
Macrons Schulden-Fantasie: Wie Frankreichs Präsident Europa mit Eurobonds in die Abhängigkeit treiben will

Es ist ein altbekanntes Muster: Wenn ein französischer Präsident innenpolitisch unter Druck steht, flüchtet er sich in europäische Großvisionen. Emmanuel Macron bildet da keine Ausnahme. In einem Interview mit mehreren europäischen Zeitungen hat der Élysée-Bewohner nun einen „radikalen Kurswechsel" für Europa gefordert – mehr gemeinsame Schulden, massive Investitionen und einen frontalen Angriff auf die Vormachtstellung des US-Dollars. Klingt nach großem Kino. Doch wer genau hinhört, erkennt: Es ist vor allem Frankreich, das von dieser „Neuausrichtung" profitieren würde.
Der „Grönland-Moment" als rhetorische Waffe
Macron sprach von einem sogenannten „Grönland-Moment", der den Europäern schmerzhaft vor Augen geführt habe, wie verwundbar der Kontinent sei. Europa befinde sich in einem Zustand „geopolitischer Minderjährigkeit" und müsse sich entscheiden, ob es künftig Akteur oder bloßer Zuschauer auf der Weltbühne sein wolle. Starke Worte – doch sie verschleiern gekonnt die Tatsache, dass es gerade Frankreich ist, das seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse lebt und nun die Rechnung gerne auf alle EU-Mitgliedstaaten verteilen möchte.
Der französische Präsident warnte vor einer „trügerischen Entspannung" im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. Neue Drohungen – sei es durch Strafzölle, Handelskonflikte oder die Regulierung von Technologieunternehmen – seien jederzeit zu erwarten. Damit hat er nicht ganz Unrecht. Seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus und seinen massiven Zollerhöhungen von 20 Prozent auf EU-Importe ist die transatlantische Partnerschaft fragiler denn je. Doch die Schlussfolgerung, die Macron daraus zieht, ist geradezu abenteuerlich.
Eurobonds: Die Vergemeinschaftung der Schulden durch die Hintertür
Macrons Kernforderung lautet: gemeinsame europäische Verschuldung über Eurobonds. Die EU sei im internationalen Vergleich „unterverschuldet" und schöpfe ihr finanzielles Potenzial nicht aus. Man muss sich diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen. Während deutsche Steuerzahler bereits jetzt unter der Last eines 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens ächzen, das die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz trotz gegenteiliger Wahlversprechen durchgedrückt hat, sollen nun auch noch gemeinsame europäische Anleihen hinzukommen. Wer am Ende die Zeche zahlt, dürfte jedem klar sein, der die Geschichte der EU-Finanztransfers kennt.
Macron verkauft die Eurobonds geschickt als strategisches Instrument. Eine dauerhafte gemeinsame Verschuldung könne es der EU ermöglichen, große Zukunftsprojekte eigenständig zu finanzieren – von Verteidigung über Künstliche Intelligenz bis hin zu Quantencomputern und grünen Technologien. Zugleich solle eine stärkere Rolle gemeinsamer europäischer Anleihen die internationale Bedeutung des Euro erhöhen und die Abhängigkeit vom US-Dollar verringern. Das klingt auf dem Papier verlockend. In der Realität bedeutet es jedoch nichts anderes als eine schleichende Transferunion, in der fiskalisch disziplinierte Länder für die Ausgabenfreude anderer haften.
Europäische Industrie schützen – aber wie?
Immerhin: In einem Punkt verdient Macron Gehör. Seine Forderung nach einem besseren Schutz der europäischen Industrie ist grundsätzlich berechtigt. Wenn sich die großen Wirtschaftsmächte – allen voran China und die USA – nicht mehr an die Regeln der Welthandelsorganisation hielten, müsse Europa seine Interessen verteidigen. Er sprach von einer gezielten Bevorzugung europäischer Produkte, etwa in der Stahlindustrie. Das ist kein Protektionismus, sondern schlicht Selbsterhaltung. Doch auch hier stellt sich die Frage: Warum hat Frankreich in den vergangenen Jahren so wenig getan, um seine eigene industrielle Basis zu stärken, anstatt immer nur nach Brüssel zu rufen?
„In fünf Jahren weggefegt" – Panikmache oder berechtigte Warnung?
Macron malte ein düsteres Bild der Zukunft. Auf der einen Seite stehe ein „chinesischer Tsunami" im Handel, auf der anderen eine kaum kalkulierbare Instabilität in den USA. Europa dürfe nicht in eine Haltung der „glücklichen Unterwerfung" verfallen, warnte er. Andernfalls drohe der Kontinent, „in fünf Jahren weggefegt" zu werden. Diese Dramatik ist typisch für den französischen Präsidenten, der sich gerne als visionärer Staatsmann inszeniert, während sein eigenes Land wirtschaftlich stagniert und gesellschaftlich tief gespalten ist.
Er begrüßte zwar die seit einem Jahr wieder intensiveren deutsch-französischen Beziehungen, betonte aber, dass das traditionelle Tandem allein nicht mehr ausreiche. In den kommenden Wochen werde es deshalb einen französisch-italienischen Gipfel geben. Eine bemerkenswerte Aussage – denn sie zeigt, dass Macron längst erkannt hat, dass Berlin unter Kanzler Merz nicht mehr bereit ist, jeden französischen Wunsch nach Vergemeinschaftung kritiklos abzunicken.
Was Macron verschweigt
Was in Macrons großer Europa-Rede auffällig fehlt, ist jede Form von Selbstkritik. Kein Wort darüber, dass Frankreichs Staatsschulden bereits bei über 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. Kein Wort darüber, dass die französische Wirtschaft seit Jahren hinter ihrem Potenzial zurückbleibt. Und kein Wort darüber, dass die europäische Wettbewerbsfähigkeit nicht durch noch mehr Schulden, sondern durch Deregulierung, Steuersenkungen und eine Rückbesinnung auf marktwirtschaftliche Prinzipien gestärkt werden könnte.
Wer die Abhängigkeit vom Dollar tatsächlich verringern will, sollte zunächst dafür sorgen, dass der Euro eine Währung ist, der die Welt vertraut. Und Vertrauen entsteht nicht durch Schuldenorgien, sondern durch solide Haushaltspolitik und wirtschaftliche Stärke. In Zeiten, in denen das Vertrauen in Papierwährungen weltweit schwindet, erscheint es umso wichtiger, dass Bürger ihre Ersparnisse auch durch physische Edelmetalle wie Gold und Silber absichern – als zeitlosen Anker in einer Welt, in der Politiker wie Macron immer neue Wege finden, die Druckerpresse anzuwerfen.
„Wir investieren viel weniger als die Chinesen und die Amerikaner" – Emmanuel Macron
Das mag stimmen. Doch die Lösung liegt nicht in noch mehr Schulden, die künftige Generationen belasten, sondern in einer grundlegenden Reform der europäischen Wirtschaftspolitik. Weniger Bürokratie, weniger ideologiegetriebene Regulierung, mehr Freiheit für Unternehmer – das wäre die wahre „Neuausrichtung Europas", die der Kontinent so dringend braucht.

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