieĂźen auf ein Treuhandkonto in einem Drittstaat, damit Moskau während des Krieges nicht frei darĂĽber verfĂĽgen kann.
  • Kiew erhält im Gegenzug TransitgebĂĽhren.

Vorgebracht haben sollen den Vorschlag Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, und zwar bei Gesprächen in Moskau und Kiew. Medienberichten zufolge setzt Washington darauf, dass hohe Energiepreise und knappe Mengen den Widerstand der Europäer gegen russisches Gas aufweichen könnten.

Kiew hat den Hahn selbst zugedreht

Der Plan stößt auf ein grundsätzliches Problem: Die Ukraine hat den Transit zum Jahreswechsel 2024/2025 bewusst beendet. Der fünfjährige Vertrag zwischen dem ukrainischen Netzbetreiber und Gazprom lief Ende Dezember 2024 aus, und Kiew verlängerte ihn nicht. Präsident Wolodymyr Selenskyj begründete das damit, dass Russland keine weiteren Einnahmen für den Krieg bekommen solle.

Die ukrainische Skepsis ist geblieben. Wie Le Monde berichtet, haben ukrainische Verhandler einen ähnlichen Vorschlag zum Transport von russischem Öl und Gas bereits abgelehnt. Die Transitgebühren wären zwar willkommen. In Kiew fürchte man aber, wieder wirtschaftlich von Moskau abhängig zu werden. Auf Peskows Aussagen hat die ukrainische Regierung bisher nicht öffentlich reagiert.

Brüssel hält am Gasverbot fest

Auch die EU-Kommission bleibt bei ihrer Linie. Zum Bericht des Wall Street Journal wollte sich Energie-Sprecherin Anna-Kaisa Itkonen nicht äußern. Der Kurs sei aber klar: Bis Ende 2027 soll nach geltender Rechtslage sämtliches russisches Gas vom europäischen Markt verschwinden. Ob ein amerikanischer Zwischenhändler mit Treuhandkonto mit dem Verbot vereinbar wäre, beantwortete die Kommission nicht.

Viel spricht nicht dafür. Ein US-Vermittler ändert nichts an der russischen Herkunft des Gases. Importeure müssen nach EU-Regeln nachweisen, woher die Lieferungen stammen und auf welchen Verträgen sie beruhen. Ohne Kiew und ohne Einigung mit Brüssel kann Washington den Transit also nicht wieder starten.

Wer am Ende die Rechnung bezahlt

Für deutsche Verbraucher und Unternehmen ist das Ganze mehr als ein diplomatisches Schachspiel. Seit dem Bruch mit Moskau ist Europa stark auf teureres Flüssiggas angewiesen, zu einem großen Teil aus den USA. Dass ausgerechnet Washington jetzt russisches Pipelinegas über einen eigenen Zwischenhändler anbieten will, hat eine gewisse Ironie. Am Gasgeschäft mit Europa würden die Amerikaner so oder so verdienen.

Die Bundesregierung hat sich bisher hinter den BrĂĽsseler Kurs gestellt. FĂĽr eine Industrie, die unter hohen Energiekosten leidet, ist das ein teures Bekenntnis. Sicher scheint vor allem eines: Die Versorgung bleibt eine politische Frage, ĂĽber die in Washington, Moskau, Kiew und BrĂĽssel entschieden wird. Die Kosten tragen am Ende die BĂĽrger.

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