
Großbritannien plant radikalen Umbau der Polizei: Kommt jetzt das „britische FBI"?

Die britische Innenministerin Shabana Mahmood hat weitreichende Pläne zur Neustrukturierung der Polizei auf der Insel angekündigt. Das bestehende System sei schlichtweg „kaputt", erklärte die Labour-Politikerin gegenüber der BBC. Eine bemerkenswerte Diagnose, die man sich auch in anderen europäischen Ländern zu Herzen nehmen sollte.
Ein neuer nationaler Polizeidienst soll Ordnung schaffen
Im Zentrum der Reform steht die Gründung eines neuen nationalen Polizeidienstes, kurz NPS genannt. Diese Behörde soll künftig die Verantwortung für Terrorismusbekämpfung, Betrugsermittlungen und die Bekämpfung organisierter Kriminalität übernehmen. Damit würde die Arbeit der bestehenden National Crime Agency, die sich bisher mit schwerem organisierten Verbrechen wie Drogenschmuggel und Menschenhandel befasst, mit anderen landesweiten Aufgaben zusammengeführt.
An der Spitze des neuen Dienstes soll ein „National Crime Commissioner" stehen, der zum ranghöchsten Polizeibeamten des Landes aufsteigen würde. Bisher nimmt der Chef der Londoner Metropolitan Police diese Position ein – eine Tradition, die nun offenbar gebrochen werden soll.
Die „Epidemie alltäglicher Kriminalität"
Mahmood sprach von einer regelrechten „Epidemie alltäglicher Kriminalität". Handydiebstähle, Ladendiebstähle und andere Vergehen blieben viel zu oft ungestraft. Der neue nationale Polizeidienst solle die lokalen Kräfte entlasten, damit diese sich endlich wieder auf die Alltagskriminalität konzentrieren können, die den Bürgern das Leben schwer macht.
Eine Argumentation, die auch deutschen Ohren bekannt vorkommen dürfte. Während sich Behörden mit bürokratischen Hürden und Zuständigkeitsfragen herumschlagen, bleiben Täter auf freiem Fuß. Die Leidtragenden sind stets die ehrlichen Bürger.
Drastische Reduzierung der Polizeibehörden geplant
Das britische Innenministerium plant zudem, die Zahl der Polizeibehörden in England und Wales von derzeit 43 auf lediglich zwölf regionale Einheiten zu reduzieren. Ein radikaler Schnitt, der die Effizienz steigern soll. Künftig sollen außerdem alle Polizeibeamten eine Berufslizenz benötigen, und Minister erhalten erweiterte Befugnisse, um bei Versagen von Polizeichefs einzugreifen.
Technologie als Waffe gegen das Verbrechen
Der neue Dienst soll auch den Einsatz moderner Technologien wie Gesichtserkennung massiv ausbauen. Die Regierung führt bereits 1700 Festnahmen in den vergangenen zwei Jahren auf diese Technologie zurück. Datenschützer äußerten erwartungsgemäß Bedenken wegen möglicher Eingriffe in die Privatsphäre – ein Einwand, der in Zeiten explodierender Kriminalitätsraten jedoch zunehmend an Überzeugungskraft verliert.
Gemischte Reaktionen aus den Reihen der Polizei
Unter den Polizeikräften selbst riefen die Pläne gemischte Reaktionen hervor. Graeme Biggar, Generaldirektor der National Crime Agency, erklärte, das Polizeisystem sei „veraltet". Die Kriminalität habe sich verändert, und die Reaktion darauf müsse sich ebenfalls verändern. Die Vereinigung der Polizei- und Kriminalitätskommissare warnte hingegen, die Schaffung regionaler Großbehörden sei teuer, zeitaufwendig und könnte die Polizei von den Gemeinden entfremden.
„Das bestehende System ist kaputt. Es gibt eine Epidemie alltäglicher Kriminalität, die oft ungestraft bleibt."
Die Bezeichnung „britisches FBI" ist übrigens keineswegs neu. Bereits 2006 wurde die damals gegründete Serious and Organised Crime Agency so genannt, ebenso die sie ersetzende National Crime Agency. Ob der neue Anlauf erfolgreicher sein wird als seine Vorgänger, bleibt abzuwarten. Die britische Regierung will die Details der Polizeireform am Montag offiziell vorstellen.
Eines steht fest: Während Großbritannien zumindest den Versuch unternimmt, sein Polizeisystem grundlegend zu reformieren, scheint man in Deutschland weiterhin auf das Prinzip Hoffnung zu setzen. Die Frage, wann auch hierzulande ein ähnlich entschlossenes Handeln gegen die grassierende Kriminalität erfolgt, bleibt unbeantwortet.

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