
Hisbollah stürzt den Libanon in den Abgrund – und steht plötzlich allein da
Was geschieht, wenn eine bewaffnete Miliz die Interessen eines fremden Staates über das Wohl der eigenen Bevölkerung stellt? Der Libanon erlebt genau dieses Szenario in diesen Tagen auf brutalste Weise. Die Hisbollah hat mit ihrem Raketen- und Drohnenangriff auf Israel – als Vergeltung für die Tötung des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei – das Land in einen neuen verheerenden Krieg gestürzt. Und diesmal steht die vom Iran gegründete Miliz so isoliert da wie nie zuvor in ihrer über vier Jahrzehnte währenden Geschichte.
Ein Angriff, der selbst die eigenen Leute überraschte
Das Bemerkenswerteste an dieser Eskalation ist nicht der Angriff selbst – sondern die Art und Weise, wie er zustande kam. Selbst hochrangige politische Funktionäre der Hisbollah seien nicht über die Angriffsabsichten informiert gewesen, berichten mehrere libanesische Quellen übereinstimmend. Lediglich der Schura-Rat und der Dschihad-Rat hätten die Entscheidung getroffen, ohne die politische Führungsebene der Partei einzuweihen. Das Ergebnis: blanke Verwirrung in den eigenen Reihen am Montag.
Mahmoud Qmati, ein ranghoher Hisbollah-Politiker, behauptete zwar gegenüber dem libanesischen Sender Al-Jadeed, die Gruppe operiere mit dem „höchsten Grad an Einheit". Doch diese Beteuerung klingt hohl angesichts der Tatsache, dass selbst loyale Parteimitglieder von den Ereignissen kalt erwischt wurden. Ein aktiver Unterstützer der Hisbollah berichtete, er habe noch am Sonntagabend an einer Protestkundgebung gegen die Tötung Khameneis teilgenommen und sei überzeugt nach Hause gegangen, dass dies das Maximum der Reaktion gewesen sei. Als dann die Raketen flogen, habe man zunächst auf ein Dementi der Hisbollah gewartet – vergeblich.
Parlamentspräsident Berri fühlt sich „zum Narren gehalten"
Der vielleicht folgenschwerste Riss verläuft zwischen der Hisbollah und ihrem treuesten politischen Verbündeten: Parlamentspräsident Nabih Berri, dem Anführer der schiitischen Amal-Bewegung. Jahrzehntelang bildeten Hisbollah und Amal ein nahezu unzertrennliches Machtduopol über die schiitische Vertretung im multikonfessionellen politischen System des Libanon. Berri fungierte als unverzichtbarer Vermittler, der im Namen der Hisbollah mit anderen Akteuren verhandelte – auch beim Waffenstillstand von 2024, der den letzten Krieg mit Israel beendete.
Doch diesmal lief alles anders. In der Woche vor den israelischen und amerikanischen Angriffen auf den Iran habe Berri von der Hisbollah ausdrückliche „Zusicherungen" erhalten, dass die Gruppe keinen Krieg mit Israel beginnen und nicht gegen Israel zurückschlagen werde, so mehrere libanesische Politikquellen. Berri habe diese beruhigenden Botschaften an höchste libanesische Regierungsvertreter weitergeleitet, einschließlich Präsident Joseph Aoun. Nach dem Angriff sei Berri zutiefst verärgert gewesen und habe sich „zum Narren gehalten" gefühlt, berichten vier politische Persönlichkeiten übereinstimmend.
Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten: In einer Kabinettssitzung am Montag stimmten die mit Amal verbundenen Minister nicht gegen ein Dekret, das die militärischen Aktivitäten der Hisbollah für illegal erklärte. Ein beispielloser Vorgang, der die Tiefe des Bruchs verdeutlicht.
Ein „Staat im Staate" – das ewige Problem des Libanon
Die Hisbollah, 1982 von Irans Revolutionsgarden gegründet, war stets besser bewaffnet als die reguläre libanesische Armee. Diese Realität machte sie zum mächtigsten politischen Akteur des Landes und zu einer regionalen Militärmacht. Doch genau diese Doppelrolle als politische Partei und bewaffnete Miliz ist der Kern des Problems, das den Libanon seit Jahrzehnten lähmt.
Die israelische Vergeltung für den Hisbollah-Angriff forderte Dutzende Todesopfer und vertrieb Zehntausende Libanesen aus ihren Häusern – nur 15 Monate nach dem vorherigen Krieg, der bereits verheerende Zerstörung über das Land gebracht und die ohnehin schwere Wirtschaftskrise dramatisch verschärft hatte. Michael Young vom Carnegie Middle East Center brachte es auf den Punkt: Die Hisbollah befinde sich in einer „sehr schlechten Position" und sei „in die Ecke gedrängt" worden. Es bahne sich eine politische Konfrontation zwischen der Regierung und der Miliz an.
Wenn die eigene Basis rebelliert
Besonders aufschlussreich ist die Stimmung an der schiitischen Basis. Öffentliche Kritik an der Hisbollah gilt in der schiitischen Gemeinschaft nach wie vor als Tabu. Dennoch äußerten sich mehr als ein Dutzend schiitische Libanesen – darunter Hisbollah-Loyalisten – gegenüber Reportern frustriert und bestürzt über den Angriff. „Wir sind ehrlich gesagt nicht dafür, einen Krieg mit unabsehbaren Folgen zu beginnen. Absolut nicht", sagte ein Unterstützer. „Wer diese Entscheidung getroffen hat, liegt falsch. Schauen Sie sich an, wie die Menschen verstreut auf den Straßen stehen und nicht wissen, wohin. Verdient diese Gemeinschaft, die so viele Opfer gebracht hat, das?"
Diese Worte wiegen schwer. Sie offenbaren, dass die Hisbollah nicht nur ihre politischen Verbündeten, sondern auch das Vertrauen ihrer eigenen Anhängerschaft verspielt haben könnte.
Die Lehren für Europa – und für Deutschland
Was sich im Libanon abspielt, sollte auch hierzulande aufmerksam verfolgt werden. Die Eskalation im Nahen Osten – mit israelischen Angriffen auf iranische Atomanlagen, iranischen Vergeltungsschlägen und nun der Hisbollah-Intervention – hat das Potenzial, die gesamte Region in Brand zu setzen. Die Auswirkungen auf Energiepreise, Flüchtlingsströme und die globale Sicherheitsarchitektur wären enorm. Bereits jetzt stecken Tanker im Persischen Golf fest, und der Iran könnte die Straße von Hormus mit Drohnen über Monate hinweg blockieren.
Für Deutschland, dessen neue Große Koalition unter Friedrich Merz gerade ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen auf den Weg gebracht hat und damit die Staatsverschuldung weiter in die Höhe treibt, käme eine Energiepreisexplosion zur denkbar ungünstigsten Zeit. Die Inflation, die ohnehin durch die expansive Fiskalpolitik befeuert wird, könnte durch steigende Ölpreise einen weiteren Schub erhalten. Einmal mehr zeigt sich: Geopolitische Krisen treffen jene am härtesten, die ihre wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit durch ideologiegetriebene Politik systematisch geschwächt haben.
In Zeiten wie diesen, in denen geopolitische Verwerfungen ganze Regionen destabilisieren und die Weltwirtschaft erschüttern können, erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als verlässlicher Anker der Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Staatsgrenzen, keine politischen Allianzen und keine gebrochenen Versprechen – sie bewahren ihren Wert, wenn Papierwährungen und politische Bündnisse zerbrechen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfältiger Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für Verluste, die aus Anlageentscheidungen resultieren, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen wurden, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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