
Iranischer Regisseur Panahi verweigert Berlinale-Ehrung – aus Solidarität mit den Toten
Es ist eine Geste, die mehr wiegt als jeder Filmpreis: Der iranische Regisseur Jafar Panahi hat das Berliner Filmfestival aufgefordert, eine geplante Zeremonie zu seinen Ehren abzusagen. Den Goldenen Bären, den er 2015 in Abwesenheit gewonnen hatte, wollte er nicht persönlich in Empfang nehmen – nicht jetzt, nicht angesichts des Blutbads, das die iranische Regierung an den eigenen Bürgern verübt.
„Niemand in Iran ist in Ordnung"
„Im Moment fragt in Iran niemand mehr ‚Geht es dir gut?', weil es niemandem gut geht", sagte Panahi am Donnerstag bei einem vom Festival organisierten Gespräch in Berlin. Seine Worte hallten durch den Saal wie ein stiller Aufschrei. Seit Dezember erschüttern regierungsfeindliche Proteste das Land, und die Antwort des Regimes fällt so brutal aus wie seit der Islamischen Revolution von 1979 nicht mehr. Tausende Menschen seien getötet worden – Panahi sprach von einem „Massenschlachten".
Den Hinterbliebenen werde nicht einmal gestattet, um ihre Toten zu trauern. Stattdessen leisteten die Familien auf ihre eigene Weise Widerstand: Sie spielten Musik an den Gräbern, sie tanzten. Eine Form des stillen Protests, die in ihrer Schlichtheit erschütternder ist als jede politische Rede. Panahi bat das Publikum in der deutschen Hauptstadt, den Opfern zu applaudieren – so wie es deren Familien tun würden.
Zwei Oscar-Nominierungen und eine beispiellose Karriere
Panahis jüngster Film „It Was Just a Simple Accident" ist für gleich zwei Oscars nominiert – eine bemerkenswerte Leistung für einen Regisseur, der jahrelang unter Hausarrest stand und mit einem Reiseverbot belegt war. Erst im vergangenen Jahr konnte er den Iran zum ersten Mal seit 15 Jahren verlassen, nachdem das Reiseverbot aufgehoben wurde. Bei den Filmfestspielen in Cannes gewann er prompt den Hauptpreis.
Damit hat Panahi etwas geschafft, was nur den wenigsten Filmemachern vergönnt ist: Er hält die höchsten Auszeichnungen aller drei großen europäischen Filmfestivals – Berlin (2015 für „Taxi"), Venedig (2000 für „The Circle") und nun Cannes. Eine Trilogie der Anerkennung, die umso bemerkenswerter erscheint, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen dieser Mann seine Kunst erschafft.
Rückkehr in den Iran – trotz Gefängnisstrafe
Was viele Beobachter fassungslos zurücklässt: Panahi kündigte an, nach der Oscar-Verleihung Mitte März in den Iran zurückkehren zu wollen. Und das, obwohl er in Abwesenheit zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde – wegen angeblicher „Propagandaaktivitäten gegen die Regierung". Ein Vorwurf, der in autoritären Regimen bekanntlich alles und nichts bedeuten kann.
Seine Begründung ist so einfach wie entwaffnend: „Wenn ich zum Beispiel Arzt wäre – was ist die Pflicht eines Arztes? Leben zu retten. Und das kann man überall auf der Welt tun." Doch seine Arbeit, sein Kino, sei untrennbar mit dem Iran verbunden. „Mit dem Beruf, den ich habe, mit dem Kino, das ich mache, kann ich meine Arbeit dort tun, kann ich das tun, was ich liebe", so Panahi.
Ein Mahnmal für den Westen
Panahis Haltung sollte dem Westen – und insbesondere der deutschen Politik – als Spiegel dienen. Während hierzulande endlose Debatten über Gendersternchen und Klimakleber geführt werden, kämpfen Menschen im Iran buchstäblich um ihr nacktes Überleben. Die internationale Gemeinschaft hat die Gewalt zwar verurteilt, doch bei bloßen Worten ist es weitgehend geblieben. Echte Konsequenzen? Fehlanzeige. Es wäre an der Zeit, dass europäische Regierungen ihre diplomatischen Beziehungen zum iranischen Regime grundlegend überdenken, statt sich in symbolpolitischen Nebenschauplätzen zu verlieren.
Jafar Panahi jedenfalls hat mit seiner stillen Verweigerung mehr politische Wirkung erzielt als mancher Leitartikel. Er hat gezeigt, dass wahre Größe nicht darin besteht, Preise entgegenzunehmen – sondern darin, sie im richtigen Moment abzulehnen.

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