
Jugendarrest für Schulschwänzer: Symptombekämpfung statt Ursachenforschung
Hunderte Jugendliche landen jährlich hinter Gittern – nicht wegen Diebstahl, nicht wegen Körperverletzung, sondern weil sie die Schule schwänzen. Was auf den ersten Blick nach konsequentem Durchgreifen klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als bildungspolitisches Armutszeugnis. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat nun scharfe Kritik an dieser Praxis geübt und fordert ein grundlegendes Umdenken.
Niedersachsen als fragwürdiger Spitzenreiter
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein im ersten Halbjahr 2025 mussten in Niedersachsen 355 Jugendliche – davon 241 männlich und 114 weiblich – wegen Schulverweigerung in den Arrest. Damit ist das Bundesland unrühmlicher Spitzenreiter in Deutschland. In diesen Statistiken sind auch Bremer Schüler enthalten, da das kleinste Bundesland über keine eigene Jugendarrestanstalt verfügt.
Hessen folgt mit 48 Jugendlichen auf dem zweiten Platz, Baden-Württemberg verzeichnete 33 Fälle, Thüringen 25 und Schleswig-Holstein 14. Sachsen meldet lediglich zwei Schulverweigerer im Arrest. Bemerkenswert ist, dass Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Hamburg und das Saarland keine aktuellen Fälle melden. Bayern, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen erheben bezeichnenderweise gar keine entsprechenden Zahlen.
GEW-Vorsitzende spricht von „Bankrotterklärung"
Die GEW-Vorsitzende Anja Bensinger-Stolze findet deutliche Worte für diese Praxis. Sie bezeichnete den Jugendarrest für Schulschwänzer als „schulpolitische und pädagogische Bankrotterklärung". Noch vernichtender fällt ihr Urteil zur Wirksamkeit aus: Die Maßnahme sei „weitgehend wirkungslos oder sogar kontraproduktiv".
„Der Fokus müsse auf Prävention statt Intervention liegen und auf Pädagogik statt Strafe."
Bensinger-Stolze fordert ein dreigliedriges Konzept zur Bekämpfung des Schulabsentismus: ein schulisches Präventionskonzept, ein funktionierendes Frühwarnsystem und eine individuelle Betrachtung der Ursachen. Denn genau hier liegt der Kern des Problems – wer nicht fragt, warum ein Jugendlicher die Schule meidet, wird das Problem niemals lösen.
Die wahren Ursachen werden ignoriert
Experten beobachten seit Jahren eine Zunahme der Schulverweigerung. Besonders betroffen sind Kinder aus sogenannten bildungsfernen und benachteiligten Familien. Doch statt die sozialen Ursachen zu bekämpfen, greift der Staat zum Knüppel. Ist das wirklich die Antwort auf gesellschaftliche Probleme?
Das niedersächsische Justizministerium verteidigt die Praxis unbeirrt. Der Arrest sei ein „grundsätzlich taugliches Mittel, um auf Jugendliche einzuwirken". Grundsätzliche fachliche Bedenken gegen das Sanktionierungssystem bestünden nicht. Eine bemerkenswerte Selbstsicherheit angesichts der offensichtlichen Erfolglosigkeit.
Ein Symptom tieferliegender Probleme
Die steigende Zahl der Schulverweigerer ist letztlich nur ein Symptom tieferliegender gesellschaftlicher Verwerfungen. Zerbrochene Familienstrukturen, mangelnde Integration, überforderte Eltern und ein Bildungssystem, das immer weniger in der Lage ist, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen – all das trägt zu diesem Problem bei. Doch anstatt diese Ursachen anzugehen, sperrt man Jugendliche ein und hofft auf Besserung.
Es ist bezeichnend für den Zustand unseres Landes, dass wir Kinder und Jugendliche kriminalisieren, anstatt ihnen zu helfen. Während Milliardenbeträge für fragwürdige Projekte ausgegeben werden, fehlt es an Sozialarbeitern, Schulpsychologen und individueller Förderung. Die Prioritäten scheinen grundlegend falsch gesetzt zu sein.
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