
Milei gegen die UN: „Parasiten“-Wutrede und Kampfansage an London!

Paukenschlag in New York: Argentiniens Präsident Javier Milei hat seinen Auftritt in der Generaldebatte der UN-Vollversammlung für eine Generalabrechnung mit der Weltorganisation genutzt. Die Vereinten Nationen seien eine „nutzlose Organisation“, wetterte der libertäre Staatschef. Vor der versammelten Weltgemeinschaft erneuerte er außerdem den Anspruch seines Landes auf die Falklandinseln.
Frontalangriff auf den Apparat am East River
Diplomatische Zurückhaltung? Fehlanzeige. Milei sprach so, wie man es am Rednerpult der Vollversammlung selten hört. Die UN diene nur noch dazu, so der Präsident,
„eine Kaste von fatal arroganten Parasiten zu ernähren, die sich als wohlmeinende Bürokraten tarnen“.
Im Kern warf er der Organisation vor, ausgerechnet dort versagt zu haben, wo ihre Daseinsberechtigung liege: bei der kollektiven Sicherheit und beim Schutz der Menschenrechte. Stattdessen habe sie zugelassen, dass sich „Chaos, Gewalt und internationaler Terrorismus“ ausbreiteten.
Man mag den Ton für überzogen halten. Die Frage dahinter ist aber berechtigt: Was bringt ein riesiger Apparat voller Funktionäre, wenn in der Ukraine seit Jahren Krieg herrscht und der Nahe Osten zuletzt dramatisch eskaliert ist? Der Sicherheitsrat blockiert sich selbst, und Resolutionen verpuffen. Mit seiner Wutrede trifft Milei einen wunden Punkt.
Malvinas: „Eine nationale Sache“
Den zweiten großen Teil seiner Rede widmete Milei dem ältesten außenpolitischen Streit seines Landes. „Die Falklandinseln sind für uns eine nationale Sache“, erklärte er. In Argentinien heißen die Inseln Malvinas. Die britische Delegation hörte regungslos zu.
Milei erinnerte an eine UN-Resolution von 1976. Darin werden London und Buenos Aires aufgefordert, den Konflikt durch Verhandlungen zu lösen. Gelöst ist er bis heute nicht. Für den Argentinier zeigt das, wie zahnlos die internationale Ordnung ist:
„Keine Worte und keine Resolutionen fehlen, was fehlt, ist, dass sie Konsequenzen haben.“
Wer sich an die Regeln halte, werde dafür nicht belohnt, und wer sie breche, habe nichts zu befürchten, fügte Milei hinzu.
Es geht um Öl – und um viel Geld
Hinter den scharfen Worten stehen handfeste wirtschaftliche Interessen. Milei kritisierte die britische Erschließung des Ölfelds „Sea Lion“ im Nord-Falkland-Becken. Argentinien hält die britischen Lizenzen für illegitim. Laut Branchenberichten haben die Partner Navitas Petroleum und Rockhopper Exploration im Dezember 2025 endgültig beschlossen, das Feld zu erschließen. Es liegt etwa 220 Kilometer nördlich der Inseln und soll rund 319 Millionen Barrel Öl enthalten. Die Förderung soll im ersten Halbjahr 2028 beginnen.
Milei forderte London auf, wieder über die Inseln zu verhandeln. Dass die Briten darauf eingehen, gilt als unwahrscheinlich. Bei einem Referendum im Jahr 2013 stimmten 99,8 Prozent der Inselbewohner dafür, bei Großbritannien zu bleiben.
Ein Konflikt mit blutiger Geschichte
Seit 1833 sind die Inseln im Südatlantik britisches Überseegebiet. Buenos Aires begründet seinen Anspruch unter anderem damit, dass Argentinien Rechtsnachfolger des spanischen Kolonialreichs sei. 1982 ließ die argentinische Militärjunta die Inseln besetzen. Premierministerin Margaret Thatcher schickte daraufhin Truppen in den Südatlantik und ließ die Inseln zurückerobern. Im Krieg starben 649 Argentinier, 255 Briten und drei Inselbewohner.
Ein unbequemer Spiegel für den Westen
In Europas Hauptstädten dürfte Mileis Auftritt für Stirnrunzeln sorgen. Seine Kritik an einer aufgeblähten Bürokratie, die wenig erreicht, lässt sich aber nicht einfach abtun. Das gilt auch für Berlin: Deutschland gehört zu den großen Beitragszahlern der Vereinten Nationen und stellt die UN gern als moralische Instanz dar.
Eine gewisse Ironie hat Mileis Auftritt trotzdem. Im Falkland-Streit beruft er sich auf die Beschlüsse genau jener Organisation, die er gleichzeitig für nutzlos erklärt. Vielleicht ist genau das seine eigentliche Botschaft: Eine Weltordnung, deren Regeln niemand durchsetzt, ist im Ernstfall kaum mehr wert als das Papier, auf dem sie steht.
- Themen:
- #Energie

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











