
Gaucks verbaler Tiefschlag: Ex-Bundespräsident beleidigt US-Außenminister Rubio auf offener Bühne
Es gibt Momente, in denen selbst hartgesottene Beobachter des politischen Betriebs ungläubig den Kopf schütteln. Ein solcher Moment ereignete sich am Mittwochabend in der ARD-Sendung von Sandra Maischberger, als der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck mit einer Wortwahl aufwartete, die man eher in einer Berliner Eckkneipe als im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vermuten würde. Rubios positiven Bezug auf das Christentum könne dieser sich „mal sonst wohin stecken", polterte der 85-Jährige. Ein ehemaliges Staatsoberhaupt. Ein evangelischer Pfarrer. Man reibt sich die Augen.
Was Rubio tatsächlich sagte
Der Anlass für Gaucks Entgleisung war die Rede des US-Außenministers Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Rubio hatte dort die gemeinsamen westlichen Werte betont und den christlichen Glauben als kulturellen Bezugspunkt des Abendlandes hervorgehoben – eine Feststellung, die historisch kaum zu bestreiten ist. Wer die europäische Geistesgeschichte auch nur oberflächlich kennt, weiß um die zentrale Rolle des Christentums bei der Herausbildung von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und dem Konzept der Menschenwürde. Doch offenbar genügte diese Selbstverständlichkeit, um bei Gauck einen regelrechten Wutanfall auszulösen.
Rubio hatte zudem darauf hingewiesen, dass internationale Institutionen wie die Vereinten Nationen nur begrenzt in der Lage seien, Menschenrechte wirksam durchzusetzen. In einer perfekten Welt würden Menschenrechtsverstöße und internationale Konflikte „von Diplomaten und streng formulierten Resolutionen gelöst", so Rubio. „Aber wir leben nicht in einer perfekten Welt." Eine nüchterne Bestandsaufnahme, die angesichts der Ohnmacht der UN im Ukraine-Krieg oder im Nahost-Konflikt schwer zu widerlegen sein dürfte.
Gaucks fragwürdige Argumentation
Der Alt-Bundespräsident versuchte seine Tirade theologisch zu unterfüttern. Das Christentum stehe „erst einmal für Nächstenliebe", dozierte er. Aus dem christlichen Konzept der Barmherzigkeit sei die politische Idee der Solidarität erwachsen. Daraus folge der Gedanke, dass jeder Mensch autonom sei und Rechte habe. Soweit, so bekannt – und so verkürzt. Denn die Reduktion des Christentums auf den Begriff der Nächstenliebe ist theologisch bestenfalls oberflächlich. Das höchste christliche Gebot ist bekanntlich das Dreifachgebot der Liebe: Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst. Wer nur einen Teil davon herausgreift und zum Ganzen erklärt, betreibt Rosinenpickerei – und das ausgerechnet als Pfarrer.
Besonders bemerkenswert war Gaucks Versuch, eine direkte Verbindung zwischen der US-Regierung und den ultralibertären Überzeugungen Elon Musks herzustellen. Die Tech-Eliten strebten danach, unabhängig von staatlichen Strukturen und gesellschaftlichen Regeln zu agieren, behauptete er. Ein derartiges Elitenbewusstsein sei „weit weg von jeder Art von christlichem Gesellschaftsverständnis". Dabei unterschlug Gauck geflissentlich, dass Trump und Musk in der Vergangenheit wiederholt aneinandergeraten waren – unter anderem wegen Trumps Schuldenpolitik und der von ihm verhängten Zölle. Die Gleichsetzung ist also bestenfalls unsauber, schlimmstenfalls bewusst irreführend.
Doppelmoral in Reinkultur
Was an diesem Vorfall besonders bitter aufstößt, ist die schiere Doppelmoral, die hier zum Vorschein kommt. Derselbe Joachim Gauck, der sich als moralische Instanz der Republik geriert, der bei jeder Gelegenheit Toleranz und Respekt predigt, der „Hass und Hetze" in sozialen Medien beklagt – genau dieser Mann greift zum verbalen Vorschlaghammer, wenn ihm die Meinung eines amerikanischen Außenministers nicht passt. Würde ein konservativer Politiker in Deutschland eine solche Formulierung gegenüber einem ausländischen Amtsträger verwenden, wäre der mediale Aufschrei ohrenbetäubend. Bei Gauck? Betretenes Schweigen.
Man fragt sich unwillkürlich: Hätte Gauck eine ähnlich derbe Formulierung gewählt, wenn ein muslimischer Staatsmann seinen Glauben als politischen Bezugspunkt angeführt hätte? Die Frage stellen heißt, sie zu beantworten. Es ist dieser selektive Mut, diese Tapferkeit ausschließlich gegenüber dem christlich-konservativen Lager, die das Vertrauen der Bürger in die politische Klasse seit Jahren erodieren lässt.
Ein Amt verpflichtet – auch im Ruhestand
Wer einst das höchste Amt im Staate bekleidet hat, trägt eine besondere Verantwortung. Auch und gerade im Ruhestand. Die Würde des Amtes endet nicht mit der Amtszeit. Ein ehemaliger Bundespräsident, der den Außenminister der wichtigsten Verbündeten Deutschlands mit Gossensprache bedenkt, beschädigt nicht nur sich selbst – er beschädigt das Ansehen der Bundesrepublik. In Zeiten, in denen das transatlantische Verhältnis ohnehin auf einer Belastungsprobe steht, in denen die Trump-Administration massive Zölle von 20 Prozent auf EU-Importe erhebt und Europa dringend auf einen funktionierenden Dialog mit Washington angewiesen ist, sind solche verbalen Ausfälle nicht nur peinlich. Sie sind gefährlich.
„Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet" – ein Bibelwort, das Gauck als Pfarrer kennen dürfte, aber offenbar vergessen hat.
Die Episode bei Maischberger ist symptomatisch für einen größeren Trend in der deutschen politischen Debatte. Statt sich inhaltlich mit den Argumenten der Gegenseite auseinanderzusetzen, wird moralisiert, beleidigt und ausgegrenzt. Statt Rubios durchaus diskussionswürdige Thesen zur Rolle internationaler Institutionen sachlich zu hinterfragen, verfällt ein ehemaliger Bundespräsident in Stammtischrhetorik. Das ist nicht nur eines Pfarrers unwürdig – es ist eines demokratischen Diskurses unwürdig.
Deutschland braucht keine selbsternannten moralischen Instanzen, die vom Sockel ihrer üppigen Altersversorgung herab andere belehren und beschimpfen. Deutschland braucht eine ehrliche, sachliche und respektvolle Debatte über die Zukunft des Westens, über die Rolle des Christentums in unserer Kultur und über das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. Joachim Gauck hat mit seinem Auftritt gezeigt, dass er zu dieser Debatte nichts Konstruktives beizutragen hat.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











