
Gas-Schock zum Winter: Bis zu 20 Prozent mehr auf der Heizrechnung

Deutschlands Haushalte mĂŒssen sich auf die nĂ€chste Kostenwelle einstellen. Das Vergleichsportal Verivox rechnet zum Jahreswechsel mit Gaspreiserhöhungen zwischen zehn und 20 Prozent. Grund seien explodierende GroĂhandelspreise, halbleere Speicher â und ein Krieg am Golf, der Europas Energieversorgung an ihrer empfindlichsten Stelle trifft.
Neukunden zahlen lÀngst drauf
Verivox-Energieexperte Thorsten Storck erklĂ€rte gegenĂŒber der âRheinischen Post", dass sich die gestiegenen Beschaffungskosten frĂŒher oder spĂ€ter auch in den Tarifen der Bestandskunden niederschlagen dĂŒrften. Bei Neukunden ist das bereits RealitĂ€t: Diese Tarife bilden Bewegungen am GroĂhandelsmarkt fast in Echtzeit ab â und legten seit Februar laut Verivox um mehr als ein Drittel zu.
Bestandskunden profitieren noch von langfristigen Einkaufsstrategien ihrer Versorger. Doch dieser Puffer ist endlich. HÀlt das aktuelle Preisniveau, seien zum Jahreswechsel AufschlÀge von zehn bis 20 Prozent möglich, so Storck. Ausgerechnet mitten in der Heizperiode.
Hormus blockiert, Katar liefert weniger, Preise explodieren
Auslöser ist die erneute Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Medienberichten zufolge kletterte der europĂ€ische Referenzpreis TTF an der niederlĂ€ndischen Energiebörse um rund sechs Prozent auf 74,14 Euro je Megawattstunde â der höchste Stand seit Januar 2023. Branchenanalysen zufolge liegt der Preis damit gut 130 Prozent ĂŒber dem Vorjahresniveau.
Seit Beginn der Kampfhandlungen Ende Februar ist die StraĂe von Hormus weitgehend blockiert. Betroffen sind SchĂ€tzungen zufolge rund 19 Prozent des weltweiten LNG-Handels; die katarische Produktion kam zeitweise zum Erliegen. Auch Ăl zog krĂ€ftig an: Brent notierte zuletzt bei ĂŒber 94 Dollar je Barrel.
Halbleere Speicher â und niemand will es gewesen sein
Deutschland trifft diese Krise denkbar schlecht vorbereitet. Anfang September lagen die deutschen Gasspeicher bei nur rund 54 Prozent, europaweit bei etwa 65 Prozent â nach Daten von Gas Infrastructure Europe der niedrigste Wert fĂŒr diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen 2011.
Zur Erinnerung: Im Schnitt aller Anlagen schreibt die GasspeicherfĂŒllstandsverordnung zum 1. November rund 70 Prozent vor. Bis dahin fehlen SchĂ€tzungen zufolge etwa 40 Terawattstunden â zu beschaffen auf einem LNG-Weltmarkt, auf dem Europa mit zahlungskrĂ€ftigen asiatischen KĂ€ufern konkurriert. Seit Juli 2025 gilt zudem die FrĂŒhwarnstufe des Notfallplans Gas.
Die Rechnung fĂŒr zwei Jahrzehnte Energiepolitik
Malte KĂŒper vom Institut der deutschen Wirtschaft verweist darauf, dass die deutsche Wirtschaft stĂ€rker von Erdgas abhĂ€nge als viele andere Volkswirtschaften â bei nahezu vollstĂ€ndiger ImportabhĂ€ngigkeit. Rund 96 Prozent der deutschen LNG-Importe stammten 2025 laut BDEW aus den USA. Eine AbhĂ€ngigkeit wurde durch eine andere ersetzt.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das kein Naturereignis, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen: Atomausstieg, Fracking-Tabu im eigenen Land, abgesenkte FĂŒllstandsvorgaben. Kritiker der Bundesregierung sehen darin ein VersĂ€umnis, das BĂŒrger und eine ohnehin schwĂ€chelnde Industrie nun bezahlen.
Was Sparer daraus lernen können
Energiepreisschocks sind Inflationstreiber â das war 2022 so und könnte sich wiederholen. Wer sein Vermögen gegen Kaufkraftverluste absichern will, findet in physischen Edelmetallen wie Gold und Silber traditionell eine bewĂ€hrte Beimischung fĂŒr ein breit gestreutes Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere EinschĂ€tzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenstĂ€ndig zu recherchieren, und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst.
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