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Kettner Edelmetalle
25.02.2026
22:08 Uhr

Islands Flucht nach Brüssel: Wenn Trump einen ganzen Inselstaat in die Arme der EU treibt

Es ist eine jener geopolitischen Ironien, die man sich kaum besser ausdenken könnte: Ausgerechnet die aggressive Außenpolitik des US-Präsidenten Donald Trump könnte der Europäischen Union ein neues Mitglied bescheren. Islands Premierministerin Kristrún Frostadóttir hat bei einem Besuch in Warschau angekündigt, dass ihr Land in den kommenden Monaten eine Volksabstimmung über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsgesprächen abhalten werde. Ein Schritt, der noch vor wenigen Jahren undenkbar schien.

Von der Finanzkrise zum geopolitischen Erwachen

Die Geschichte der isländischen EU-Ambitionen gleicht einer Achterbahnfahrt. Bereits 2009, mitten in einer verheerenden Finanzkrise, die den kleinen Inselstaat an den Rand des Zusammenbruchs brachte, hatte Reykjavik einen Beitrittsantrag gestellt. Vier Jahre lang wurde verhandelt, elf von 33 Verhandlungskapiteln konnten abgeschlossen werden – dann legte die damalige Regierung 2013 das gesamte Projekt auf Eis. Die Wirtschaft hatte sich erholt, die Notwendigkeit einer EU-Mitgliedschaft schien verflogen.

Doch nun weht ein anderer Wind über den Nordatlantik. Frostadóttir erklärte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem polnischen Premierminister Donald Tusk, es gehe darum, „eine Chance zu eröffnen" und Island stärker in Europa zu integrieren. Einen konkreten Termin für das Referendum habe die Regierung zwar noch nicht festgelegt, doch Berichten zufolge könnte die Abstimmung bereits im August stattfinden – deutlich früher als die ursprünglich bis 2027 gesetzte Frist.

Trumps Drohgebärden als Katalysator

Was hat sich geändert? Die Antwort liegt zu einem erheblichen Teil jenseits des Atlantiks. Trumps wiederholte Drohungen, Grönland zu annektieren – jene dänische Insel, die in unmittelbarer Nachbarschaft Islands liegt –, haben den kleinen Staat mit seinen knapp 400.000 Einwohnern zutiefst verunsichert. Als wäre das nicht genug, erlaubte sich Trumps Botschafternominierung für Island, ein gewisser Billy Long, den geschmacklosen Scherz, Island werde der 52. US-Bundesstaat. Man stelle sich vor: Ein Land mit einer über tausendjährigen parlamentarischen Tradition – das Althing gilt als eines der ältesten Parlamente der Welt – soll zum Anhängsel einer amerikanischen Großmachtfantasie degradiert werden.

Hinzu kommen handfeste wirtschaftliche Probleme. Die von der Trump-Regierung erhobenen Zölle auf isländische Importe belasten die Wirtschaft der Insel empfindlich. Die Lebenshaltungskosten steigen, die isländische Krone schwächelt, und eine Mehrheit von 53 Prozent der Befragten möchte die eigene Währung am liebsten abschaffen – zu sehr wird sie mit hoher Inflation und drückenden Zinsen assoziiert.

Stimmungswandel in der Bevölkerung

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Prosent befürworten inzwischen 45 Prozent der Isländer einen EU-Beitritt, während nur 35 Prozent dagegen seien. In früheren Umfragen lag die Zustimmung meist bei lediglich rund 40 Prozent. Ein Trend, der sich verfestigt – und der zeigt, wie sehr Trumps Poltergeist die geopolitischen Koordinaten verschiebt.

Brüssel und Warschau signalisieren offene Türen

Auf europäischer Seite stößt das isländische Interesse auf bemerkenswerte Offenheit. Polens Premierminister Tusk erklärte, er wäre „mehr als glücklich", Island in der EU zu sehen, und verwies auf die eigene polnische Erfolgsgeschichte der europäischen Integration. Geschickt zog er zudem den Brexit als warnendes Beispiel heran: Aktuelle Umfragen zeigten, dass mittlerweile 65 Prozent der Briten heute für einen Verbleib in der EU stimmen würden. Eine bittere Lektion, die man den Isländern offenbar ersparen möchte.

Auch EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos signalisierte Bereitschaft. Die Diskussion über die Erweiterung verändere sich grundlegend, so Kos. Es gehe zunehmend um Sicherheit und darum, die europäische Handlungsfähigkeit in einer Welt konkurrierender Einflusssphären zu bewahren. Eine bemerkenswerte Aussage, die verdeutlicht, wie sehr sich die geopolitische Großwetterlage seit Trumps Amtsantritt verändert hat.

Der Kabeljau als letztes Hindernis?

Doch so reibungslos, wie manche EU-Beamte es sich vorstellen – einer sprach davon, dass die Verhandlungen „auf dem Papier sogar nur ein Jahr dauern" könnten –, dürfte es kaum werden. Das größte Hindernis bleibt die Fischereipolitik. Für Island ist die Fischerei nicht bloß ein Wirtschaftszweig unter vielen, sondern ein identitätsstiftendes Element der nationalen Kultur. Die sogenannten Kabeljaukriege mit Großbritannien in den 1950er bis 1970er Jahren sind tief im kollektiven Gedächtnis verankert.

Allerdings könnte ausgerechnet der Brexit hier einen unerwarteten Vorteil bieten: Da Großbritannien nicht mehr am EU-Verhandlungstisch sitzt, fällt ein traditioneller Gegenspieler Islands in Fischereifragen weg. Eine Ironie der Geschichte, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss.

Zwei Referenden bis zum Ziel

Selbst bei einem positiven Ausgang der geplanten Volksabstimmung wäre der Weg in die EU noch lang. Das erste Referendum würde lediglich grünes Licht für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen geben. Nach deren Abschluss müsste eine zweite Volksabstimmung den tatsächlichen Beitritt besiegeln. Ein demokratischer Prozess, der in seiner Gründlichkeit durchaus vorbildlich ist – und der zeigt, dass direkte Demokratie funktionieren kann, wenn man sie denn zulässt.

Frostadóttir betonte in Warschau zudem, dass die eigenständige arktische Identität des Landes berücksichtigt werden müsse – etwa bei der Nutzung natürlicher Ressourcen und der traditionellen Lebensweise der Bevölkerung. Eine kluge Positionierung, die zeigt, dass Island keineswegs blind in die Arme Brüssels stürzen will, sondern seine Interessen mit kühlem nordischen Pragmatismus zu wahren gedenkt.

Ein Signal an die Welt

Was auch immer das Ergebnis des Referendums sein wird – allein die Tatsache, dass Island diesen Schritt erwägt, ist ein geopolitisches Signal von erheblicher Tragweite. Es zeigt, dass Trumps aggressive Außenpolitik nicht etwa Verbündete enger an die USA bindet, sondern sie in die entgegengesetzte Richtung treibt. Für die europäische Sicherheitsarchitektur könnte ein isländischer EU-Beitritt durchaus von strategischer Bedeutung sein – liegt die Insel doch an einer neuralgischen Stelle im Nordatlantik, die für die Kontrolle wichtiger Seewege von entscheidender Bedeutung ist.

Ob die Isländer letztlich den Sprung wagen werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur eines: Die Zeiten, in denen sich der kleine Inselstaat in splendid isolation zurücklehnen konnte, sind endgültig vorbei. Die Welt ist rauer geworden – und manchmal braucht es einen amerikanischen Präsidenten mit Annexionsfantasien, um das zu begreifen.

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