
Guyana: Der kleine Karibikstaat wird zum strategischen Trumpf in Washingtons Machtpoker

Während die Weltöffentlichkeit gebannt auf die dramatischen Ereignisse in Venezuela blickt – die spektakuläre Festnahme des Diktators Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte am 3. Januar und die imposante Marinepräsenz in der südlichen Karibik – vollzieht sich abseits der Schlagzeilen eine geopolitische Neuordnung von erheblicher Tragweite. Im Zentrum dieser Entwicklung steht ein Land, das die wenigsten auf dem Radar haben: Guyana.
Ein Abkommen mit weitreichenden Konsequenzen
Im Dezember 2025 unterzeichneten die Vereinigten Staaten und der kleine südamerikanische Staat eine Absichtserklärung zur Ausweitung der militärischen Zusammenarbeit. Was auf den ersten Blick wie ein routinemäßiges diplomatisches Dokument erscheinen mag, könnte sich als Schlüsselelement in der Umsetzung dessen erweisen, was Präsident Donald Trump im November 2025 als "Trump-Korollar zur Monroe-Doktrin" vorstellte.
Eine hochrangige US-Delegation unter Führung des Pentagon-Beraters Patrick Weaver und des stellvertretenden Kriegsministeriums-Staatssekretärs Joseph Humire traf sich am 9. Dezember mit dem guyanischen Präsidenten Irfaan Ali in Georgetown. Die Gespräche mündeten in einer Vereinbarung, die Ali gegenüber lokalen Medien als "Verstärkung" der langjährigen Ausbildungs- und Kooperationsbeziehungen bezeichnete – doch zwischen den Zeilen schimmert deutlich mehr durch.
"Die US-Regierung startet nun das, was sie den 'Southern Spear' der Sicherheit nennen. Sie entwickeln eine Strategie für die westliche Hemisphäre, und die US-Regierung wird mehr investieren und der Karibik sowie der westlichen Hemisphäre mehr Aufmerksamkeit schenken."
Operation Southern Spear: Amerikas Rückkehr in den Hinterhof
Die Operation Southern Spear ist seit September vor der venezolanischen Küste im Einsatz. Die USS Gerald Ford, der größte Flugzeugträger der Welt, und die USS Iwo Jima, ein amphibisches Angriffsschiff, bilden die sichtbarsten Komponenten einer Kampagne, die Drogenschmuggler-Schnellboote zerstörte, eine selektive Blockade gegen sanktionierte Öltanker verhängte und schließlich zur militärischen Operation führte, bei der Maduro gefasst wurde.
Guyana spiele eine "wachsende Rolle" bei der Umsetzung dieser Strategie, erklärte der stellvertretende Sprecher des Außenministeriums, Tommy Pigott, am 6. Januar. Die Verpflichtung zur "Vertiefung der Sicherheitskooperation mit Guyana zur Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen" wurde während eines Telefonats zwischen Außenminister Marco Rubio und Präsident Ali bekräftigt.
Der Territorialstreit als Zündschnur
Die ehemalige britische Kolonie, etwa so groß wie Idaho, ist reich an Bodenschätzen, verfügt über umfangreiche Offshore-Ölvorkommen und liegt strategisch günstig an den östlichen Karibik-Seewegen. Doch vor allem ist Guyana in einen fast 200 Jahre alten Grenzstreit mit Venezuela verwickelt, den das Maduro-Regime als Vorwand nutzte, um seinen dünn besiedelten Nachbarn mit Marineeinbrüchen und Truppenaufmärschen zu bedrohen.
Venezuela beansprucht seit langem die etwa 159.500 Quadratkilometer große Essequibo-Region als sein Territorium – trotz eines von den USA vermittelten Pariser Urteils von 1899, das später vom Internationalen Gerichtshof bestätigt wurde. Die Spannungen verschärften sich dramatisch, nachdem Exxon Mobil 2008 im Stabroek-Block vor der Küste Öl entdeckte und 2015 mit den Bohrungen begann.
Öl als Katalysator der Konfrontation
Die Punta-Playa-Lagerstätte enthält geschätzte 11 Milliarden Barrel Öl und zählt damit zu den größten Erdölfunden des 21. Jahrhunderts. Stand November 2025 werden täglich 900.000 Barrel gefördert. Venezuela hingegen sitzt zwar auf geschätzten 300 Milliarden Barrel Reserven, produziert aber nur eine Million Barrel pro Tag – ein beschämendes Zeugnis für die wirtschaftliche Inkompetenz des sozialistischen Regimes.
Die Provokationen Venezuelas nahmen in den vergangenen Jahren stetig zu. Im November 2023 kündigte Maduro eine "Volksabstimmung" an, um auf die "Provokationen von Exxon, dem US Southern Command und dem Präsidenten von Guyana" zu reagieren. Die Venezolaner stimmten für die Annexion, was den Weg für die Provinz "Guayana Esequiba" ebnete.
Eskalation trotz Abkommen
Obwohl Maduro im Dezember 2023 die Argyle-Abkommen mit Ali unterzeichnete und einer Deeskalation zustimmte, hielt sich sein Regime nie an die Vereinbarungen. Stattdessen wurden Truppen und militärisches Gerät an der Grenze zu Guyana zusammengezogen. Im Februar 2024 zwangen venezolanische Marine- und Luftaggressionen Guyana dazu, ein Moratorium für Ölexplorationen im westlichen Teil des Stabroek-Blocks zu verhängen.
Im April 2024 unterzeichnete Maduro ein Gesetz, das den venezolanischen Staat "Guayana Esequiba" formell etablierte. Die Provokationen setzten sich auch nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 fort. Das venezolanische Außenministerium verspottete Ali öffentlich als "den Selenskyj der Karibik" – eine Bezeichnung, die angesichts der aktuellen geopolitischen Lage durchaus als Kompliment verstanden werden könnte.
Historische Wurzeln der US-Präsenz
Die amerikanische Präsenz in Guyana ist keineswegs neu. Im Rahmen des Lend-Lease-Gesetzes von März 1941 sicherten sich die Vereinigten Staaten 99-jährige Pachtverträge für Häfen und Flugplätze in der gesamten Karibik. In Britisch-Guayana errichteten sie zwei Stützpunkte: eine Marineflugstation in Makouria zur Patrouille gegen deutsche U-Boote und eine Luftwaffenbasis entlang des Demerara-Flusses.
Die Atkinson Air Force Base war ein wichtiger Transitpunkt für US-Flugzeuge, Truppen und Nachschub auf dem Weg nach Afrika und Europa. Sie diente auch als Drehscheibe für das "Green Project", das das Kriegsministerium als "eine der größten Lufttruppenverlegungen der Geschichte" bezeichnete. Die USA suspendierten die Pachtverträge 1949 einseitig – doch nun kehren sie zurück.
Wachsende militärische Kooperation
Es wird zunehmend üblich, US-Militär an den ehemaligen amerikanischen Einrichtungen zu sehen. Im Juli 2023 war Guyana Gastgeber der Tradewinds-Übungen des US Southern Command mit Soldaten aus den USA, Mexiko, Kanada, Großbritannien, Frankreich und den 15 Mitgliedstaaten der Karibischen Gemeinschaft. Ende 2025 kündigte das Pentagon an, dass Komponenten der 800 Mann starken 1st Security Force Assistance Brigade der US-Armee mit rotierenden Einsätzen in Guyana beginnen würden.
Gregory Copley, Präsident der International Strategic Studies Association in Washington, bringt es auf den Punkt: "Der Guyana-Aspekt ist eines der versteckten Juwelen in dieser Angelegenheit, was die USA betrifft, weil die USA die Mehrheit der Offshore-Energiereserven vor Essequibo haben."
Trumps transaktionale Außenpolitik
Anders Corr, Herausgeber des Journal of Political Risk, analysiert die Situation nüchtern: "Es würde sicherlich Sinn machen, wenn Guyana um einen US-Militärstützpunkt bitten würde, weil das Guyanas Ölressourcen und andere Energieressourcen einen Schutz geben würde, den es nirgendwo anders bekommen wird."
Doch Corr fügt hinzu, was viele Beobachter übersehen: "Trump ist sehr dagegen, Geld auszugeben, um andere Länder zu schützen, ohne etwas dafür zu bekommen. Also würde er wahrscheinlich um eine Art Zugeständnis seitens Guyanas für diese Art von Schutz bitten. Und er könnte es sehr wohl bekommen."
Dies ist die Essenz der Trump-Doktrin: keine Wohltätigkeit, sondern Geschäfte. Während europäische Verbündete noch immer über diese transaktionale Herangehensweise klagen, zeigt sich in der Karibik, dass sie durchaus funktionieren kann – zum beiderseitigen Vorteil.
Ausblick: Eine neue Ordnung in der westlichen Hemisphäre
Mit Maduro in New York in Erwartung seines Prozesses bleibt ungewiss, ob die Rodriguez-Administration – Delcy Rodríguez wurde als amtierende Präsidentin Venezuelas vereidigt – die territorialen Ansprüche weiter verfolgen wird. Doch eines ist klar: Die USA haben ihre jahrzehntelange Vernachlässigung des "Hinterhofs" beendet und positionieren sich strategisch neu.
Für Deutschland und Europa sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein. Während wir uns in endlosen Debatten über Gendersternchen und Klimakleber verlieren, gestalten andere Mächte die geopolitische Landkarte neu. Die Trump-Administration demonstriert, wie entschlossenes Handeln aussieht – eine Lektion, die auch in Berlin dringend beherzigt werden sollte.
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