
Jahrhundertealte Tradition zerstört: Melitta opfert historisches Werk dem globalen Wettbewerb

Was 1799 mit einer bescheidenen Papiermühle begann, endet nun im kalten März 2026 mit einem endgültigen Schlussstrich. Die Papierfabrik in Neu Kaliß, Mecklenburg-Vorpommern, schließt ihre Pforten – und mit ihr stirbt ein Stück deutscher Industriegeschichte, das selbst Weltkriege und die sozialistische Enteignung überdauert hatte.
Über zwei Jahrhunderte Geschichte ausgelöscht
Die Neu Kaliß Spezialpapier GmbH, ein Tochterunternehmen der Melitta-Gruppe, wird zum 31. März 2026 den Betrieb einstellen. 115 Mitarbeiter verlieren ihre Existenzgrundlage, eine ganze Gemeinde ihren identitätsstiftenden Kern. Bürgermeister Burkhard Thees bringt die Tragweite auf den Punkt: Wer über Neu Kaliß spreche, spreche über Papierhersteller. Diese Gleichung wird bald nicht mehr aufgehen.
Die Geschichte dieses Standortes liest sich wie ein Lehrbuch deutscher Wirtschaftsgeschichte. 1799 errichtet, überstand die Fabrik die Wirren des 19. Jahrhunderts, die Industrialisierung ab 1871, zwei verheerende Weltkriege und schließlich die Enteignung durch das DDR-Regime. Nach der Wiedervereinigung schien die Rettung gekommen: 1992 übernahm die Melitta-Unternehmensgruppe die Anlagen und führte sie zu neuer Blüte. Das Werk entwickelte sich zum internationalen Marktführer im Bereich Vliestapeten.
Globalisierung und Krieg als Totengräber
Doch was Kriege und Diktaturen nicht schafften, vollendeten die gnadenlosen Kräfte des globalen Marktes. Die asiatische Konkurrenz holte bei der Produktion auf, während der Ukraine-Krieg einen wichtigen Absatzmarkt im Osten wegbrechen ließ. Eine toxische Kombination, der selbst ein traditionsreiches Unternehmen nicht standhalten konnte.
Melitta beteuert, man habe an das Geschäft geglaubt und über einen langen Zeitraum Verluste in Kauf genommen. Die Suche nach Rettung gestaltete sich verzweifelt: Rund 170 potenzielle Investoren wurden kontaktiert, das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommerns eingeschaltet. Alles vergeblich. Eine Insolvenz wurde zwar nicht angemeldet, doch das Ergebnis bleibt dasselbe – das Ende einer Ära.
Ein Symptom des deutschen Niedergangs
Diese Schließung ist mehr als nur ein bedauerlicher Einzelfall. Sie steht symptomatisch für den schleichenden Niedergang des Industriestandorts Deutschland. Während die Politik sich in ideologischen Grabenkämpfen verliert und Unternehmen mit immer neuen Auflagen und Energiekosten belastet, wandern Produktionskapazitäten ab oder verschwinden gänzlich. Die Globalisierung, einst als Heilsversprechen gepriesen, entpuppt sich für viele traditionelle Betriebe als Sargnagel.
Besonders bitter: Die betroffenen Mitarbeiter in strukturschwachen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern haben kaum Alternativen. Die Abwicklung soll zwar nach einem Sozialplan erfolgen, doch was nützt das schönste Abfindungspaket, wenn im Umkreis keine vergleichbaren Arbeitsplätze existieren?
„Melitta ist diese Entscheidung nicht leicht gefallen", heißt es in der offiziellen Mitteilung des Unternehmens.
Man mag diese Worte glauben oder nicht – für die 115 Familien, deren Zukunft nun ungewiss ist, klingen sie wie blanker Hohn. Deutschland verliert wieder ein Stück seiner industriellen Substanz, während die politisch Verantwortlichen weiterhin tatenlos zusehen, wie der Wirtschaftsstandort erodiert.
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