
Glasfaser-Debakel in Düsseldorf: 75.000 Haushalte warten auf ein Kabel, das nie verlegt wurde

Es ist ein Lehrstück über vollmundige Versprechen, geplatzte Finanzierungen und die deutsche Realität beim digitalen Ausbau: Der Glasfaseranbieter Metrofibre hat am Dienstag beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Besonders pikant: Im Düsseldorfer Norden, wo das Schwesterunternehmen Düsselfibre 75.000 Haushalte ans schnelle Netz bringen sollte, wurde bislang nicht ein einziger Meter Leitung verlegt. Kein Spatenstich, kein Kabel, kein Internet – dafür aber eine Insolvenz. So sieht moderne Infrastrukturpolitik im Land der Dichter, Denker und Funklöcher aus.
Vollmundige Versprechen, magere Bilanz
Ursprünglich sollten 100.000 Düsseldorfer Haushalte in 14 Stadtteilen mit Hochgeschwindigkeitsleitungen versorgt werden. Wenig später war nur noch von 75.000 die Rede. Nun, da die Finanzierungspartner sich nach Angaben des Unternehmens „kurzfristig und überraschend" zurückgezogen haben sollen, dürfte die Zahl realistischerweise gegen null tendieren. Betroffen sind Stadtteile wie Unterrath, Derendorf, Rath, Golzheim, Wittlaer, Kaiserswerth und Angermund. Die Stadtverwaltung „bedauere die Entwicklung", lässt ein Sprecher mitteilen. Ein bemerkenswert kraftloses Statement angesichts einer Posse, die so symptomatisch für den Zustand dieses Landes ist.
Auch die rund 50 Beschäftigten bekommen die Schieflage zu spüren. Bis Juli seien die Gehälter gesichert, erklärte der eingesetzte Sachverwalter David Georg. Was danach kommt? Ungewiss. Wer in einer Branche arbeitet, in der windige Finanzierungskonstrukte das Geschäftsmodell tragen, lebt eben mit dem Risiko.
27 Milliarden Euro auf Kante genäht
Was sich in Düsseldorf abspielt, ist nur die Spitze des Eisbergs. Deutsche und europäische Banken haben den Glasfaserausbau hierzulande mit sage und schreibe 27 Milliarden Euro fremdfinanziert. Die Geschäftsmodelle entwickelten sich allerdings nicht wie erhofft – die Auslastung blieb hinter den Erwartungen zurück, die Konkurrenz frisst die Margen. Branchenkenner warnen seit Jahren vor einer Pleitewelle, die nun mit voller Wucht einsetzen dürfte.
Cay-Marco Fritsch von der Unternehmensberatung Interpath verweist gegenüber der Wirtschaftswoche darauf, dass Banken durch überlappende Engagements in mehreren Plattformen gleichzeitig sitzen würden und damit Risiken ausgesetzt seien, die mit der operativen Realität immer weniger zu tun hätten. Klingt nach den Vorboten eines schönen Branchen-Flächenbrandes.
Wenn Versprechen auf Realität treffen
Der Baurechtsexperte Frank Thiele bringt es auf LinkedIn auf den Punkt: Eine zugesagte Finanzierung sei eben noch lange keine gesicherte Liquidität. Werde die nächste Kredittranche verweigert, blieben Löhne, Rechnungen und Zinsen schlicht unbezahlt. Dann werde aus einem Finanzierungsproblem ganz schnell ein insolvenzrechtliches. Hinzu komme, so ein Brancheninsider, dass im Wettbewerb um Aufträge Preise aufgerufen würden, zu denen niemand profitabel arbeiten könne. Mit anderen Worten: Das ganze System ist auf Sand gebaut.
Deutschland – digitales Entwicklungsland
Die Bundesregierung hatte in ihrer sogenannten Gigabitstrategie vollmundig versprochen, bis 2030 alle 40 Millionen Haushalte in Deutschland mit einem Glasfaseranschluss zu versorgen. Wer noch an dieses Ziel glaubt, dürfte auch noch an den pünktlichen ICE glauben. Die OECD-Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ende 2024 entfielen in Deutschland gerade einmal 13,7 Prozent aller festen Breitbandanschlüsse auf Glasfaser. Der OECD-Durchschnitt liegt bei rund 47 Prozent. Selbst Länder, über die hierzulande gerne herablassend gelächelt wird, ziehen am einstigen Technologie-Standort Deutschland vorbei.
Es ist die bittere Quittung für eine Politik, die Infrastruktur jahrelang sträflich vernachlässigt hat – während gleichzeitig Milliarden in ideologische Lieblingsprojekte und ein aufgeblähtes Subventionswesen flossen. Die Deutsche Bahn rollt im Schneckentempo, die Brücken bröckeln, und die digitale Anbindung erinnert vielerorts an die späten Neunziger. Dass nun ausgerechnet ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur das Ruder herumreißen soll, während gleichzeitig die Schulden auf kommende Generationen abgewälzt werden, dürfte für die Bürger im Düsseldorfer Norden auch kein schwacher Trost sein. Sie warten weiter – auf das Kabel, das vielleicht nie kommt.
Vermögenssicherung in Zeiten brüchiger Versprechen
Was der Fall Metrofibre exemplarisch zeigt: Versprechen sind das eine, harte Realität das andere. Wer in einem Umfeld, in dem ganze Branchen auf Pump finanziert sind und Geschäftsmodelle bei der ersten Gegenströmung kollabieren, sein Vermögen sichern möchte, sollte sich nicht allein auf Papierwerte und vollmundige Zusagen verlassen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie auch dann ihren Wert behalten, wenn Finanzierungskonstrukte zusammenbrechen und Verspechen sich in Luft auflösen. Als Beimischung in einem breit aufgestellten Portfolio bieten sie eine bewährte Absicherung gegen die Unwägbarkeiten unserer Zeit.
Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels stellen weder eine Anlageberatung noch eine konkrete Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten dar. Sie geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und Anlageentscheidungen eigenverantwortlich zu treffen. Eine Haftung für etwaige Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.
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