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23.02.2026
07:06 Uhr

Mexikos mächtigster Kartellboss tot – Gewaltwelle erschüttert das Land

Mexikos mächtigster Kartellboss tot – Gewaltwelle erschüttert das Land

Was sich wie das Drehbuch eines Hollywood-Thrillers liest, ist bittere Realität: Der berüchtigte Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes, besser bekannt unter seinem Kampfnamen „El Mencho", ist nach seiner Festnahme durch eine mexikanische Spezialeinheit gestorben. Der Zugriff, bei dem US-Behörden maßgeblich unterstützt haben sollen, markiert einen der spektakulärsten Fahndungserfolge im jahrzehntelangen Drogenkrieg Mexikos. Doch statt Erleichterung herrscht nun blankes Chaos.

Ein Imperium des Terrors – und sein jähes Ende

Oseguera galt als Gründer und unangefochtener Anführer des Kartells Jalisco Nueva Generación (CJNG), das von der mexikanischen Tageszeitung La Jornada als „drittmächtigste kriminelle Organisation der Welt" eingestuft wurde. In den Vereinigten Staaten war ein Kopfgeld von sage und schreibe 15 Millionen US-Dollar auf ihn ausgesetzt – ein Betrag, der die Dimension seiner kriminellen Macht eindrücklich unterstreicht.

Nach Darstellung des mexikanischen Verteidigungsministeriums habe Oseguera bei dem Zugriff Verletzungen erlitten und sei während des Transports in ein Krankenhaus in Mexiko-Stadt verstorben. Sechs weitere Bandenmitglieder seien bei dem Militäreinsatz ums Leben gekommen. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer – und entfesselte genau jene Gewalt, die Sicherheitsexperten seit langem befürchtet hatten.

Brennende Straßen, attackierte Nationalgarde

Die Reaktion der Kartellmitglieder kam prompt und brutal. In mehreren mexikanischen Bundesstaaten – darunter Jalisco, Michoacán und Guanajuato – setzten Bandenmitglieder Autos, Banken, Tankstellen und Geschäfte in Brand. Straßen wurden durch brennende Fahrzeuge blockiert, Stützpunkte der Nationalgarde angegriffen. Es soll dabei Tote und Verletzte gegeben haben. Ein Szenario, das an einen Bürgerkrieg erinnert – und das in einem Land, das in wenigen Monaten gemeinsam mit den USA und Kanada die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ausrichten will.

Besonders brisant: Auch die Stadt Guadalajara, einer der drei mexikanischen WM-Austragungsorte, wurde von der Gewaltwelle erfasst. Fluggesellschaften strichen oder leiteten Flüge um, darunter Verbindungen nach Puerto Vallarta an der Pazifikküste. Die beliebten Karibik-Destinationen Cancún, Cozumel und Tulum stehen ebenfalls unter erhöhter Warnstufe.

Diplomatische Warnungen – auch aus Berlin

Die US-Botschaft sowie diplomatische Vertretungen weiterer Länder riefen ihre Staatsbürger in Mexiko zu erhöhter Wachsamkeit auf. Auch die deutsche Botschaft warnte auf der Plattform X eindringlich vor „Unruhen, Straßensperren und Brandstiftungen" in verschiedenen Landesteilen. Wer sich an einem sicheren Ort wie einem Hotel befinde, solle dort bis auf Weiteres verbleiben. Der Rat der Diplomaten klingt fast schon resigniert: „Versuchen Sie bei Straßensperren nicht, sich zu widersetzen oder zu flüchten."

Man fragt sich unwillkürlich, wie es um die Sicherheit deutscher Touristen bestellt ist, die arglos in ein Land reisen, das de facto in weiten Teilen von kriminellen Organisationen kontrolliert wird. Hier zeigt sich einmal mehr, dass der Staat – ob in Mexiko oder anderswo – seine Bürger nur dann schützen kann, wenn er konsequent gegen organisierte Kriminalität vorgeht, anstatt sie zu verharmlosen oder wegzuschauen.

Machtvakuum als Pulverfass

Die Geschichte des Drogenkrieges lehrt eine bittere Lektion: Die Ausschaltung eines Kartellchefs löst das Problem nicht, sondern verschärft es häufig. Sicherheitsbehörden rechnen nun mit brutalen Machtkämpfen innerhalb des CJNG sowie mit Vergeltungsaktionen gegen staatliche Institutionen. Ein Machtvakuum an der Spitze einer derart gewaltbereiten Organisation ist wie ein offenes Pulverfass in einer Munitionsfabrik.

Der Einsatz wird gleichwohl als Beleg für die Bedeutung der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit zwischen Mexiko und den USA gewertet. Unter Präsident Trump, der bekanntlich militärische Aktionen gegen mexikanische Kartelle nicht ausgeschlossen hat, dürfte dieser Erfolg als Bestätigung seiner harten Linie im Kampf gegen den Drogenhandel interpretiert werden. Ob die Zusammenarbeit zwischen Washington und Mexiko-Stadt allerdings dauerhaft Früchte trägt oder lediglich eine Hydra-Kopf-Strategie bleibt – einen Kopf abschlagen, zwei neue wachsen nach –, wird die Zukunft zeigen.

Eines steht fest: Solange die Nachfrage nach Drogen in den westlichen Industrienationen ungebrochen bleibt und Milliarden in die Kassen der Kartelle spült, wird kein noch so spektakulärer Zugriff den Drogenkrieg beenden. Die Festnahme und der Tod von „El Mencho" mögen ein symbolischer Sieg sein. Doch die brennenden Straßen Mexikos erzählen eine andere Geschichte – eine Geschichte von Staatsversagen, grenzenloser Gewalt und der bitteren Erkenntnis, dass im Kampf gegen das organisierte Verbrechen Konsequenz und Härte die einzigen Mittel sind, die langfristig wirken.

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