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„Mein Freund Lula“: Von der Leyens Blitz-Glückwunsch wirft Fragen auf

„Mein Freund Lula“: Von der Leyens Blitz-Glückwunsch wirft Fragen auf
Symbolbild: KI-generiert

Luiz Inácio Lula da Silva hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien gewonnen, obwohl das kaum jemand erwartet hatte. Sein Herausforderer Flávio Bolsonaro erkennt das Ergebnis nicht an, weil die Wahl in letzter Minute verlängert wurde. Trotzdem gratulierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schon am Montagmorgen und sprach von einem Sieg der Demokratie.

Glückwünsche vor der juristischen Klärung

Die Nachricht aus Brüssel klang geradezu euphorisch. Von der Leyen schrieb auf X:

„Herzlichen Glückwunsch an meinen Freund Lula zu seinem Wahlsieg. Demokratie und Multilateralismus haben in Brasilien gesiegt.“

Europas Partnerschaft mit Brasilien blühe, schrieb sie weiter. Gemeinsam wolle man sich für freien Handel, eine regelbasierte Weltordnung und ehrgeizige Klimaziele einsetzen. Mit dem „freien Handel“ dürfte vor allem das umstrittene Mercosur-Abkommen gemeint sein. Europäische Landwirte laufen seit Jahren dagegen Sturm.

Bemerkenswert ist die Eile. Kritiker sehen Lula als Politiker, der dem Kreml nahesteht und dem Westen skeptisch gegenübersteht. Brasilien ist Gründungsmitglied des BRICS-Bündnisses mit Russland und China. Unter Lula hat das Land dieses Gegengewicht zum Westen weiter gestärkt. Ein Partner, der sich klar an Europa orientiert, sieht anders aus.

Zwei Stunden, die alles verändern?

Den Streit löste eine Entscheidung am Wahlabend aus. Wegen starker Regenfälle hatten beide Lager eine Verlängerung beantragt. Bolsonaro wollte sie allerdings nur für die betroffenen Regionen. Laut Medienberichten verwies Lulas Team zusätzlich auf Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr in mehreren Städten.

Kurz nachdem die Wahllokale geschlossen hatten, verlängerte Verfassungsrichter Cristiano Zanin die Stimmabgabe dann um zwei Stunden. Zanin war früher Lulas persönlicher Anwalt, Lula selbst hat ihn 2023 an den Obersten Gerichtshof berufen. Für die Bolsonaro-Seite ist das ein klarer Interessenkonflikt.

Das Ergebnis ist historisch. Laut dem Wahlgericht kam Lula auf 51,79 Prozent, Bolsonaro auf 48,21 Prozent. Der Abstand beträgt rund 4,4 Millionen Stimmen. Bolsonaro hatte den ersten Wahlgang gewonnen und auch in den Umfragen vorn gelegen. Seit Brasilien wieder eine Demokratie ist, hat noch nie der Zweitplatzierte der ersten Runde die Stichwahl gewonnen.

Annullierung oder Sturm im Wasserglas?

Laut der New York Times zweifeln zahlreiche Juristen und Mitglieder der Wahlkommission an der Rechtmäßigkeit der Wahl und halten sogar eine Annullierung für möglich. Bolsonaro will vor Gericht ziehen. Analysten bremsen dagegen die Erwartungen: Wegen des deutlichen Abstands und des eigenen Verlängerungsantrags der Bolsonaro-Seite sei eine Annullierung unwahrscheinlich. Beim Vater ist die Lage eindeutig: Ex-Präsident Jair Bolsonaro wurde wegen Putschplänen nach der Wahl 2022 zu 27 Jahren Haft verurteilt.

Wer gratuliert und wer schweigt

Die Reaktionen aus Südamerika fallen gemischt aus. Chiles konservativer Präsident José Antonio Kast gratulierte Lula am Telefon. Auch Perus rechte Präsidentin Keiko Fujimori meldete sich auf X. Argentiniens Präsident Javier Milei und US-Präsident Donald Trump schweigen dagegen bislang. Beide haben sich mit Lula tief zerstritten.

Auch von Bundeskanzler Friedrich Merz kam zunächst keine Gratulation, obwohl er ein gutes Verhältnis zu Lula pflegt. Ob das bewusste Zurückhaltung ist oder nur Zufall, bleibt offen. Neben von der Leyens schneller Erklärung wirkt sein Schweigen jedenfalls besonnen.

Die Märkte reagieren nervös

Die Börsen reagierten sofort. Medienberichten zufolge verlor ein in Tokio gehandelter Fonds auf den brasilianischen Leitindex Bovespa im asiatischen Handel fast 15 Prozent. Auch für den Real wurde ein deutlicher Kursrutsch erwartet. Viele Anleger hatten auf einen Regierungswechsel gesetzt.

Der Fall zeigt erneut, wie schnell politische Unsicherheit Aktien und Währungen ins Wanken bringt. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten in solchen Phasen seit jeher als Stabilitätsanker. Für viele Sparer sind sie deshalb eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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