
Lanxess im freien Fall: Chemie-Riese streicht hunderte Stellen – ein Symptom des deutschen Niedergangs

Es ist ein weiteres Kapitel in der traurigen Chronik der deutschen Deindustrialisierung: Der Spezialchemiekonzern Lanxess verzeichnet einen verheerenden Jahresverlust von 577 Millionen Euro und greift nun zum Rotstift. Bis Ende 2028 sollen 550 Arbeitsplätze wegfallen – zwei Drittel davon in Deutschland, vornehmlich an den Verwaltungsstandorten Köln und Leverkusen. Was sich hinter nüchternen Bilanzzahlen verbirgt, ist nichts weniger als ein Alarmsignal für den gesamten Wirtschaftsstandort.
Ein Verlust, der sich verdreifacht hat
Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Im Vergleich zum Vorjahr, als Lanxess bereits ein Minus von 177 Millionen Euro verbuchte, hat sich der Verlust mehr als verdreifacht. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern sackte um knapp 17 Prozent ab, der Umsatz schrumpfte um fast elf Prozent. Die Gewinnmarge erodierte von 9,6 auf magere 9 Prozent. Konzernchef Matthias Zachert sprach bei der Bilanzvorstellung von einem „extrem harten" Jahr – nicht nur für Lanxess, sondern für die gesamte Chemieindustrie.
Doch wer glaubt, hier handele es sich um ein konjunkturelles Gewitter, das vorüberzieht, der irrt gewaltig. Die Produktionsanlagen des Konzerns liefen 2025 nur noch zu 65 Prozent ihrer Kapazität – zum Jahresende sogar darunter. Normalwerte liegen bei 80 bis 85 Prozent. Das ist keine Delle. Das ist ein struktureller Einbruch.
Die wahren Ursachen: Hausgemachte Standortnachteile
Zachert benennt die Gründe erstaunlich offen: anhaltend schwache Nachfrage, aggressiver Preisdruck aus Asien sowie – und hier wird es politisch brisant – die europäische CO₂-Bepreisung und exorbitant hohe Energiepreise. Besonders das Segment Advanced Intermediates, also Zwischenprodukte für Lacke und Kunststoffe, wurde regelrecht zermalmt. Der operative Gewinn brach dort um 39 Prozent ein. Ausgerechnet dieses Segment ist stark in Deutschland verortet.
Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um die Zusammenhänge zu erkennen. Während asiatische Wettbewerber mit günstiger Energie produzieren und ihre Marktanteile ausbauen, erstickt die deutsche Industrie unter einer ideologisch motivierten Energiepolitik, die den Standort systematisch verteuert. Die CO₂-Bepreisung, einst als Instrument des Klimaschutzes gepriesen, entpuppt sich zunehmend als Sargnagel für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas – und Deutschlands im Besonderen.
Sozialverträglicher Abbau – ein frommer Wunsch?
Zachert betonte, der Stellenabbau solle „möglichst sozialverträglich" vonstatten gehen. Man wolle vorrangig auf natürliche Fluktuation und demografische Effekte setzen. Seit der Abspaltung von Bayer im Jahr 2004 habe Lanxess nie betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. Man werde auch diese Krise „gemeinsam mit Gewerkschaften und Betriebsräten meistern", versicherte der CEO.
Klingt beruhigend. Doch die Realität sieht anders aus. Tarifbeschäftigte haben bereits einer Reduzierung auf eine 35-Stunden-Woche mit entsprechender Gehaltsanpassung zugestimmt – de facto ein Gehaltsverzicht. Außertarifliche Mitarbeiter erhalten eine Nullrunde. Insgesamt bedeutet das einen Verzicht von rund 20 Millionen Euro bis Jahresende. Die Belegschaft zahlt also bereits jetzt den Preis für eine Krise, die sie nicht verursacht hat.
Sparprogramm auf Sparprogramm – und kein Ende in Sicht
Der aktuelle Stellenabbau ist keineswegs die erste Sparmaßnahme. Bereits seit 2023 läuft das Programm „Forward!", das jährlich 150 Millionen Euro einsparen soll. Seit August 2024 kommen Produktionsoptimierungen hinzu, die weitere 50 Millionen Euro pro Jahr bringen sollen. Der nun angekündigte Personalabbau soll zusätzliche 100 Millionen Euro einsparen. Zachert formulierte es so: „Wir steuern die Dinge, die wir steuern können."
Dieser Satz ist entlarvend. Denn er impliziert, dass die entscheidenden Stellschrauben – Energiepreise, regulatorische Belastungen, internationale Wettbewerbsbedingungen – eben gerade nicht in der Hand des Unternehmens liegen. Sie liegen in der Hand der Politik. Und genau dort versagt Deutschland seit Jahren auf ganzer Linie.
Die Aktie im Sturzflug
Die Börse quittierte die desaströsen Zahlen mit einem zweistelligen Kurseinbruch. Die Lanxess-Aktie nähert sich damit den Tiefständen von 2008 – dem Jahr der globalen Finanzkrise. Für 2026 erwartet der Konzern einen operativen Gewinn von 450 bis 550 Millionen Euro, was nicht einmal das Niveau von 2015 erreichen würde. Der geplante Verkauf des Envalior-Anteils, der die Bilanz entlasten soll, verzögert sich zudem. Zachert gab sich diplomatisch: Es komme nicht auf das „Ob", sondern auf das „Wann" an. Spätestens 2028 wolle man den Abschluss verkünden und rechne mit dreistelligen Millioneneinnahmen.
Ein Symptom der deutschen Krankheit
Lanxess ist kein Einzelfall. BASF, Bayer, Evonik – die Liste der deutschen Chemiekonzerne, die Stellen abbauen, Standorte verlagern oder ganze Geschäftsbereiche abstoßen, wird immer länger. Die einst stolze deutsche Chemieindustrie, über Jahrzehnte ein Garant für Wohlstand und Innovation, befindet sich in einer existenziellen Krise. Und die Ursachen sind nicht in fernen Märkten zu suchen, sondern direkt vor der eigenen Haustür: in einer Energiepolitik, die Ideologie über Pragmatismus stellt, in einer Bürokratie, die jede unternehmerische Initiative im Keim erstickt, und in einer politischen Klasse, die den Ernst der Lage offenbar immer noch nicht begriffen hat.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar versprochen, den Wirtschaftsstandort zu stärken. Doch das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur wird die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Schulden belasten – während die eigentlichen Probleme, nämlich die strukturelle Überlastung der Industrie durch Regulierung und Energiekosten, ungelöst bleiben. Solange sich daran nichts ändert, werden Meldungen wie diese von Lanxess keine Ausnahme bleiben, sondern zur traurigen Normalität des deutschen Wirtschaftslebens.
In Zeiten wie diesen, in denen Industriewerte abstürzen und die Kaufkraft des Euro durch Inflation und Schuldenorgien erodiert, erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als verlässlicher Anker der Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Bilanzverluste, keine Stellenstreichungen und keine politisch verursachten Standortnachteile. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bieten sie genau jene Stabilität, die der deutsche Wirtschaftsstandort derzeit so schmerzlich vermissen lässt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden.
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