
„Heil Hitler“ als politisches Argument: Wie Kolumbiens linker Präsident den Anstand verliert
Es gibt Sätze, die offenbaren mehr über den Absender als über das Ziel, das sie treffen sollen. Als der kolumbianische Journalist Felipe Zuleta Lleras in einer Kolumne der Tageszeitung El Espectador für „Ordnung, Autorität und wirtschaftliche Freiheit“ warb, da reagierte der linke Präsident Gustavo Petro auf der Plattform X mit nur zwei Worten: „Heil Hitler“. Mehr brauchte es offenbar nicht, um eine ganze politische Strömung zu desavouieren – nur eben nicht die, die der Präsident im Visier hatte.
Wenn das Argument fehlt, kommt die Nazi-Keule
Der Journalist hatte sich in seinem Text für den konservativen Präsidentschaftskandidaten Abelardo de la Espriella ausgesprochen. Sein Vergehen? Er forderte das, was jede funktionierende Gesellschaft braucht: Ordnung und wirtschaftliche Freiheit. Für Petro genügte das, um den Mann mit dem Vokabular des Nationalsozialismus zu beleidigen. Wer den Ruf nach geordneten Verhältnissen reflexartig mit Faschismus gleichsetzt, der entlarvt vor allem die eigene intellektuelle Armut.
Es ist ein altbekanntes Muster, das auch in Deutschland traurige Tradition hat: Sobald jemand bürgerlich-konservative Positionen vertritt, wird die rhetorische Nazi-Keule geschwungen. Dass es sich dabei um eine Verharmlosung des tatsächlichen Grauens jener Zeit handelt, scheint die linken Tugendwächter nicht zu stören – egal ob in Bogotá oder Berlin.
Ein Wahlkampf am Siedepunkt
Petros Ausfall fällt in eine politisch hochangespannte Phase. Am 21. Juni steht in Kolumbien die Stichwahl um das höchste Staatsamt an. Der amtierende Präsident darf laut Verfassung selbst nicht erneut antreten – und unterstützt deshalb das linke Lager um Senator Iván Cepeda. In der ersten Runde lag der Konservative de la Espriella mit 43,7 Prozent jedoch klar vor Cepeda, der lediglich 40,9 Prozent erreichte. Die Nervosität im linken Lager dürfte also beträchtlich sein – und in solchen Momenten zeigt mancher Politiker sein wahres Gesicht.
Wer „wirtschaftliche Freiheit“ und „Ordnung“ als faschistisch brandmarkt, sollte sich fragen, in welcher Gesellschaft er eigentlich leben möchte.
Der Ruf nach Ordnung hat in Kolumbien gute Gründe
Ausgerechnet in Kolumbien ist der Wunsch nach Ordnung kein autoritäres Hirngespinst, sondern bittere Notwendigkeit. Das Land litt jahrzehntelang unter Drogenkartellen und Guerillagruppen. Die berüchtigten Kartelle von Medellín und Cali machten Kolumbien in den 1980er- und 1990er-Jahren zum traurigen Sinnbild eines von der organisierten Kriminalität beherrschten Staates. Auch heute belasten Bandenkriminalität und wirtschaftliche Unsicherheit die Menschen schwer. Wer in diesem Kontext nach Ordnung ruft, ist kein Faschist – er ist schlicht Realist.
Ein Muster, das System hat
Es ist nicht das erste Mal, dass Petro die Begriffswelt des Nationalsozialismus für seine politischen Zwecke missbraucht. Wiederholt verglich er etwa Israels Vorgehen im Gazastreifen mit den Verbrechen des NS-Regimes. Für jemanden, der so leichtfertig mit den dunkelsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte hantiert, ist die Empörung über andere besonders wohlfeil.
Am Ende bleibt eine ernüchternde Erkenntnis: Wenn linke Machthaber – ob in Lateinamerika oder hierzulande – kein inhaltliches Argument mehr finden, greifen sie zur moralischen Diffamierung. Es ist ein Eingeständnis der eigenen Schwäche. Die Wähler Kolumbiens werden am 21. Juni entscheiden, ob sie sich davon beeindrucken lassen oder ob der Wunsch nach Stabilität und Freiheit am Ende doch überwiegt.
Die in diesem Beitrag dargestellten Einschätzungen geben die Meinung unserer Redaktion zum politischen Geschehen wieder und dienen ausschließlich der Information. Sie stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar.
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