
Hormus dicht: Libyen bietet sich Europa als Retter an

Es ist ein Angebot mit gewaltigem Risiko-Aufschlag: Libyens Öl- und Gasminister Khalifa Abdel Sadig hat auf der Energiekonferenz Offshore Northern Seas im norwegischen Stavanger erklärt, sein Land könne die Lücke füllen, die Europa durch die Schließung der Straße von Hormus gerissen wurde. Libyen wolle ein „Schlüsselakteur" für die Energiesicherheit der EU werden. Nur: Im Land selbst fliegen Drohnen auf Raffinerien.
Nordafrikas Ă–lriese wittert seine Stunde
Die Zahlen sind beeindruckend. Libyen verfügt über die größten nachgewiesenen Ölreserven Afrikas und die viertgrößten Gasreserven des Kontinents. Der Löwenanteil des Öls fließt bereits heute nach Europa, beim Gas ist es bislang nur ein Rinnsal.
Das Ziel der Regierung in Tripolis ist ambitioniert: Die Rohölförderung soll zurück auf das Niveau der 1970er Jahre – mehr als doppelt so viel wie heute. Medienberichten zufolge liegt die aktuelle Produktion bei rund 1,4 Millionen Barrel pro Tag, die staatliche Ölgesellschaft peilt mittelfristig zwei Millionen an.
„Wir müssen so schnell wie möglich handeln, bevor es zu spät ist."
So beschrieb der Minister laut dem Bericht die Lage. Die Kriege in der Ukraine und im Iran hätten die Energiekosten in der EU nach oben getrieben, die Gaspreise erreichten in dieser Woche ein Dreijahreshoch. Für europäische Politiker sei das ein Weckruf.
Wenn Drohnen die Raffinerie treffen
Doch die Realität vor Ort erzählt eine andere Geschichte. Seit dem Bürgerkrieg 2011 und dem Sturz Muammar al-Gaddafis ist Libyen zwischen zwei rivalisierenden Verwaltungen im Osten und Westen zerrissen. Ausländische Investoren machten jahrelang einen Bogen um das Land.
Anfang des Monats trafen dem Bericht zufolge Drohnen ein Kraftwerk und eine wichtige Raffinerie in Zawiya nahe Tripolis – mit flächendeckenden Stromausfällen als Folge. In derselben Woche sei ein hochrangiger Geheimdienstmann aus dem Machtbereich von Khalifa Haftar, der den Osten des Landes kontrolliert, bei einem Autobombenanschlag getötet worden. Auf die Frage nach Sicherheitsgarantien für westliche Konzerne habe das Ölministerium keinen Kommentar abgegeben, der Minister selbst habe ein Gespräch am Rande der Konferenz abgelehnt.
„Norwegen am Mittelmeer" – oder Wunschdenken?
Der Moderator brachte den Vergleich mit Norwegen ins Spiel, der Minister widersprach nicht. Nur: Die Greenstream-Pipeline nach Sizilien läuft bei etwa zehn Prozent ihrer Kapazität. Eine Lizenzrunde in diesem Jahr endete ernüchternd – nur fünf von 22 Blöcken wurden vergeben. Analysten warnen, dass eine spürbare Steigerung der Gasflüsse Jahre dauern und Milliarden verschlingen dürfte.
Deutschland zahlt die Rechnung
Für deutsche Verbraucher ist das mehr als eine ferne Nachricht. Leere Speicher, blockierte Lieferwege, Preise auf Dreijahreshoch – die Republik hangelt sich von einem Notnagel zum nächsten. Aus Sicht unserer Redaktion rächt sich hier eine Energiepolitik, die planbare Erzeugung abgeschaltet und die Versorgung an geopolitische Zufälle gekoppelt hat.
Und jetzt? Soll ausgerechnet ein Land mit zwei Regierungen, Milizen und Treibstoffschmuggel Europas Versorgung stabilisieren. Wer daraus keine Lehre über Abhängigkeiten zieht, dem ist schwer zu helfen. Wenn Energie zur Machtfrage wird, steigen Inflationsrisiken – physische Edelmetalle gelten vielen Anlegern in solchen Phasen als bewährte Beimischung zur Vermögenssicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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