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06.08.2026
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Jeder Vierte unter 40 will weg: Deutschland verliert seine Leistungsträger – und die Politik schaut zu

Jeder Vierte unter 40 will weg: Deutschland verliert seine Leistungsträger – und die Politik schaut zu
Symbolbild: KI-generiert

Es gibt Zahlen, die man in Berlin lieber wegmoderiert. Und es gibt Zahlen, die man nicht mehr wegmoderieren kann. Eine aktuelle Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Insa gehört zur zweiten Kategorie: 14 Prozent der Deutschen erklären, innerhalb der kommenden fünf Jahre auswandern zu wollen. 68 Prozent verneinen das. Klingt beruhigend? Ist es nicht. Denn der Teufel steckt, wie so oft, in der Altersstruktur.

Die Jungen packen die Koffer – die Alten bleiben

Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt die Auswanderungsbereitschaft bereits bei 24 Prozent, nur 57 Prozent wollen bleiben. Noch drastischer sieht es in der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen aus: 27 Prozent planen dort einen dauerhaften Abschied, gerade einmal 52 Prozent möchten in Deutschland verharren. Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es 15 Prozent, bei den 50- bis 59-Jährigen zwölf, bei den 60- bis 69-Jährigen acht Prozent. Und ab 70? Lediglich vier Prozent, während 88 Prozent bleiben wollen.

Man muss kein Demograph sein, um zu erkennen, was das bedeutet. Es sind nicht die Rentner, die gehen wollen. Es sind jene, die gerade ins Berufsleben starten, Familien gründen, Betriebe aufbauen, Steuern zahlen und die Beiträge für ein Sozialsystem erwirtschaften sollen, dessen Lasten von Jahr zu Jahr erdrückender werden. Wer geht, nimmt seine Arbeitskraft, sein Kapital und seine Zukunftsplanung mit. Zurück bleiben Verpflichtungen.

Ein Muster, das Deutschland kennen müsste

Historisch ist Auswanderung in Deutschland nie ein Ausdruck von Abenteuerlust gewesen, sondern stets ein Misstrauensvotum. Im 19. Jahrhundert flohen Millionen vor Armut, Zensur und politischer Enge über den Atlantik. Nach 1933 verlor das Land seine geistige Elite. Nach 1945 wanderten Ingenieure ab, deren Können anderswo dankbar aufgesogen wurde. Und die DDR? Sie musste eine Mauer bauen, weil ihre Bürger mit den Füßen abstimmten. Auswanderungswellen sind in der deutschen Geschichte immer Symptome gewesen – Symptome eines Staates, der seinen Menschen entweder das Auskommen oder die Freiheit oder beides verweigert.

Wer den Exodus der eigenen Jugend als Statistik abtut, hat die Botschaft nicht verstanden: Es ist ein Urteil über die Regierenden, nicht über die Auswanderer.

Politisch aufschlussreich: Wer gehen will – und wer bleibt

Die parteipolitische Aufschlüsselung ist entlarvend. Am häufigsten wollen Anhänger der AfD das Land verlassen – rund jeder Fünfte. Es folgen Unterstützer der Linkspartei mit 18 Prozent und des BSW mit 15 Prozent. Am stärksten bleibewillig zeigen sich mit 80 Prozent die Wähler der Union, gefolgt von FDP-Anhängern mit 78 und Grünen-Anhängern mit 77 Prozent.

Man könnte daraus schließen, dass jene, die am zufriedensten mit dem Status quo sind, naturgemäß am wenigsten Fluchtimpuls verspüren. Wer hingegen die Entwicklung des Landes – bei der inneren Sicherheit, der Migration, der Steuer- und Abgabenlast, der Energiepolitik – für einen Irrweg hält, denkt eher über einen Neuanfang jenseits der Grenzen nach. Bitter ist das vor allem für jene, die kritisch sind und dennoch bleiben: Sie zahlen weiter, ohne gehört zu werden.

Merz in der Vertrauensfalle

Parallel zeigt die Umfrage, wie brüchig das Fundament der Regierung geworden ist. Bei einer hypothetischen Direktwahl des Kanzlers zwischen Friedrich Merz und Alice Weidel kämen auf den amtierenden Regierungschef 17 Prozent – auf die AfD-Politikerin 29 Prozent. Selbst unter Unions-Anhängern erreicht Merz mit 48 Prozent keine absolute Mehrheit. Bei den AfD-Wählern stehen 86 Prozent hinter Weidel. Träte statt Merz der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst an, käme dieser auf ein Viertel der Stimmen, Weidel auf 31 Prozent; unter Unions-Wählern läge Wüst mit 53 Prozent vorn.

Ein Kanzler, dem nicht einmal die Hälfte der eigenen Anhängerschaft in einer Direktwahl folgen würde – das ist keine Personalie, das ist ein Systembefund. Wer im Wahlkampf Konsolidierung verspricht und dann ein 500-Milliarden-Schuldenpaket auflegt, muss sich über schwindendes Vertrauen nicht wundern.

Sonntagsfrage: AfD vorn, FDP zurück im Spiel

Bei einer Bundestagswahl am kommenden Sonntag bliebe die AfD mit 28 Prozent stärkste Kraft. CDU und CSU kämen gemeinsam auf 21 Prozent. Die Grünen verharren bei 13,5 Prozent, die SPD rutscht um einen halben Punkt auf zwölf Prozent, die Linkspartei bleibt bei elf Prozent. Die FDP legt um einen Punkt zu und erreicht mit fünf Prozent wieder den Einzug in den Bundestag, das BSW landet bei vier Prozent.

Was der Exodus der Jungen wirklich kostet

Deutschland lebt von Humankapital. Rohstoffe haben wir kaum, günstige Energie schon lange nicht mehr, und der bürokratische Apparat wächst schneller als jede Bruttowertschöpfung. Wenn nun ein Viertel der 30- bis 39-Jährigen über Auswanderung nachdenkt, dann verliert dieses Land nicht "ein paar Unzufriedene", sondern die Basis seines Wohlstands. Jeder Facharbeiter, jeder Arzt, jeder Mittelständler, der in die Schweiz, nach Österreich, Nordamerika oder Asien geht, hinterlässt eine Lücke, die durch politische Sonntagsreden nicht geschlossen wird.

Und was folgt daraus für den Einzelnen? Wer bleibt, sollte zumindest sein Vermögen so aufstellen, dass es nicht mit der Bonität eines schuldenfinanzierten Staates verschmilzt. Papierversprechen, staatlich garantierte Renten und schuldenbasierte Anlageklassen hängen am Tropf derselben Politik, die viele Bürger gerade zur Flucht treibt. Physisches Gold und Silber, außerhalb des Bankensystems verwahrt, sind seit Jahrtausenden das, was Fluchtwellen, Währungsreformen und Regierungsversagen überdauert hat – ein sinnvoller Baustein in einem breit gestreuten Vermögen, der weder Vertrauen in Berlin noch in Brüssel voraussetzt.

Die eigentliche Frage lautet nicht, warum so viele gehen wollen. Sie lautet: Was muss ein Land seinen Bürgern eigentlich noch zumuten, bis die Verantwortlichen begreifen, dass nicht die Auswanderer das Problem sind?

Haftungsausschluss

Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung – ob Edelmetalle, Wertpapiere, Immobilien oder andere Anlageklassen – erfordert eigene, sorgfältige Recherche und gegebenenfalls die Konsultation eines unabhängigen Steuer- oder Rechtsberaters. Für Vermögensdispositionen und deren Folgen ist jeder Anleger selbst verantwortlich. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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