
Gold gibt es nicht auf Knopfdruck – und genau das treibt den Preis

Der Goldpreis hat zum Wochenstart neue Stärke gezeigt: Nach Marktberichten kletterte die Feinunze über die Marke von 4.600 US-Dollar – der höchste Stand seit über drei Monaten, getrieben von einem schwächeren Dollar und wachsenden geopolitischen Risiken. Doch die spannendere Frage stellt sich abseits der Tagescharts: Warum kann die Goldindustrie auf solche Nachfrageschübe praktisch nicht reagieren?
Zwischen Fund und Förderung liegen Jahrzehnte
Anders als bei Industriegütern lässt sich Gold nicht kurzfristig "nachproduzieren". Von der Entdeckung einer Lagerstätte über geologische Erkundung, langwierige Genehmigungsverfahren und den Bau der Infrastruktur bis zur ersten kommerziellen Unze vergehen in der Regel viele Jahre, oft Jahrzehnte.
Wie starr das Angebot tatsächlich ist, zeigen die Zahlen des World Gold Council: Die globale Minenproduktion erreichte 2025 mit rund 3.672 Tonnen zwar einen Rekordwert – lag damit aber nur etwa elf Tonnen über dem Vorjahr. Elf Tonnen. Bei einer Nachfrage, die erstmals die Marke von 5.000 Tonnen übersprang.
Die Lücke schließen Recycling und Bestände. Und vor allem: der Preis.
Warum Minenmanager lieber abwarten
Bergbau ist eine konservative Branche mit brutaler Zyklik. Investitionen verschlingen Milliarden, Fehlentscheidungen können existenzbedrohend werden. Ein steigender Goldpreis ist deshalb für viele Vorstände kein Startschuss, sondern ein Grund zur Vorsicht.
Ein Blick auf 2026 erklärt, warum. Im Januar notierte Gold zeitweise im Bereich von 5.500 US-Dollar, anschließend drückte eine Korrektur den Preis zurück Richtung 4.000 US-Dollar – inzwischen geht es wieder deutlich aufwärts. Mit welchem Preis soll ein Management kalkulieren, wenn Projektplanungen zehn Jahre in die Zukunft reichen? 5.500? 4.000? Oder doch nur 3.000?
Das Trauma von 2012 wirkt bis heute
Hinzu kommt ein psychologischer Faktor. Im Bullenmarkt von 2009 bis 2012 agierten viele Minenvorstände forsch – und rutschten im folgenden Abschwung in kritische Lagen. Vorwürfe der eigenen Aktionäre inklusive.
Keith Neumeyer, CEO von First Majestic Silver, brachte das dem Ausgangsbericht zufolge im vergangenen Herbst öffentlich auf den Punkt: Viele der damals Verantwortlichen seien heute noch im Amt – und hätten kein Interesse daran, sich denselben Vorwurf ein zweites Mal anzuhören.
Ein steigender Goldpreis ist fĂĽr die Branche eher ein Grund zum Abwarten als ein Signal zum Aufbruch.
Die billigen Unzen sind längst gefördert
Erschwerend kommt hinzu: Die leicht zugänglichen Vorkommen sind weitgehend abgebaut. Neue Projekte liegen tiefer, sind geologisch komplexer und infrastrukturell schwerer erschließbar. Das treibt die Grenzkosten strukturell nach oben.
Dazu gesellen sich hohe Energiepreise, teure Finanzierungen und immer strengere Umwelt- und Nachhaltigkeitsauflagen, die Genehmigungen verlangsamen und verteuern – ein Kostentreiber, den politische Entscheidungen in Europa und Nordamerika über Jahre selbst geschaffen haben.
Kein Puffer, keine Bremse – nur der Preis
Die Konsequenz ist simpel und für Anleger hochrelevant: In einem Markt ohne Produktionspuffer muss jede zusätzliche Nachfrage über den Preis absorbiert werden. Selbst ein Sprung auf 10.000 Dollar würde die Fördermenge kurzfristig nicht spürbar erhöhen.
Trifft dieses unelastische Angebot auf Notenbankkäufe, Entdollarisierung, wachsende Staatsschulden und verunsicherte Privatanleger, sind kräftige Preisreaktionen keine Überraschung, sondern schlichte Logik. Gold ist knapp – und diese Knappheit lässt sich weder drucken noch beschließen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren, und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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