
Kupfer-Rekord: Trumps Zolldrohung dreht den Weltmarkt auf links

Kupfer hat am Dienstag in New York einen neuen Allzeitrekord markiert und in London die eigene Bestmarke fast erreicht. Der Grund ist kein Boom der Weltkonjunktur, sondern ein Zollgespenst: Die Aussicht auf US-Importabgaben saugt Metall über den Atlantik – und macht aus dem erwarteten globalen Überschuss anderswo Knappheit.
An der Comex kletterte der September-Kontrakt zeitweise um 1,8 Prozent auf 6,7270 Dollar je Pfund, umgerechnet rund 14.830 Dollar je Tonne. Der bisherige Rekord vom 12. August lag bei 6,7140 Dollar. Zuletzt notierte das Papier rund 550 Dollar je Tonne über dem Londoner Preis – ein Aufschlag von fast vier Prozent.
London hetzt hinterher
An der LME legte der Dreimonatskontrakt um 0,4 Prozent auf 14.251 Dollar zu, nachdem der Montagsschluss von 14.201 Dollar bereits der höchste jemals gewesen war. Im Handelsverlauf ging es bis 14.343 Dollar hinauf – nur 1,3 Prozent unter dem Januar-Höchststand von 14.527,50 Dollar.
Kurz sah es nach Entspannung aus: Die Bestände in den LME-Lagerhäusern schnellten binnen einer Woche um 74,5 Prozent hoch, der Aufschlag für sofort verfügbares Metall brach von einem Fünfjahreshoch bei 434 Dollar auf 248 Dollar ein. Die Verschnaufpause hielt keine sieben Tage. Am Montag gingen Abrufe über 51.400 Tonnen ein, insgesamt sind zuletzt rund 65.400 Tonnen zur Auslieferung vorgemerkt – Ziel: Amerika.
675.185 Tonnen im amerikanischen Lager
In den Comex-Depots stiegen die Vorräte 46 Tage in Folge auf einen Rekord von 675.185 Tonnen. Im ersten Halbjahr importierten die USA 885.000 Tonnen raffiniertes Kupfer, drei Prozent mehr als im Vorjahr – nach dem Rekordjahr 2025 mit 1,64 Millionen Tonnen.
Der Hintergrund: Washington hält Zölle auf raffiniertes Kupfer von 15 Prozent ab Januar 2027 und 30 Prozent ab 2028 weiter auf dem Tisch. Seit August 2025 gelten bereits 50 Prozent auf halbfertige Kupferprodukte. Laut US-Behördenangaben deckten die Vereinigten Staaten zuletzt rund 57 Prozent ihres Bedarfs an raffiniertem Kupfer über Importe.
Aus 639.000 Tonnen Überschuss wird ein Defizit
Das Analysehaus CRU hatte für 2026 einen weltweiten Überschuss von 639.000 Tonnen erwartet und sieht den Markt inzwischen bestenfalls ausgeglichen. Der zuständige Analyst sagte Reuters sinngemäß, bei anhaltendem Importtempo sehe der Markt faktisch nach einem Defizit aus.
Nach unseren Zahlen dauert es Jahre, bis dieses Metall verbraucht ist.
So kommentierte eine Macquarie-Strategin dem Bericht zufolge den Rekordberg an der Comex. Eine Analystin der Bank of China International rechnet demnach mit neuen Höchstständen in den kommenden Wochen oder Monaten. Glencore-Chef Gary Nagle hält dagegen: Eine Zoll-Entscheidung – egal welche – nehme dem Preis Hitze, weil sie die Unsicherheit beende.
Wall Street jagt den Minenwerten hinterher
Southern Copper schoss in fünf Sitzungen um 15 Prozent auf ein Rekordhoch von 220,78 Dollar. Mit rund 183 Milliarden Dollar ist der Grupo-México-Ableger inzwischen mehr wert als Rio Tinto – obwohl der britisch-australische Riese ein Vielfaches an Umsatz erwirtschaftet. Freeport gewann fast 19 Prozent, First Quantum, Ivanhoe Mines und Teck jeweils rund elf.
Nicht alle profitieren: Zijin warnte, das Ziel von 1,2 Millionen Tonnen Minenkupfer stehe unter Druck – Überflutungen in der Mine Kamoa-Kakula im Kongo könnten die zurechenbare Produktion um bis zu 57.000 Tonnen drücken.
Comex-Kupfer liegt 2026 rund 19 Prozent im Plus, auf Jahressicht etwa 50 Prozent. Gold und Silber notierten am selben Tag ebenfalls auf spektakulären Niveaus. Wer Sachwerte hält, sieht gerade, was politisch erzeugte Knappheit mit Preisen anstellt. Physische Edelmetalle bleiben aus unserer Sicht eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
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