
Gold-Machtkampf: Hongkong und Singapur greifen nach Londons Krone

Asien rüstet beim Gold auf, und zwar gewaltig. Auf der Jahreskonferenz der London Bullion Market Association (LBMA) im italienischen Sorrento erklärten Vertreter aus Hongkong und Singapur am Dienstag, der Weltmarkt sei liquide genug für neue asiatische Handelsplätze neben den etablierten westlichen Zentren. Diplomatisch klingt das. Dahinter steckt allerdings eine Machtverschiebung, die Europa nicht verschlafen sollte.
London unter Druck
Bisher galt beim Gold eine klare Hierarchie. Londons außerbörslicher Markt ist der größte der Welt, die LBMA setzt die Standards, und an der Themse werden die Preise gemacht. Im Westen wächst deshalb die Sorge, die beiden Finanzmetropolen in Fernost könnten London direkt Liquidität abziehen.
Vor allem Hongkong steht im Fokus. Der Grund ist die enge Verbindung zu Festlandchina, dem weltweit größten Verbraucher von Metallen. Für Anfang 2027 plane die Sonderverwaltungszone ihr erstes zentrales Clearing- und Abwicklungssystem für Gold. Innerhalb von zwei Jahren sollen außerdem Lagerkapazitäten für mehr als 2.000 Tonnen Gold entstehen.
Peking sitzt mit am Tisch
Hongkongs Finanzminister Christopher Hui gab sich in Sorrento selbstbewusst:
„We are positioning ourselves as a super connector and also a super value adder.“
Man verbinde die Standards der LBMA mit der Liquidität Asiens, sagte Hui. Konkret heißt das: Seit Juli läuft das Programm „Delivery Connect“ mit der Shanghai Gold Exchange, das grenzüberschreitende Goldgeschäfte erleichtern soll. Bis Jahresende wolle Hongkong zudem Details zu einem Gold-Future in Renminbi mit physischer Lieferung an der eigenen Börse bekannt geben. Medienberichten zufolge hatte Hongkong bereits im Januar 2026 ein Kooperationsabkommen mit der Shanghai Gold Exchange für das neue Clearing-System unterzeichnet. Wer da wohl künftig die Fäden zieht?
Singapur öffnet die Tresore für Zentralbanken
Singapur legt ebenfalls nach. Der Stadtstaat startet nach eigenen Angaben noch in diesem Monat einen Verwahrservice für das Gold von Zentralbanken und baut ein Clearing-System für den außerbörslichen Handel auf. Kommerziell kann Singapur schon heute mehr als 2.000 Tonnen lagern.
Lim Cheng Khai von der Monetary Authority of Singapore nannte die stark steigende Nachfrage in Asien als wichtigsten Antrieb. Man mache sich keine Illusionen, London verdrängen zu wollen. Ziel sei vielmehr, die Preisfindung in der asiatischen Zeitzone zu ergänzen. Anleger wollten ihre Goldbestände auf mehrere Lagerorte verteilen, so Lim. Die Nachfrage komme von Staaten, institutionellen Investoren und sehr vermögenden Privatleuten.
Warum das deutsche Sparer angeht
Der Satz über die Streuung der Lagerorte hat es in sich. Dass man sein Gold möglichst nah bei sich haben will, wissen die Deutschen genau. Zwischen 2013 und 2017 holte die Bundesbank 674 Tonnen ihrer Reserven aus Paris und New York nach Frankfurt zurück. Vorausgegangen war jahrelanger öffentlicher Druck. Vertrauen ist beim Gold eben keine Nebensache, sondern das Fundament.
Dass Notenbanken weltweit nach neuen Tresoren suchen, sagt viel über die Lage. Geopolitische Spannungen, Sanktionen und wachsende Staatsschulden in den USA und Europa haben das Edelmetall zurück ins Zentrum der Geldpolitik gebracht. Die Kurse spiegeln das: Gold-Futures notierten Kursdaten zufolge zuletzt bei rund 4.713 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von fast vier Prozent. Silber stieg um mehr als sieben Prozent auf über 75 Dollar.
Fazit: Der Goldmarkt wird multipolar
Ob Ergänzung oder Konkurrenz: Das Gravitationszentrum des Goldhandels wandert nach Osten. Für Anleger ist das ein weiteres Signal, dass das gelbe Metall als globale Reserve wichtiger wird. Physisches Gold und Silber können deshalb als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen dienen, idealerweise sicher und in Reichweite verwahrt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.












