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Kettner Edelmetalle
17.07.2026
05:56 Uhr

Machtkampf in der AfD: Wenn der Erfolg zur Zerreißprobe wird

Es ist ein altbekanntes Drama, das sich derzeit im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands abspielt: Eine Partei, die in den bundesweiten Umfragen von einem Rekordhoch zum nächsten eilt, droht sich ausgerechnet dort selbst zu zerlegen, wo sie am dringendsten gebraucht würde. Der Landesverband der AfD in Nordrhein-Westfalen versinkt im Chaos – und die Bundesspitze um Alice Weidel und Tino Chrupalla schlägt Alarm.

Ein Brief mit klarer Ansage

Wie mehreren Berichten zu entnehmen ist, verabschiedete der Bundesvorstand am Donnerstagabend ein einstimmiges Schreiben an die zerstrittenen Parteifreunde in Düsseldorf. Die Forderung: Der chaotische Landesparteitag müsse abgebrochen und neu aufgesetzt werden. Man wolle die Landesliste „rechtlich einwandfrei" aufstellen, heißt es. Stimmberechtigte Mitglieder seien während der Versammlung „bedroht und unter Druck gesetzt" worden.

Der Grund für die Nervosität in Berlin liegt auf der Hand. Man erinnert sich mit Schrecken an Bremen: Dort spaltete sich der kleine Landesverband derart heillos in zwei Lager, dass am Ende gleich zwei konkurrierende Listen aufgestellt wurden. Das Ergebnis? Der Landeswahlausschuss ließ die Partei zur Bürgerschaftswahl 2023 kurzerhand gar nicht erst zu. Ein Debakel, das sich in NRW keinesfalls wiederholen dürfe.

Gemäßigt gegen radikal – ein Krieg der Lager

Seit dem Landesparteitag im nordrhein-westfälischen Marl liegen die Fronten offener denn je. Das als gemäßigt geltende Lager um Landeschef Martin Vincentz setzte sich dort nur hauchdünn gegen das als radikaler eingeschätzte Lager rund um den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich durch. Wer die Berichterstattung verfolgt, ahnt: Dieser Machtkampf schwelt bereits seit Jahren. Und er wird mit harten Bandagen geführt – bis hin zu Vorwürfen von Gewalt und Bedrohung.

Besonders pikant: Beim Parteitag selbst soll das rechtere Lager mit massenhaften Quatschkandidaturen im sogenannten „Filibuster"-Stil die gesamte Listenaufstellung schlicht torpediert haben. Eine Sabotage mit Ansage, wenn man den Kritikern glauben will.

„Wir sind fassungslos, dass eine Bundessprecherin sich nicht klar von derartigen undemokratischen, Antifa-ähnlichen Auswüchsen distanziert."

Der Konflikt reicht bis nach oben

Die eigentliche Brisanz liegt darin, dass sich die Konfliktlinie längst nicht mehr nur durch NRW zieht, sondern bis in den Bundesvorstand hineinreicht. Vorwürfe richten sich unter anderem gegen Sven Tritschler, der als Vertrauter von Parteichefin Weidel gilt und laut seinen Gegnern maßgeblich an der Parteitagssabotage beteiligt gewesen sein soll. Landeschef Vincentz lehnte das angebotene Mediationsverfahren des Bundesvorstands rundheraus ab – dessen Scheitern sei ohnehin fest eingeplant, so seine bittere Vermutung.

„Es wird nichts verschoben"

Und so bleiben die Düsseldorfer stur. Die Aufforderung aus Berlin will man schlichtweg ignorieren. Der Landtagsabgeordnete Christian Loose brachte es auf den Punkt: Es werde nichts verschoben, stattdessen werde „durchgezogen". Ein Trotz, der die Bundesspitze zur Weißglut treiben dürfte.

Man muss kein politischer Analyst sein, um die Tragweite zu erkennen. Während die etablierten Parteien in Berlin unter der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD an Zustimmung verlieren und die AfD in Umfragen Rekordwerte erreicht, verspielt der NRW-Verband womöglich eine historische Chance. Es wäre die Ironie der Geschichte, sollte ausgerechnet die interne Selbstzerfleischung das leisten, was die politischen Gegner mit Verbotsdebatten und Ausgrenzung bislang nicht schafften.

Ein hausgemachtes Problem

Bei aller berechtigter Skepsis gegenüber dem politischen Establishment in diesem Land: Wer sich als ernstzunehmende Alternative präsentieren will, muss zunächst die eigenen Reihen ordnen. Persönliche Eitelkeiten, Grabenkämpfe und öffentlich ausgetragene Machtspiele schaden am Ende nur einem – nämlich jenen Wählern, die sich echte politische Veränderung wünschen. Schmutzige Wäsche wäscht man bekanntlich nicht auf offener Bühne.

Ob sich die Kontrahenten am Ende zusammenraufen oder ob NRW zum nächsten Bremen wird, bleibt abzuwarten. Die kommenden Wochen dürften darüber entscheiden, ob eine Partei ihrer Verantwortung gerecht wird – oder ob sie im Strudel innerer Rivalitäten das verspielt, was der Wähler ihr an Vertrauen entgegenbringt.

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