
Hitzestrahl an der Grenze: Trumps Regierung testet Schmerz-Waffe!

Washington macht beim Grenzschutz ernst und holt sich dafür Technik aus dem Arsenal des Militärs. Medienberichten zufolge hat Verteidigungsminister Pete Hegseth dem US-Heimatschutzministerium (DHS) erlaubt, das sogenannte Active Denial System (ADS) zu testen. Die nicht-tödliche Strahlenwaffe löst auf der Haut ein unerträgliches Brennen aus. Sie soll womöglich bald an der Grenze zu Mexiko Menschen davon abhalten, illegal ins Land zu kommen.
Sieben Monate Leihgabe aus dem Pentagon
Grundlage ist ein Memo Hegseths, über das zuerst der US-Sender CNN berichtete. Es regelt eine vorübergehende Überlassung des Systems für sieben Monate. Laut US-Militärmedien läuft die Leihfrist seit September. Das DHS soll in dieser Zeit Taktiken, Techniken und Verfahren für einen möglichen Einsatz ausarbeiten.
Der Haken: Soldaten und Personal des Pentagons, das inzwischen offiziell „Department of War“ heißt, dürfen die Anlage nicht bedienen. Für Betrieb, Nutzung und Erprobung ist allein das Heimatschutzministerium zuständig. Einen Beschluss über einen tatsächlichen Einsatz an der Grenze gibt es laut den Berichten bislang nicht.
So funktioniert die „Backofen-Waffe“
Das ADS ist auf ein Fahrzeug montiert und sendet einen unsichtbaren, gebĂĽndelten Strahl aus Millimeterwellen. Die Frequenz liegt bei 95 Gigahertz, die Leistung bei rund 100 Kilowatt. Auf bis zu etwa 1.000 Meter Entfernung trifft der Strahl einen Fleck von 1,5 Metern Durchmesser, also groĂź genug fĂĽr einen ganzen Menschen.
Anders als im Mikrowellenherd (2,45 GHz) dringt die Energie kaum in den Körper ein. Sie bleibt in den obersten 0,3 bis 0,4 Millimetern der Haut, das entspricht etwa drei Blatt Papier. Dort erhitzt sie das Gewebe binnen Sekunden auf über 44 Grad. Nach Angaben des Militärs fühlt sich das an wie der Hitzeschwall, der einem aus einer heißen Backofentür entgegenschlägt. Die meisten Testpersonen hielten den Schmerz nach drei Sekunden nicht mehr aus, länger als fünf Sekunden schaffte es niemand.
Schmerz ja, Verletzung nein?
Der Schmerz löst einen Fluchtreflex aus. Wer aus dem Strahl herausgeht, spürt sofort Erleichterung, nur ein Kribbeln kann bis zu 15 Minuten bleiben. Die Strahlung ist nicht-ionisierend. Laut militärischer Forschung schädigt sie weder das Erbgut noch erhöht sie das Krebsrisiko. Bei 13.000 bis 15.000 Tests an Freiwilligen habe die Verletzungswahrscheinlichkeit nach Angaben des Verteidigungsministeriums unter 0,1 Prozent gelegen.
Jahrzehnte entwickelt, nie eingesetzt
Ganz neu ist die Waffe nicht. Das Air Force Research Laboratory arbeitet seit den späten 1980er-Jahren daran, zwischen 2002 und 2007 lief sie als Technologie-Demonstrator. 2010 wurde ein System nach Afghanistan gebracht, kam dort aber nie zum Einsatz und wurde bald wieder abgezogen. Auch Pläne, die Waffe bei Unruhen oder zur Kontrolle von Gefangenen zu nutzen, blieben auf dem Papier.
Schon 2018 lehnte die damalige Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen einen ähnlichen Vorstoß ab. Ihre Begründung: Migranten und Bürger dürften nicht wie feindliche Kämpfer behandelt werden. Hinzu kommen schwierige Fragen. Was passiert, wenn der Strahl Menschen auf mexikanischem Boden trifft? Und wer trägt die Verantwortung, wenn Zurückgedrängte in Panik in den Grenzfluss geraten und ertrinken?
Menschenrechtler schlagen Alarm
Organisationen wie Physicians for Human Rights kritisieren, dass es keine unabhängigen Langzeitstudien gebe. Sie warnen vor Schäden an Augen und Gesicht und vor Massenpanik. Auch ein UN-Sonderberichterstatter äußerte 2023 Bedenken gegen gerichtete Energiewaffen bei der Polizeiarbeit. Diese Einwände sind ernst zu nehmen, gerade bei einer Technik, deren Folgen im Alltag noch nie getestet wurden.
Und Europa?
Trotzdem zeigt der Vorgang einen deutlichen Unterschied. Die Regierung Trump sucht offen nach Mitteln, um ihre Grenze wirksam zu schützen, und nimmt dafür auch heftigen Gegenwind in Kauf. In Europa landen dagegen schon Zurückweisungen an den Grenzen regelmäßig vor Gericht. Strahlenwaffen hat hier bislang keine Regierung bestellt, auch nicht für den Grenzschutz.
Ob der Hitzestrahl am Rio Grande eine sinnvolle Abschreckung wird oder als teures Experiment endet, müssen die nächsten Monate zeigen. Sicher ist nur: Die Debatte darüber, wie weit ein Staat beim Schutz seiner Grenzen gehen darf, wird damit noch schärfer.
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