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Kettner Edelmetalle
28.05.2026
13:56 Uhr

Hormuz im Visier: Wie ein Nadelöhr die Weltwirtschaft in Atem hält

Hormuz im Visier: Wie ein Nadelöhr die Weltwirtschaft in Atem hält

Die Ölmärkte zucken wieder nervös. Nach erneuten US-Militärschlägen gegen iranische Stellungen schnellten die Rohölpreise prompt nach oben – und mit ihnen die Sorge, dass die Straße von Hormus, das wohl wichtigste Nadelöhr des globalen Energiehandels, zum geopolitischen Pulverfass werden könnte. Während Washington beteuert, weiterhin auf Diplomatie zu setzen, brennen am Persischen Golf bereits die Lunten.

Die Märkte reagieren reflexartig

Brent-Rohöl, der internationale Referenzpreis, kletterte am Donnerstag um rund zwei Prozent auf etwa 96,28 US-Dollar pro Barrel. Auch die amerikanische Sorte WTI legte um zwei Prozent zu und notierte bei 90,75 US-Dollar. Auslöser des Preissprungs waren Berichte, wonach die iranischen Revolutionsgarden gegen 4:50 Uhr Ortszeit einen amerikanischen Luftwaffenstützpunkt ins Visier genommen hätten. Die genaue Lage des angegriffenen Stützpunkts wurde von der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim nicht preisgegeben.

Im Gegenzug hätten US-Streitkräfte einen Militärstandort beschossen, von dem nach Angaben eines US-Beamten eine Bedrohung für amerikanische Truppen und die kommerzielle Schifffahrt durch die Straße von Hormus ausgehen solle. Mehrere iranische Drohnen seien zudem abgefangen und abgeschossen worden.

Trumps diplomatischer Drahtseilakt

Seit dem 18. Mai, als Präsident Donald Trump eine bereits angeordnete Welle von Militärschlägen gegen den Iran in letzter Minute abblies, um den Verhandlungen mehr Zeit zu geben, sind die Ölpreise um mehr als zehn Prozent gefallen. Außenminister Marco Rubio betonte, die Gespräche hätten Fortschritte gemacht, Trump bevorzuge den diplomatischen Weg und werde den Verhandlungen mit Teheran "jede Chance auf Erfolg" einräumen.

Doch zwischen Washington und Teheran herrscht seit der brüchigen Waffenruhe vom April ein zähes Patt um die Kontrolle der lebenswichtigen Wasserstraße. Das iranische Staatsfernsehen behauptete am Mittwoch, in einem Entwurf einer Absichtserklärung mit den USA sei vereinbart worden, die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr in Vorkriegsumfang zu öffnen – allerdings unter gemeinsamer Verwaltung von Iran und Oman. Das Weiße Haus tat den Bericht prompt als "komplette Erfindung" ab. Trump stellte klar, dass keine Nation den Schiffsverkehr durch die Meerenge kontrollieren werde.

De-facto-Herrschaft Teherans?

Doch die Realität sieht anders aus, wenn man Amos Hochstein, dem ehemaligen Energieberater von Joe Biden, Glauben schenkt. Die Staatschefs des Nahen Ostens seien längst überzeugt, dass der Iran faktisch die Hoheit über Hormus übernommen habe. "Egal was passiert, die Iraner werden die Straße von Hormus auf absehbare Zeit kontrollieren, völlig unabhängig davon, was irgendein Abkommen besagt. Das glaubt jeder in der Region", erklärte Hochstein im US-Fernsehen.

Eine Aussage, die nachdenklich stimmen sollte. Denn durch dieses 33 Kilometer breite Nadelöhr fließt rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls. Wer Hormus kontrolliert, hält die Hand am Hebel der Weltwirtschaft – und kann nach Belieben Schockwellen durch die globalen Energiemärkte schicken.

Wall Street zwischen Hoffnung und Realität

Citigroup-Analysten merkten in einer am Mittwochabend veröffentlichten Notiz an, die Ölmärkte fänden allmählich festeren Boden, weil Investoren die schlimmsten Versorgungsausfälle zunehmend ausblendeten. Doch die Bank warnte zugleich vor der Unsicherheit hinsichtlich des Zeitpunkts eines möglichen Abkommens. Zentralbanken würden weltweit hellhörig: Energiegetriebene Inflationsrisiken könnten sie zu einer strafferen Geldpolitik zwingen. Die anhaltend hohen Rohölpreise begännen, sich in breitere Inflationsdynamiken durchzudrücken – die berüchtigten "Zweitrundeneffekte", die jeder Notenbanker fürchtet.

Hochstein brachte das paradoxe Spiel auf den Punkt: "Die Wall Street will, dass der Krieg endet, aber der Grund, warum der Krieg nicht endet, ist die Wall Street." Die Märkte wollten glauben, was Trump sage, nämlich dass ein Deal kurz bevorstehe – deshalb seien die Ölpreise gefallen. Eine bittere Ironie: Die Hoffnung der Investoren auf Frieden senkt die Preise, was wiederum den Druck auf alle Beteiligten nimmt, tatsächlich Frieden zu schließen.

Was bedeutet das für deutsche Anleger?

Während die Bundesregierung unter Friedrich Merz mit ihrem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen ohnehin schon kräftig an der Inflationsschraube dreht, droht von außen die nächste Preiswelle. Steigende Energiepreise treffen den deutschen Mittelstand mit voller Wucht, denn die Energiekosten sind hierzulande ohnehin schon ein Standortnachteil sondergleichen. Ein erneuter Ölpreisschock würde die ohnehin schwächelnde Industrie weiter in die Knie zwingen – und die Geldentwertung in den Geldbörsen der Bürger beschleunigen.

Wer in geopolitisch unsicheren Zeiten sein Vermögen schützen will, schaut traditionell auf die bewährten Krisenwährungen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrtausende als verlässlicher Anker bewiesen, wenn Papierwährungen unter Druck geraten und politische Verwerfungen die Märkte erschüttern. Gerade in einem Umfeld, in dem Notenbanken zwischen Inflationsbekämpfung und Wirtschaftsstützung lavieren, behält das gelbe Metall seine Funktion als monetärer Felsen in der Brandung.

Hinweis zur Anlageberatung

Dieser Beitrag stellt ausdrücklich keine Anlageberatung dar. Die hier dargestellten Inhalte spiegeln ausschließlich die Meinung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wider. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung zu treffen. Eine Haftung für etwaige Verluste, die aus Entscheidungen auf Basis dieses Artikels resultieren, wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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