
Kosten-Schock auf See: EnBW-Chef warnt vor 40 Prozent teurerem Windstrom

In der Nordsee dreht sich Deutschlands größter Offshore-Windpark – doch die Jubelstimmung hält sich in Grenzen. Rund 110 Kilometer westlich von Helgoland hat der Energiekonzern EnBW für den Park He Dreiht 64 Turbinen mit zusammen 960 Megawatt installiert, Preisschild: etwa 2,4 Milliarden Euro. Mitte August 2026 steht die vollständige Inbetriebnahme kurz bevor – und ausgerechnet jetzt schlägt der Betreiber selbst Alarm.
Der Konzernchef spricht von einer dramatischen Lage
EnBW-Vorstandschef Georg Stamatelopoulos bezeichnete die wirtschaftliche Situation der Branche laut Berichten als „dramatisch verschlechtert". Turbinen, Kabel und Logistik hätten sich binnen fünf Jahren um 30 bis 40 Prozent verteuert. Über einen Zeitraum von 15 Jahren liege der Anstieg demnach sogar bei mehr als 50 Prozent.
Die Konsequenz aus Sicht des Konzernchefs: Deutschland solle sein Offshore-Ausbauziel zunächst auf 55 Gigawatt begrenzen. Die Bundesregierung hält bislang an 70 Gigawatt bis 2045 fest. Wenn schon der Betreiber bremst, sollte die Politik zuhören.
Die Rechnung, die niemand gern vorlegt
Mit den 2,4 Milliarden Euro für den Park allein ist es nämlich nicht getan. Der Netzbetreiber TenneT muss He Dreiht über eine Konverterstation und Hochspannungskabel ans Festlandnetz koppeln – rund 120 Kilometer durch die Nordsee, danach weitere 110 Kilometer über Land. Diese Infrastruktur kostet zusätzliche Milliarden.
Und wer zahlt? Am Ende der Stromkunde. Die Offshore-Netzumlage finanziert seit 2019 ausdrücklich auch Bau und Betrieb der Anbindungsleitungen. Ihre Entwicklung liest sich wie ein Fieberthermometer:
- 2024: 0,656 Cent je Kilowattstunde
- 2025: 0,816 Cent
- 2026: 0,941 Cent
Das sind offiziellen Angaben der Bundesnetzagentur zufolge über 40 Prozent Anstieg in nur zwei Jahren. Zum Vergleich: 2022 lag die Umlage noch bei 0,419 Cent.
Warum „billiger Windstrom" nur die halbe Wahrheit ist
Die Erzählung vom immer günstigeren Ökostrom stützt sich auf die reinen Gestehungskosten einer Kilowattstunde. Doch Wind liefert nicht auf Zuruf, sondern nach Wetterlage. Ein wetterabhängiges System braucht deshalb stärkere Netze, steuerbare Reservekraftwerke, Flexibilität – und irgendwann gewaltige Speicher.
EnBW rechnet bei He Dreiht mit rund 3,6 Milliarden Kilowattstunden jährlich und übersetzt das in etwa 1,1 Millionen versorgte Haushalte. Eine Jahresmenge, kein Versorgungsversprechen. In der Flaute produziert der Park wenig bis nichts, bei Starkwind muss der Überschuss erst einmal irgendwohin.
Der Bund stopft Löcher mit Milliarden
Wie sehr die Kosten aus dem Ruder laufen, zeigt ein anderer Posten: Allein 2026 bezuschusst der Bund die Übertragungsnetzentgelte mit 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds, um die Stromrechnungen zu dämpfen. Auch das ist kein Geschenk – es ist Steuergeld.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart He Dreiht das Grundproblem deutscher Energiepolitik: Ambitionierte Ziele werden verkündet, die Systemkosten aber jahrelang kleingerechnet. Die Bundesnetzagentur selbst bestätigt, dass die Energiewende direkt und indirekt auf die Netzentgelte durchschlägt. Bürger und Mittelstand spüren das längst – auf jeder Abrechnung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren. Physische Edelmetalle können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sinnvoll sein – die Entscheidung liegt allein bei Ihnen.

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