
Japans Preis-Comeback: Inflation knackt die Zwei-Prozent-Marke!

Japan erlebt ein Inflations-Comeback, mit dem kaum jemand so schnell gerechnet hat. Die Kerninflation ohne frische Lebensmittel stieg im September auf 2,1 Prozent, wie aus den am Freitag veröffentlichten Regierungsdaten hervorgeht. Das ist der höchste Wert des Jahres. Zum ersten Mal seit neun Monaten liegt sie wieder über dem Ziel der Bank of Japan, und die nächste Zinserhöhung rückt näher.
Im August hatte die Rate noch bei 1,7 Prozent gelegen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten den Sprung erwartet. Auch die Gesamtinflation erreichte 2,1 Prozent, nach 1,9 Prozent in den beiden Vormonaten.
Die wahre Teuerung steckt im Kern
Noch deutlicher zeigt es die sogenannte „Core-Core“-Inflation. Sie klammert frische Lebensmittel und Energie aus und gilt als Lieblingskennzahl der Notenbank. Sie lag bei 2,4 Prozent.
Bemerkenswert ist, dass die Preise trotz Gegenwind gestiegen sind. Reis verbilligte sich im Jahresvergleich um satte 20,6 Prozent. Die Energiepreise für Verbraucher sanken um 0,6 Prozent. Trotzdem kletterte die Teuerung bei Waren von 2,6 auf 2,8 Prozent. Ein Ökonom von Capital Economics erklärt das mit den indirekten Folgen des Energieschocks, die sich nach und nach in den Preisen niederschlügen. Die Preise für „sonstige Industrieprodukte“ stiegen um 3,9 Prozent, so stark wie seit 13 Monaten nicht mehr.
Laut den Regierungsdaten wurden vor allem langlebige Konsumgüter und öffentliche Versorgungsleistungen teurer. Die Inflation bei Dienstleistungen zog von 1,2 auf 1,5 Prozent an.
Schwacher Yen, teures Öl und der Iran-Krieg
Die Ursachen sind hausgemacht und kommen zugleich von außen. Weil der Yen schwach ist, werden Importe teurer. Wegen des Iran-Konflikts hat sich Japan zudem von Lieferanten aus dem Nahen Osten abgewandt und kauft mehr Energie aus den USA ein, wo sie mehr kostet.
Dass die Energiepreise im Laden trotzdem meist gesunken sind, verdankt Japan den Subventionen der Regierung Takaichi. Die Preise sind also nicht gesunken, sie wurden gedrückt. Was die Verbraucher an der Zapfsäule sparen, zahlen sie später als Steuerzahler.
Steuergeschenk gegen Teuerung
Tokio legt sogar noch nach. Laut dem Sender NHK debattiert das Unterhaus seit Dienstag einen Gesetzentwurf, der die Verbrauchsteuer auf Lebensmittel für zwei Jahre von 8 auf 1 Prozent senken soll. Geplant sind außerdem Hilfszahlungen für Arbeitnehmer, die sich nach dem Einkommen richten.
Finanzministerin Satsuki Katayama sagte Berichten zufolge im Parlament, Japan stehe kurz vor einer Phase dauerhafter, lohngetriebener Inflation. Steigende Importkosten trügen aber ebenfalls zum Preisauftrieb bei. Ein Abgeordneter wollte wissen, ob Steuersenkungen den Kampf der Notenbank gegen die Inflation untergraben. Laut Reuters antwortete sie, sie sehe keinen Unterschied zwischen der Sicht der Regierung und der der Bank of Japan. Kritiker dürften das anders sehen: Die Regierung gibt Geld aus, während die Notenbank bremst.
Zinswende mit angezogener Handbremse
Die Bank of Japan hob den Leitzins im September um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent an. Das ist der höchste Stand seit drei Jahrzehnten. Nach jahrzehntelanger Politik des billigen Geldes versucht die Notenbank, zur Normalität zurückzukehren. Capital Economics rechnet mit dem nächsten Schritt im Dezember.
Die Börse reagierte gereizt. Der Nikkei 225 verlor am Freitag 1,62 Prozent, der Yen legte auf 156,15 je Dollar zu. Den Sieg über die Deflation will die Regierung trotzdem noch nicht verkünden. Wirtschaftsminister Minoru Kiuchi sagte Berichten zufolge, man müsse zunächst alle Preistreiber und den BIP-Deflator „umfassend“ prüfen.
Eine Lektion auch für Deutschland
Japan zeigt, was passiert, wenn ein Staat mit enormen Schulden Krisen mit Subventionen und Steuergeschenken bekämpft. Die Währung verliert an Wert, und die Preise ziehen trotzdem an. Auch Berlin setzt mit Sondervermögen und neuen Krediten auf diesen Kurs. Für Sparer ist das kein gutes Zeichen.
Gold und Silber kann keine Regierung beliebig vermehren, und keine Notenbank kann sie abwerten. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können physische Edelmetalle helfen, sich gegen schleichende Kaufkraftverluste abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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