
Kronjuwelen-Raub im Louvre: Parlamentarier rechnen mit Museumsleitung und Kulturministerin ab
Was sich im Oktober vergangenen Jahres im Pariser Louvre abspielte, liest sich wie das Drehbuch eines Hollywood-Thrillers – nur dass es bittere Realität ist. Vier Männer entwendeten einen Teil der französischen Kronjuwelen im Materialwert von 88 Millionen Euro. Die Beute? Bis heute spurlos verschwunden. Und nun kommt eine parlamentarische Untersuchungskommission zu einem vernichtenden Urteil, das die Verantwortlichen in arge Bedrängnis bringt.
„Systematisches Versagen" – ein Staat im Staat
Der konservative Abgeordnete Alexandre Portier, der die nach dem Diebstahl eingesetzte Untersuchungskommission leitet, fand am Donnerstag in Paris unmissverständliche Worte. Der Einbruch sei kein Unfall gewesen, sondern offenbare ein „systemisches Versagen" an der Spitze des weltberühmten Museums. Eine Formulierung, die es in sich hat. Denn sie richtet sich direkt gegen die Museumsdirektorin Laurence des Cars und indirekt auch gegen Kulturministerin Rachida Dati.
Portier ging noch weiter. Es gebe eine ganze Liste von Versäumnissen, die in anderen Ländern und Einrichtungen „längst zu Rücktritten geführt hätten". Der Louvre werde verwaltet wie ein „Staat im Staat" – als müsse er niemandem Rechenschaft über die Verwendung öffentlicher Gelder ablegen. Ein bemerkenswerter Vorwurf, bedenkt man, dass rund 300 Millionen Euro – etwa ein Drittel des Museumsbudgets – aus Steuergeldern stammen.
Rücktrittsangebot abgelehnt – politisches Kalkül?
Pikant: Museumsdirektorin des Cars hatte bereits am Tag nach dem spektakulären Einbruch ihren Rücktritt angeboten. Kulturministerin Dati lehnte diesen jedoch ab. Man fragt sich unweigerlich: Warum? Wollte man den Skandal kleinhalten? Oder fehlte schlicht der politische Wille, Konsequenzen zu ziehen? Die Untersuchungskommission jedenfalls will in der kommenden Woche beide Frauen vorladen – und ihnen dabei, wie Portier ankündigte, auch „unangenehme Fragen" stellen.
Dass Dati ohnehin bald ihren Posten räumen dürfte, macht die Sache nicht weniger brisant. Die Ministerin kandidiert bei den im März anstehenden Gemeindewahlen in Paris. Ein bequemer Abgang durch die Hintertür, könnte man meinen – bevor die parlamentarischen Anhörungen ihre volle Wucht entfalten.
Kunstwerke im Tresor statt besserer Sicherheit
Besonders scharf kritisierte Portier die Reaktion der Museumsleitung auf den Diebstahl. Statt die Ausstellungsräume besser abzusichern, habe man zahlreiche Werke kurzerhand in Tresoren verstaut. Eine Kapitulationserklärung, die dem Auftrag eines öffentlichen Museums diametral entgegensteht. Kunst gehört vor die Augen der Betrachter – nicht in den Keller.
Eine Kette des Versagens: Wasserschäden, Streiks und Ticketbetrug
Der Kronjuwelen-Diebstahl war dabei nur die Spitze eines Eisbergs aus Missmanagement und Nachlässigkeit. In den Monaten danach geriet der Louvre immer wieder in die Schlagzeilen – und zwar nicht wegen seiner Kunstschätze, sondern wegen eines erschreckenden Verfalls.
Erst vergangene Woche beschädigte ein Leck in einem Heizungsrohr ein Deckengemälde aus dem 19. Jahrhundert – in unmittelbarer Nähe zum Ausstellungssaal der weltberühmten Mona Lisa. Man stelle sich vor: Eines der meistbesuchten Museen der Welt kann nicht einmal seine Heizungsrohre instand halten. Zuvor waren bereits bis zu 400 Druckwerke zum ägyptischen Altertum durch Wasserschäden in Mitleidenschaft gezogen worden.
Dann der Ticketbetrug im großen Stil: Neun Verdächtige wurden festgenommen, darunter Reiseleiter, die pro Tag bis zu 20 Gruppen mit mehrfach benutzten Eintrittskarten ins Museum geschleust haben sollen. Der geschätzte Schaden: über zehn Millionen Euro. Museumswächter sollen Bargeld angenommen haben, um auf Kontrollen zu verzichten. Ein Sumpf aus Korruption und Schlamperei, der sich offenbar über Jahre ungestört ausbreiten konnte.
Gewerkschaften schlagen Alarm
Auch die Belegschaft des Louvre hat genug. Mehrfach wurde das Museum in den vergangenen Monaten bestreikt. Die Gewerkschaften fordern mehr Wachpersonal und das Angehen überfälliger Renovierungsarbeiten. Forderungen, die angesichts der Ereignisse mehr als berechtigt erscheinen. Wenn ein Museum, das jährlich Millionen Besucher empfängt und Hunderte Millionen an öffentlichen Geldern verschlingt, nicht einmal grundlegende Sicherheitsstandards gewährleisten kann, dann stimmt etwas fundamental nicht.
Ein Lehrstück über staatliches Missmanagement
Was sich am Louvre abspielt, ist weit mehr als eine französische Kulturposse. Es ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn öffentliche Institutionen sich jeder Kontrolle entziehen und politische Verantwortungsträger wegschauen, solange es opportun erscheint. Der Louvre, dieses Monument europäischer Kulturgeschichte, verkommt unter den Augen seiner Hüter zu einem schlecht verwalteten Selbstbedienungsladen.
Man kann nur hoffen, dass die parlamentarischen Anhörungen tatsächlich Konsequenzen nach sich ziehen – und nicht, wie so oft in der Politik, im Sande verlaufen. Denn eines hat dieser Skandal eindrucksvoll bewiesen: Wo Verantwortung diffus bleibt und Kontrolle versagt, da gedeihen Nachlässigkeit und Kriminalität. Eine Erkenntnis, die übrigens nicht nur für den Louvre gilt, sondern für den Umgang mit öffentlichen Geldern und Institutionen in ganz Europa.

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