
Machtkampf in Sachsen-Anhalts CDU: Schulze-Lager schickt Herausforderer!

Die angeschlagene CDU in Sachsen-Anhalt bekommt ein Duell um den Parteivorsitz. Am Mittwochabend hat der Halberstädter Christdemokrat Artjom Pusch nach übereinstimmenden Medienberichten im Kreisvorstand Harz angekündigt, gegen den Bundestagsabgeordneten Sepp Müller anzutreten. Entschieden wird am 5. Dezember auf dem Landesparteitag in Zerbst.
Bislang war Müller der einzige Bewerber. Jetzt hat er einen Rivalen aus dem Lager jenes Mannes, an dem er sich seit Wochen reibt: Ministerpräsident Sven Schulze.
Ein Debakel, das noch nachwirkt
Ausgelöst hat den Streit die Landtagswahl vom 6. September. Die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab, laut vorläufigem Endergebnis ein Minus von fast 20 Punkten. Das ist ihr schwächstes Ergebnis in der Geschichte des Landes. Die AfD unter Ulrich Siegmund kam auf 43,8 Prozent. Schulze verlor Berichten zufolge sogar sein Direktmandat in Magdeburg.
Nach dieser Niederlage kündigte Schulze an, den Landesvorsitz abzugeben. Müller, der als sein innerparteilicher Kritiker gilt, meldete umgehend seinen Anspruch an. Sein Motto lautet medienwirksam: „Alles muss neu“. Wer so auftritt, fordert die alte Führung offen heraus. Und genau darauf hat die alte Führung nun geantwortet.
Fast zwei Monate Suche nach einem Gegenkandidaten
Das Schulze-Lager hat sich viel Zeit gelassen. Seit dem Wahlabend habe man einen Kandidaten gesucht, heißt es. Er sollte aus der Kommunalpolitik kommen und für einen personellen Neuanfang stehen. Zwischenzeitlich seien auch zwei bekannte Namen gehandelt worden:
- André Schröder, heute Landrat von Mansfeld-Südharz und früher Finanzminister
- Jan Riedel, derzeit geschäftsführender Bildungsminister
Am Ende fiel die Wahl auf Pusch. Erneuerung soll also ausgerechnet das Lager verkörpern, das die Partei in die historische Pleite geführt hat. Kritiker dürften genau diesen Punkt aufgreifen.
Noch keine offizielle Nominierung
Ganz fest ist die Sache noch nicht. Der Kreisvorstand nominierte Pusch am Mittwoch nicht förmlich. Er überließ die Entscheidung stattdessen dem kommenden Kreisparteitag. Dem Bericht zufolge gab es dabei vier Enthaltungen, alle übrigen Mitglieder stimmten zu. An der Spitze des Kreisverbands steht der Landtagsabgeordnete Ulrich Thomas.
Wer ist Artjom Pusch?
Pusch ist 39 Jahre alt und wurde im sibirischen Prokopjewsk geboren. Mit zehn Jahren kam er mit seiner Mutter nach Deutschland und wuchs in Burg bei Magdeburg auf. Der Wirtschaftsingenieur führt die CDU in Halberstadt.
Bei Wahlen hatte er bisher wenig Glück. 2025 scheiterte er im Bundestagswahlkreis Harz, im September 2026 verpasste er den Einzug in den Landtag. Auf eine Presseanfrage hat er sich bislang nicht geäußert.
Zerbst als Schicksalsort
Der Zeitplan verschärft den Druck. Mitte Dezember soll der Landtag den Ministerpräsidenten wählen. Die AfD hat 39 der 83 Sitze und will Siegmund ins Amt bringen, die CDU-Fraktion mit ihren 15 Abgeordneten will im ersten Wahlgang Medienberichten zufolge geschlossen den Saal verlassen. Teile der Basis kritisieren das. Für Unruhe hatte schon Anfang Oktober die geheime Wahl des AfD-Landtagspräsidenten gesorgt, der vier Stimmen mehr bekam, als AfD und BSW zusammen Sitze haben.
Gut eine Woche vorher kürt die Union in Zerbst ihre neue Führung. Für viele Wähler im Land ist das mehr als Personalpolitik. Es geht um die Frage, ob die CDU in Magdeburg überhaupt noch einen Kurs hat oder nur noch reagiert. Eine Partei, die sich nach einem solchen Absturz vor allem mit Flügelkämpfen beschäftigt, macht es ihren Wählern nicht leichter, ihr zu vertrauen. Ob Müller oder Pusch: Der Sieger übernimmt eine Partei, die erst einmal wieder lernen muss, Wahlen zu gewinnen.
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