
Köpfe rollen im Mossad: Wie ein gescheiterter Regimewechsel Israels Geheimdienst erschüttert

Es ist eine dieser Meldungen, die in der deutschen Nachrichtenlage zwischen Klimapaketen und Koalitionsgezänk untergehen – und die doch weit mehr über die Statik der Weltordnung verrät als jede Bundespressekonferenz. Der neue Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Roman Gofman, hat zwei seiner ranghöchsten Mitarbeiter von ihren Posten entfernt: den Leiter der Geheimdienstdirektion und den Chef der Iran-Abteilung. Berichtet hat darüber der israelische Sender Channel 12. Der Grund? Die Bemühungen, die Führung in Teheran zu stürzen, seien im Sande verlaufen.
Ein Rauswurf im Einvernehmen – oder doch ein Bauernopfer?
Laut der Zeitung Haaretz sei die Entscheidung mit beiden Beamten abgestimmt gewesen, sie hätten zugestimmt. Beide blieben dem Dienst erhalten, verlören aber ihre Führungsfunktionen. Die interne Aufarbeitung der Iran-Operation sei allerdings noch gar nicht abgeschlossen. Schon im Juni, unmittelbar nach Amtsantritt Gofmans, hatte es den Leiter der sogenannten Einflussdirektion erwischt, der die Operation verantwortet hatte.
Doch aus dem Inneren des Apparats kommt harsche Kritik. Eine mit den Entscheidungsprozessen vertraute Person erklärte gegenüber Haaretz, Gofman selbst – einst Militärsekretär von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu – sei einer der lautesten Fürsprecher des Umsturzplans gewesen. Mit den Entlassungen wolle er nun seinen politischen Ziehvater aus der Schusslinie nehmen.
Der Plan sei nie gescheitert – er sei schlicht nie ausgeführt worden, weil die Freigabe aus Washington gefehlt habe. Und für eine solche Freigabe sei nun einmal der Regierungschef zuständig, nicht die Geheimdienstspitze.
Die Quelle nannte das Vorgehen einen feigen Akt und eine Verweigerung der Rückendeckung gegenüber Männern, die dem Staat über Jahre gedient hätten. Wer die Mechanik politischer Machtapparate kennt, dürfte hier ein bekanntes Muster erkennen: Oben wird entschieden, unten wird gehaftet. Ein Prinzip, das nicht nur in Jerusalem, sondern – man denke an die zahllosen deutschen Untersuchungsausschüsse ohne Konsequenzen – auch in Berlin zur Perfektion getrieben wurde.
Der Trump-Faktor
Besonders brisant ist die Rolle des amerikanischen Präsidenten. Die New York Times hatte im März berichtet, der frühere Mossad-Chef David Barnea habe Netanjahu noch vor dem Krieg gegen Iran versichert, der Dienst könne binnen weniger Tage die iranische Opposition mobilisieren und Unruhen entfachen, die das Regime zu Fall bringen würden. Diesen Plan habe Barnea Mitte Januar auch hochrangigen Vertretern der Trump-Regierung in Washington präsentiert. Netanjahu habe sich diese optimistische Prognose zu eigen gemacht, um Trump von der Machbarkeit eines Führungswechsels zu überzeugen – und später hinter verschlossenen Türen seinen Frust darüber geäußert, dass die Erwartungen sich nicht erfüllt hätten.
Andere Insider widersprachen dieser Darstellung gegenüber Haaretz deutlich. Die Einschätzung der Mossad-Spitze sei vielmehr gewesen, dass sich Proteste frühestens nach Kriegsende hätten organisieren lassen und ein tatsächlicher Machtwechsel viele Monate in Anspruch genommen hätte. Welche Version stimmt, dürfte für die historische Bewertung entscheidend sein – und für die Frage, wer am Ende die Verantwortung trägt.
Aufarbeitung des 7. Oktober – zum wiederholten Mal
Gofman hat zudem im Juni eine erneute umfassende interne Untersuchung des Mossad-Vorgehens rund um den 7. Oktober und den anschließenden Krieg angeordnet. Sie solle frühere Aufarbeitungen nicht ersetzen, sondern Teil seines Amtsantritts sein. Die Zeitung Maariv berichtete überdies, Gofman habe fünf externe Berater angeheuert, die die operativen Ziele des Dienstes mitgestalten sollen – ein ungewöhnlicher Schritt, denn diese Berater hätten keine klassische Mossad-Karriere hinter sich.
Was das für Europa bedeutet – und für Anleger
Man mag zu Israels Sicherheitspolitik stehen, wie man will: Die Erkenntnis, dass selbst der legendärste Geheimdienst der Welt an der Realität eines Regimewechsels scheitert, sollte im Westen für Ernüchterung sorgen. Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass, das iranische Regime sitzt weiter fest im Sattel, und die Vorstellung, man könne Staaten wie Schachfiguren umstellen, hat sich einmal mehr als Illusion erwiesen. Während in Berlin über Gendersternchen und Lastenräder debattiert wird, verschieben sich die geopolitischen Platten in einem Tempo, das jede deutsche Sicherheitsdoktrin alt aussehen lässt.
Für den Sparer und Vermögensinhaber heißt das schlicht: Unsicherheit ist keine Ausnahme mehr, sondern Dauerzustand. Wer sein Vermögen ausschließlich in Papierwerten hält, deren Kurse an politischen Entscheidungen in Washington, Jerusalem oder Teheran hängen, sollte sich der Fragilität dieses Konstrukts bewusst sein. Physische Edelmetalle – Gold und Silber, im eigenen Zugriff verwahrt – kennen keine Vorstandsentlassungen, keine gescheiterten Operationen und keine politischen Bauernopfer. Sie sind seit Jahrtausenden das, was sie sind: greifbarer, unbestechlicher Wert.
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