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13.08.2026
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Kennzeichen-Trick in Neapel: Polen fordert 80 Millionen Euro zurĂŒck

Kennzeichen-Trick in Neapel: Polen fordert 80 Millionen Euro zurĂŒck
Symbolbild: KI-generiert

Zehntausende Autos aus SĂŒditalien fahren mit polnischen Nummernschildern – und im Schadensfall zahlt am Ende der polnische Versichertenpool. Jetzt zieht Warschau die Reißleine: Das Polnische BĂŒro der Kfz-Versicherer (PBUK) hat rund 500 Klagen in Italien eingereicht und fordert insgesamt 80 Millionen Euro Schadensersatz. ZusĂ€tzlich plant die polnische Regierung schĂ€rfere Kontrollen bei Zulassung und Hauptuntersuchung.

Warum ein polnisches Kennzeichen in Neapel Gold wert ist

Der Grund fĂŒr den Massen-Trick ist banal: Geld. Nach Daten der italienischen Aufsichtsbehörde IVASS kostete die Kfz-Haftpflicht in Neapel zuletzt im Schnitt 617 Euro im Jahr, wĂ€hrend der italienische Landesdurchschnitt bei 437 Euro lag – gut fĂŒnf Prozent mehr als im Vorjahr. FahranfĂ€nger zahlen hĂ€ufig ĂŒber 2.000 Euro.

Wer in Italien versichert ist, zahlt also mit fĂŒr das Risiko seiner Nachbarschaft. In Polen sind die PrĂ€mien ein Bruchteil davon. Aus diesem PreisgefĂ€lle ist ein GeschĂ€ftsmodell geworden, das polnische Versicherer inzwischen als „proceder wƂoski“ – italienisches Verfahren – bezeichnen.

So funktioniert das Modell

Das Fahrzeug wird in Italien abgemeldet, in Polen neu zugelassen und dem Fahrer anschließend ĂŒber eine Langzeitmiete oder ein Leasing ĂŒberlassen. Formaler Halter bleibt eine polnische Firma – der Wagen rollt legal mit polnischem Kennzeichen und billiger Police durch Neapel.

Die Kosten dafĂŒr liegen Berichten zufolge im ersten Jahr bei 600 bis 800 Euro, danach bei rund 350 Euro. Allein in Neapel sollen etwa 35.000 Autos mit polnischen oder bulgarischen Schildern unterwegs sein, in der Provinz Neapel wurden im vergangenen Jahr 14.066 Fahrzeuge mit auslĂ€ndischer Zulassung erfasst. Landesweit ist von 68.228 Fahrzeugen die Rede.

Polnischen Branchenmedien zufolge gibt es daneben auch klar illegale Varianten: Fahrzeuge sollen polnische Papiere erhalten haben, ohne je nach Polen gebracht worden zu sein; einzelne Policen hÀtten sich als wertlos oder fingiert erwiesen.

Die Rechnung zahlt der ehrliche Beitragszahler

Die Folgen sind messbar. Das PBUK meldet fĂŒr den Zeitraum 2021 bis 2025 einen Anstieg der SchadensfĂ€lle aus Italien um das 17-Fache, die Auszahlungen hĂ€tten sich verzehnfacht. 2024 waren es 514 UnfĂ€lle mit nicht versicherten Fahrzeugen polnischer Zulassung, 2025 bereits rund 1.300 – ein Plus von ĂŒber 150 Prozent.

Parallel kletterten die Schadenssummen von 6,9 auf 18,4 Millionen Zloty (ĂŒber 4 Millionen Euro). Insgesamt zahlte das PBUK 2025 rund 41,7 Millionen Zloty – etwa 9,7 Millionen Euro – fĂŒr SchĂ€den nicht versicherter Fahrzeuge mit polnischen Schildern im Ausland.

Ein LehrstĂŒck ĂŒber den Binnenmarkt

FreizĂŒgigkeit ohne funktionierende Kontrolle – das wirkt wie ein Konstruktionsfehler, den findige Akteure zuverlĂ€ssig ausnutzen. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall, wie schnell nationale Versichertengemeinschaften unter Druck geraten, wenn Register und Aufsicht nicht zusammenspielen.

Polen reagiert nun: Bei der Hauptuntersuchung soll eine FotoprĂŒfung belegen, dass der Wagen tatsĂ€chlich im Land geprĂŒft wurde. Das PBUK dringt zudem auf ein integriertes System, das Fahrzeuge automatisch abmeldet, sobald Versicherung oder technische PrĂŒfung fehlen. Zusammengearbeitet wird mit der italienischen Organisation UCI, außerdem wurde eine Kontaktlinie fĂŒr Regressforderungen eingerichtet.

Berichten aus Italien zufolge weichen erste Fahrer bereits auf tschechische und bulgarische Zulassungen aus. Das Problem wandert also – gelöst ist es nicht.

Dieser Beitrag gibt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar; fĂŒr individuelle Fragen zu Zulassung, Versicherung oder Regressforderungen ist fachkundiger Rat einzuholen.

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