
Maffay nach AfD-Triumph: Harte Abrechnung mit den etablierten Parteien

Peter Maffay warnt nach dem Erdrutschsieg der AfD in Sachsen-Anhalt vor einer Wiederholung der Geschichte. Die eigentliche Schuld sieht der 77-jährige Rockstar aber woanders: bei den etablierten Parteien, die den Kontakt zu den Bürgern verloren hätten. Seine Aussagen fielen in einem gemeinsamen Interview mit Sänger Johannes Oerding für den „Stern“.
Ein Wahlergebnis wie ein politisches Erdbeben
Die Zahlen sind eindeutig. Bei der Landtagswahl am 6. September holte die AfD laut dem endgültigen Ergebnis 43,8 Prozent der Stimmen. Die CDU kam auf 17,2 Prozent. Das ist kein Denkzettel mehr, das ist eine Abrechnung mit der Politik der letzten Jahre.
Für eine absolute Mehrheit reicht es der Partei um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund Medienberichten zufolge trotzdem nicht. Das BSW, das es nur knapp in den Landtag schaffte, gilt nun als Zünglein an der Waage. Wie es in Magdeburg weitergeht, ist offen.
Maffays Warnung: Die Erinnerung an die Diktatur
Maffay stützt seine Warnung auf seine eigene Lebensgeschichte. Der gebürtige Rumäne kam 1963 als Jugendlicher aus Siebenbürgen nach Deutschland. Im Interview sagte er:
„Ich bin in einer kommunistischen Diktatur aufgewachsen, meine Familie und ich haben Repressionen erlebt.“
Mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg und seine Vorgeschichte müsse man sich fragen, „wie sich jetzt möglicherweise manches wiederholt“. Warum ausgerechnet die Erfahrung mit einem kommunistischen Regime als Warnung vor einer Partei rechts der Mitte dient, bleibt unklar. Viele Leser dürften sich genau das fragen.
Die überraschende Wende: Kritik an CDU, SPD und Co.
Dann folgt der Teil des Interviews, der in Berlin wehtun dürfte. Viele Parteien würden sich zwar demokratisch geben, in der Praxis aber „unzulänglich und widersprüchlich“ handeln, sagte Maffay. Seine Diagnose fällt schonungslos aus:
„Sie haben die Bindung zu den Menschen verloren und ignorieren deren Grundbedürfnisse und Ängste. Sie sprechen nicht mehr deren Sprache.“
Genau deshalb würden heute so viele Menschen die AfD wählen. Und er fügte hinzu: „Die sind nicht alle rechtsradikal. Den Erreger muss man bekämpfen, nicht die Symptome.“ Solche Sätze hört man selten von einem Prominenten. Wer Millionen Wähler pauschal in eine Ecke stellt, erreicht sie eben nicht mehr.
Oerding: Die Mehrheit hat entschieden
Johannes Oerding machte klar, dass Wahlausgang und AfD-Programm nicht zu seiner politischen Haltung passten. In einer Demokratie müsse man aber „mit den Entscheidungen leben, die die Mehrheit getroffen hat“. Die Gesellschaft müsse wieder lernen, miteinander zu reden und den besseren Argumenten zu folgen statt politischen Dogmen. Eine Erkenntnis, die man sich in manchem Regierungsbüro an die Wand hängen könnte.
Schmidt spottet, Hallervorden zeigt auf Merz
Auch andere Prominente meldeten sich zu Wort. Harald Schmidt blieb demonstrativ gelassen: „Es sind eben Wahlen und dann gibt es Ergebnisse.“ Wem das nicht passe, der könne „Wahlen abschaffen oder vorher festlegen“. Zur Einstufung der AfD durch den Verfassungsschutz fragte er spöttisch: „Gibt es auch ungesichert rechtsextrem?“
Dieter Hallervorden hatte im Wahlkampf die CDU unterstützt und zeigte sich nun „sehr traurig“. Eine Mitschuld gab er ausdrücklich Bundeskanzler Friedrich Merz. Dieser trage „viel Schuld daran, dass man der CDU bundesweit nichts mehr zutraut“.
Die eigentliche Botschaft dieser Wahl
Ob Maffay, Oerding oder Hallervorden: Bei allen Unterschieden kommen sie zum selben Ergebnis. Das Problem liegt nicht beim Wähler, sondern bei der Politik. Gebrochene Versprechen, neue Schuldenberge trotz gegenteiliger Ankündigungen und eine Politik an den Sorgen der Bürger vorbei haben Vertrauen zerstört. Aus Sicht vieler Menschen im Osten war das Kreuz bei der AfD genau die Quittung dafür.
Die Frage ist, ob Berlin diese Botschaft endlich versteht. Oder ob man weiter nur die Symptome bekämpft, wie Maffay es nennt, statt die Ursachen anzugehen.
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