
Jobdaten-Beben: Warum Silber bei jedem Zinssignal heftiger springt

Nur 29.000 neue Stellen: Der US-Arbeitsmarkt ist im September laut dem Bureau of Labor Statistics kaum noch gewachsen, die Arbeitslosenquote liegt bei 4,2 Prozent. FĂŒr Gold- und Silberanleger ist das weit mehr als eine Randnotiz aus Washington. Wie heftig solche Zahlen die EdelmetallmĂ€rkte durchschĂŒtteln, hat sich schon Anfang Juli gezeigt.
Der Juli-Schock: Gold plus 2,5 Prozent, Silber plus 3,85 Prozent
Am 2. Juli stieg Gold um 2,49 Prozent auf 4.132,56 Dollar je Feinunze. Silber legte sogar 3,85 Prozent auf 61,45 Dollar zu. Das war mehr als das Anderthalbfache des Gold-Plus. Auslöser waren weder ein Krieg noch eine Bankenpleite, sondern ein Stimmungsumschwung in der Zinsfrage.
Kurz davor hatte die US-Notenbank noch HÀrte signalisiert. Beth Hammack, PrÀsidentin der Fed von Cleveland und stimmberechtigt im Offenmarktausschuss, sagte dem Sender CNBC, der Arbeitsmarkt entspreche einer VollbeschÀftigung. Die hartnÀckige Inflation mache womöglich höhere Zinsen nötig. HÀndler setzten daraufhin verstÀrkt auf eine Zinserhöhung. Die Rendite zehnjÀhriger US-Staatsanleihen stieg von 4,36 auf rund 4,48 Prozent.
Ein einziger Datenpunkt kippt die Stimmung
Dann kam am 1. Juli der ADP-Bericht. Private Arbeitgeber hatten im Juni nur 98.000 Jobs geschaffen, von Reuters befragte Ăkonomen hatten mit rund 118.000 gerechnet. Fed-Chef Kevin Warsh sagte am selben Tag auf dem EZB-Forum im portugiesischen Sintra, die Inflationserwartungen seien in den vergangenen Wochen gesunken. Die offiziellen Regierungszahlen fielen Medienberichten zufolge noch schwĂ€cher aus: nur 57.000 neue Stellen statt der erwarteten deutlich ĂŒber 100.000.
Die Wetten auf höhere Zinsen brachen zusammen. Und die Edelmetalle zogen krÀftig an.
Der Mechanismus: Es geht um Realzinsen
Gold und Silber werfen keine Zinsen ab. Steigen die Zinserwartungen, werden Staatsanleihen attraktiver, und das Metall verliert relativ an Reiz. Drehen die Erwartungen, kehrt sich die Rechnung blitzschnell um. Entscheidend ist der Realzins, also die Rendite nach Abzug der Inflation.
Ein Arbeitsmarktbericht muss dafĂŒr nicht katastrophal ausfallen. Es reicht, wenn er schwĂ€cher ist als das, was die MĂ€rkte vorher eingepreist haben.
Warum Silber stÀrker ausschlÀgt
Das Gold-Silber-VerhÀltnis fiel im Juli um 1,31 Prozent auf 67,25. Silber ist nicht nur ein Krisenmetall, sondern auch ein Industrierohstoff. Berichten zufolge entfallen rund 60 Prozent der jÀhrlichen Nachfrage auf Elektronik, Solarmodule und Halbleiter. Dazu kommt ein kleinerer, stÀrker gehebelter Terminmarkt. Das verstÀrkt jede Bewegung, nach oben wie nach unten.
Seitdem: eine Achterbahnfahrt
Die folgenden Monate bestĂ€tigten dieses Muster. Im Juli sank die US-BeschĂ€ftigung, und die Edelmetalle stiegen. Im August kamen ĂŒberraschend 162.000 neue Jobs hinzu, und Gold und Silber gaben nach. Im September erhöhte die Fed laut Reuters erstmals seit drei Jahren die Zinsen. Gold verlor in diesem Monat Medienberichten zufolge 8,5 Prozent, Silber sogar 13,5 Prozent.
Vor den neuen Daten kostete Gold rund 4.180 Dollar und lag damit weit unter seinem Rekord von fast 5.600 Dollar aus dem Januar. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im Oktober war laut CME FedWatch schon vorher auf etwa 26 Prozent gefallen.
Die Notenbank in der ZwickmĂŒhle
Die Fed hat zwei unbequeme Möglichkeiten: Zinsen erhöhen, obwohl der Arbeitsmarkt schwĂ€chelt, oder die Inflation weiterlaufen lassen. FĂŒr Sparer ist das die eigentliche Botschaft. Ein Geldsystem, das bei wenigen Konjunkturdaten so stark schwankt, bietet keinen verlĂ€sslichen Halt. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen etwas UnabhĂ€ngigkeit von solchen Schwankungen bieten, gerade weil sie von keiner Notenbank abhĂ€ngen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist fĂŒr seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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