
Mietenreport 2026: Der teuerste Vermieter sitzt im Finanzamt

Der Deutsche Mieterbund schlägt Alarm: Sein „Mietenreport 2026“ erklärt die Wohnungsnot zur Sozialstaatskrise. Fast 60 Prozent der Mieter berichten von Mietsteigerungen innerhalb eines Jahres. Doch die Therapie, die der Verband vorschlägt, könnte die Krankheit verschlimmern.
Die Zahlen sind unbestritten dramatisch. Laut dem Report sorgt sich fast jeder dritte Mieter, die Miete künftig nicht mehr stemmen zu können. Knapp jeder Zweite fürchtet, im Ernstfall keine Ersatzwohnung zu finden. Mehr als elf Prozent der Bevölkerung müssen über 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens fürs Wohnen aufbringen.
1,4 Millionen Wohnungen fehlen – und es werden mehr
Nach Berechnungen des Pestel-Instituts aus Hannover fehlen derzeit rund 1,4 Millionen Wohnungen. Bis 2030 könnten es fast zwei Millionen sein. Institutsgeschäftsführer Matthias Günther beziffert den nötigen Neubau auf mindestens 400.000 Wohnungen pro Jahr.
Die Realität sieht anders aus. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt – ein Einbruch um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der zweite kräftige Rückgang in Folge. Hohe Zinsen, explodierte Materialkosten, fehlende Fachkräfte und wuchernde Bürokratie haben den Wohnungsbau regelrecht ausgebremst.
Wer treibt die Kosten wirklich?
Im Mietenreport weitgehend unerwähnt bleibt ein unbequemer Punkt: Nicht nur die Kaltmiete steigt. CO₂-Abgabe, Stromsteuer, Grundsteuer und kommunale Gebühren schlagen bei den Nebenkosten durch – die „zweite Miete“ wird längst in Ministerien und Rathäusern festgesetzt. Wer über Mietenexplosion klagt, müsste also zuerst über staatliche Kostentreiber reden.
Stattdessen fordert der Verband Mietendeckel, Mietenstopp und weitere Regulierung. Präsidentin Melanie Weber-Moritz zeigte laut dem Bericht sogar Sympathie für Ideen im Geiste des Berliner Enteignungs-Volksentscheids von 2021.
Mietendeckel: gut für drinnen, fatal für draußen
Ein Deckel schützt Bestandsmieter – und bestraft Suchende. In München, Köln oder Hamburg wohnen Menschen teils seit Jahrzehnten in einst subventionierten Wohnungen, obwohl das Einkommen längst gestiegen ist. Nachprüfungen der Bedürftigkeit? Finden kaum statt.
Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke warnt, die Enteignungsdebatte strahle weit über Berlin hinaus und schrecke ausländische Investoren ab.
Mietrecht ersetzt aber keine Baukräne.
Peter Feldmeier, Verbandsjurist von Haus & Grund Bayern, beschreibt den Mechanismus als Teufelskreis: Eingriffe zur Gewinnminimierung verprellten private Investoren, es werde noch weniger gebaut, der Bestand verteuere sich – worauf die Politik mit noch mehr Regulierung reagiere.
Das ausgeblendete Nachfrageproblem
Auch die Nachfrageseite fehlt in der Debatte. Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin rechnete vor, seit 2015 seien rund 460.000 Menschen aus dem Ausland nach Berlin zugewandert, dazu 71.000 aus dem übrigen Deutschland. Ohne diese Zuwanderung, so sein Schluss, hätte Berlin kein Wohnungsproblem.
Zugleich bleiben Flächen ungenutzt: Das voll erschlossene, 350 Hektar große Tempelhofer Feld liegt seit Jahren brach. München fühlte sich zwei Jahrzehnte an einen Bürgerentscheid von 2004 gebunden, der Hochhäuser über 98,5 Meter ausschloss.
Aus Sicht unserer Redaktion ist die Mietenkrise damit vor allem eines: das Ergebnis politischer Entscheidungen – zu wenig Angebot, zu viel Bürokratie, zu hohe staatliche Abgaben. Wer sein Vermögen gegen schleichende Kaufkraftverluste absichern will, setzt traditionell auch auf physische Edelmetalle als krisenfeste Beimischung.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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