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22.10.2026
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Le Pen startet durch: Frankreichs Linke kopiert deutsche Antifa-Taktik!

Le Pen startet durch: Frankreichs Linke kopiert deutsche Antifa-Taktik!
Symbolbild: KI-generiert

Orléans wird an diesem Wochenende zur Bühne eines politischen Kräftemessens. Der Rassemblement National (RN) hält dort am Samstag und Sonntag seinen Parteitag ab, am Sonntag will Marine Le Pen ihren Präsidentschaftswahlkampf offiziell eröffnen. Linke Parteien, Gewerkschaften und Antifa-Gruppen rufen landesweit zum Gegenprotest auf. Innenminister Laurent Nuñez rechnet allein am Samstag mit mehreren Zehntausend Demonstranten.

Ein Import aus Deutschland

Wer die Bilder aus Riesa oder Gießen im Kopf hat, dürfte sich wiedererkennen. Die Mobilisierung erinnert stark an das deutsche Bündnis „Widersetzen“, das Medienberichten zufolge mehrfach versucht hat, AfD-Veranstaltungen mit bundesweit organisierten Blockaden lahmzulegen. Jetzt scheint das Modell über den Rhein gewandert zu sein.

Das Bündnis ist breit: Dazu gehören La France Insoumise, Sozialisten, Grüne und Kommunisten, außerdem der Gewerkschaftsbund CGT und mehrere antifaschistische Gruppen. Die globalisierungskritische Organisation Attac wirbt mit der Parole „Bloquons le RN“, auf Deutsch „Blockieren wir den RN“. Wie sehr man sich bei diesem Schlachtruf um demokratischen Wettbewerb sorgt, darf jeder selbst beurteilen.

Busse, Bühnen und ein „antifaschistisches Dorf“

Aus Paris, Marseille und anderen Städten rollen organisierte Busse nach Orléans. Der Demonstrationszug soll am Samstag um 10.30 Uhr an der Kathedrale Sainte-Croix starten. Danach sind ein sogenanntes antifaschistisches Dorf, Reden und Konzerte geplant.

Angekündigt sind unter anderem CGT-Chefin Sophie Binet, die linke Politikerin Clémentine Autain und Bally Bagayoko, Bürgermeister von Saint-Denis. Für die angemeldete Demonstration am Samstag seien konkrete Blockaden des Parteitags bislang aber nicht angekündigt, heißt es.

Der Innenminister ist alarmiert

Nuñez sieht das Wochenende trotzdem mit Sorge. Im französischen Senat warnte er am Mittwoch vor möglichen Störungen: Für Sonntag seien weitere Proteste geplant, deren Organisation weniger durchschaubar sei. Einige Teilnehmer könnten versuchen, die RN-Veranstaltung zu behindern. Der Minister kündigte ein großes Polizeiaufgebot an. Laut dem Sender RTL sollen am Samstag 16 und am Sonntag 14 mobile Polizeieinheiten im Einsatz sein.

Umfragen wie ein Erdrutsch

Die eigentliche Pointe liegt woanders: Le Pen geht mit enormem Rückenwind in den Wahlkampf. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage von Ifop-Fiducial käme sie im ersten Wahlgang je nach Kandidatenfeld auf 34 bis 38 Prozent. Das sind 18 bis 22 Punkte Vorsprung auf den jeweils Zweitplatzierten.

Auch jede untersuchte Stichwahl würde sie gewinnen: gegen Ex-Premier Édouard Philippe mit 56 Prozent, gegen den Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon sogar mit 68 Prozent. Zur Großkundgebung am Sonntag erwartet der RN nach eigenen Angaben über 10.000 Anhänger. Gewählt wird laut Medienberichten am 18. April 2027, die Stichwahl folgt am 2. Mai.

Das Comeback nach dem Gerichtsurteil

Dass Le Pen überhaupt antreten darf, war lange offen. Im März 2025 hatte ein Pariser Gericht sie wegen der Veruntreuung von EU-Parlamentsgeldern verurteilt und ihr für fünf Jahre das passive Wahlrecht entzogen, mit sofortiger Wirkung. Im Juli 2026 hielt das Berufungsgericht den Schuldspruch zwar aufrecht, verkürzte aber Medienberichten zufolge die Unwählbarkeit so stark, dass eine Kandidatur 2027 wieder möglich ist. Le Pen kündigte an, auch gegen dieses Urteil vorzugehen.

Straße gegen Wahlurne

Für viele Beobachter zeigt sich hier ein bekanntes Muster: Wenn Argumente im Wahlkampf nicht mehr verfangen, soll der Druck der Straße helfen. In Deutschland hat das der AfD in den Umfragen nicht geschadet. Ob Frankreichs Linke mit dieser Strategie Le Pen schwächt oder ihr erst recht neue Wähler zutreibt, entscheiden am Ende nicht die Demonstranten in Orléans, sondern die Franzosen an der Wahlurne.

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