
Gas-Schock aus West Virginia: Pipeline-Panne treibt die Preise hoch!

Ein mechanischer Defekt legt eine der wichtigsten Gasadern Amerikas lahm. Der Pipelinebetreiber Columbia Gas Transmission, eine Tochter des kanadischen Konzerns TC Energy, hat am Donnerstag für die Mountaineer-XPress-Leitung in West Virginia höhere Gewalt erklärt. An der New Yorker Warenterminbörse Nymex sprang der Erdgaspreis daraufhin kräftig nach oben.
Das Signal ist deutlich: Selbst im gasreichsten Land der Welt kann ein einziges defektes Rohrstück die Märkte ins Wanken bringen.
Druck runter, Preise rauf
Der Betreiber ordnete eine sofortige Drucksenkung auf der sogenannten Line 100 an. Betroffen ist der Abschnitt zwischen der Verdichterstation Mt. Olive im Jackson County und der Regulierstation Saunders Creek im Cabell County. Grund sei ein unerwartetes mechanisches Problem.
Die Folgen sind drastisch. Laut dem Analysehaus Criterion Research wird die Kapazität des betroffenen Engpasses ab dem Zyklus vom 25. September auf null gesetzt. Nach Schätzungen des Betreibers sind rund 1,8 Millionen Dekatherm fest gebuchter Kapazität pro Tag betroffen. Das entspricht fast exakt den 1,88 Millionen Dekatherm, die zuletzt durch den Abschnitt fließen sollten. Einen Termin für die Reparatur gibt es bisher nicht. Ein neues Update soll am Freitagmorgen folgen.
Was die Börse daraus macht
Der Oktober-Kontrakt für Erdgas stieg bis 11 Uhr Ostküstenzeit um 4,5 Prozent auf 3,159 US-Dollar je Million British Thermal Units. Seit Mittwochfrüh summiert sich das Plus auf mehr als zwölf Prozent. Später am Tag wurden Medienberichten zufolge sogar Preise zwischen 3,28 und 3,39 Dollar gemeldet.
Eine Schlagader mit Déjà-vu-Effekt
Die Mountaineer XPress ist kein Nebengleis. Das 2019 in Betrieb genommene System kann bis zu 2,7 Milliarden Kubikfuß Gas pro Tag aus den gewaltigen Schiefergasfeldern Marcellus und Utica abtransportieren. Die Hauptleitung ist Berichten zufolge rund 164 Meilen lang und hat einen Durchmesser von 36 Zoll.
Das Gas fließt in zwei Richtungen:
- in den regionalen Handelspool von Columbia für Kunden im Mittleren Westen, Nordosten und in der Mid-Atlantic-Region
- über den Knotenpunkt Leach in Kentucky Richtung Südosten und zur Golfküste Louisianas, wo die großen Exportterminals liegen
Neu ist das Drama nicht. Bereits 2020 hatte eine Störung an derselben Leitung die Förderung in den Appalachen laut Branchenberichten an einem einzigen Tag um mehr als 2,2 Milliarden Kubikfuß gedrückt. Hinzu kommt: Erst am 23. September hatte ein anderer Betreiber, DT Midstream, an einem Einspeisepunkt ins Columbia-Netz ebenfalls höhere Gewalt erklärt.
Volle Speicher, leere Leitungen
Das eigentliche Paradox: An den Bohrlöchern ist Gas im Überfluss vorhanden. Es kommt nur nicht dort an, wo es gebraucht wird. Noch reagieren die vorgelagerten Einspeisepunkte kaum. Doch Analysten erwarten, dass die volle Wucht der Sperre in den Buchungen des Folgetages sichtbar wird. Finde das Gas keine Ausweichrouten, drohten Umleitungen oder sogar Förderkürzungen.
Und was heißt das für Deutschland?
Mehr, als vielen lieb sein dürfte. Europa hängt seit dem Abschied vom russischen Pipelinegas am Tropf des Flüssiggases, und die USA sind dabei ein zentraler Lieferant. Der Markt ist ohnehin angespannt: Anfang September kletterte der europäische Referenzpreis TTF Medienberichten zufolge auf über 79 Euro je Megawattstunde, den höchsten Stand seit Anfang 2023. Auslöser sind der Konflikt zwischen den USA und dem Iran und die faktisch blockierte Straße von Hormus.
Wer also glaubte, die Energiewende à la Berlin habe Deutschland krisenfest gemacht, erlebt gerade ein böses Erwachen. Ein Defekt in einem abgelegenen County in West Virginia reicht aus, um nervöse Händler auf beiden Seiten des Atlantiks aufzuschrecken.
Fazit: Verwundbare Netze, reale Werte
Die Episode zeigt, wie zerbrechlich globale Lieferketten geworden sind. Energie wird teurer, die Inflation im Euroraum lag im August laut Berichten bei 3,3 Prozent. Für Sparer ist das ein Weckruf. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen eine sinnvolle Absicherung gegen solche Schocks sein, denn sie brauchen weder Pipeline noch Terminal.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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