
Halloween-Demos in 21 Städten: Wer zieht bei „Gen Z regelt“ die Fäden?

Am 31. Oktober soll Deutschlands Jugend auf die Straße gehen. Das Bündnis „Gen Z regelt“ ruft zu Protesten in 21 Städten auf und nennt Frankreich, Belgien und Spanien ausdrücklich als Vorbild. In Frankreich hatten die Gen-Z-Proteste zuletzt in schwere Ausschreitungen gemündet. Sicherheitsbehörden schlagen deshalb Alarm. Wer steckt hinter der Bewegung?
Ein Eichhörnchen als Friedensbotschaft
Nach außen gibt sich die Initiative auffallend brav. Die erst wenige Tage alte Website wirkt professionell, zornige Gesichter oder Palästina-Symbolik sucht man dort vergeblich. Als Logo dient ein orangefarbenes Eichhörnchen.
Auf ihrem Telegram-Kanal versichern die Macher, sie wollten „zu 100 % friedlich, demokratisch und ohne Gewalt“ protestieren, und es gebe „null Toleranz für Krawall“. Halloween-Kostüme seien zwar willkommen. Wegen des Vermummungsverbots müsse das Gesicht aber erkennbar bleiben.
Der zweite Blick zeigt ein anderes Bild. Medienberichten zufolge rät die Website den Teilnehmern zu Fake-Namen und dazu, nach einer Festnahme nicht bei der Polizei auszusagen. Dazu soll es einen „Ermittlungsausschuss“ als rechtlichen Beistand geben. Solche Strukturen kennt man von linken Protesten, bei denen Zusammenstöße mit der Polizei einkalkuliert werden. Wer nur friedlich für bessere Schulen demonstrieren will, braucht dafür eigentlich keine Notfall-Juristen.
Abiturient, Radiomoderator und ein Sechser-Team
Im Impressum steht laut einem Bericht des „Stern“ ein 18-jähriger Abiturient aus Bayern. Er habe die Seite mithilfe von KI gebaut. Die Gruppe habe sich überwiegend über TikTok gefunden.
Bekanntestes Gesicht ist der Berliner Student Gianni Matheja. Er schreibt eine Kolumne für die „Berliner Morgenpost“ und moderiert beim öffentlich-rechtlichen Jugendsender Fritz. Gegenüber dem RND erklärte er, das enge Organisationsteam bestehe aus sechs Personen. Die Bewegung sei überparteilich. Eine bemerkenswerte Konstellation: Ein Moderator des gebührenfinanzierten Rundfunks wirbt für einen Protest gegen Wehrpflicht und Sparpolitik.
Totenköpfe, Pyrotechnik, „Widerstand“
Das eigentliche Problem liegt woanders. Von den 21 gelisteten Städten organisiert das Kernteam selbst nur fünf Demos, nämlich in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt. Überall sonst marschiert man zwar unter demselben Motto, die Anmelder wechseln aber von Ort zu Ort.
Und dort wird es ruppig. Ein Flyer aus Hannover zeigt Demonstranten in direkter Konfrontation mit der Polizei. In Münster wirbt ein Instagram-Account mit Totenkopf, einem Vermummten mit Pyrotechnik und dem Schlagwort „Widerstand“. Dahinter sollen nach Informationen eines Lokalmediums Personen aus dem Umfeld der trotzkistischen Gruppen „Klasse Gegen Klasse“ und „Waffen der Kritik“ stehen. In Bielefeld beziehen sich KI-generierte Aufrufe zustimmend auf die Krawalle in Frankreich, demonstriert werden soll dort ausdrücklich auch „für Gaza“.
Der NRW-Verfassungsschutz sieht nach einer ersten Einschätzung auch Personen mit Bezügen zum Linksextremismus und zum auslandsbezogenen Extremismus unter den Mobilisierern. Bemerkenswert sind auch die Reaktionen auf Telegram: Die Gewaltverzichtserklärungen ernten dort auffällig oft ablehnende Emojis.
Polizei rüstet sich, Linkspartei wittert Chancen
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) warnte laut Medienberichten, die Proteste würden „auch aus dem linken Spektrum instrumentalisiert“. Die Gewerkschaft der Polizei erinnerte daran, dass in der Halloweennacht ohnehin gern mit Pyrotechnik hantiert werde. Hamburg plant Berichten zufolge den Einsatz von Drohnen. Einzelne Protestforscher halten französische Verhältnisse dagegen für unwahrscheinlich.
Die Linke beobachtet die Bewegung längst mit Interesse. Parteichefin Ines Schwerdtner soll in einer Videokonferenz gesagt haben, die Proteste aus Frankreich müssten auch in Deutschland Fuß fassen. Strukturelle Verbindungen zur Initiative sind allerdings nicht belegt.
Inhaltlich richtet sich „Gen Z regelt“ gegen Kürzungen bei der Bildung und gegen steigende Lebenshaltungskosten. Die Initiative fordert mehr Klimaschutz und lehnt die Wehrpflicht ab. Dass junge Menschen unter Inflation und maroden Schulen leiden, bestreitet niemand. Die Frage ist, wer ihren Frust am 31. Oktober kapert. Aus Sicht unserer Redaktion ist ein friedlicher Protest legitim, der Rechtsstaat muss Krawallmachern jedoch von der ersten Minute an klare Grenzen setzen.
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