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25.10.2026
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Miosga will die AfD wieder einladen: Kehrtwende im Talkshow-Studio?

Miosga will die AfD wieder einladen: Kehrtwende im Talkshow-Studio?
Symbolbild: KI-generiert

Ungewohnte Töne aus der ARD: Caren Miosga, die sonntags ihre eigene Talkshow im Ersten moderiert, spricht sich gegen einen Ausschluss der AfD aus politischen Gesprächsrunden aus. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte sie, als größte Oppositionspartei müsse die AfD eingeladen werden. Wer genauer hinsieht, bemerkt allerdings schnell: Das Bekenntnis hat einige Haken.

„Keine Bühne“ – ein Argument mit Verfallsdatum

Miosga wird ziemlich deutlich. Mit dem Argument, man dürfe der Partei keine Bühne geben, könne sie inzwischen nichts mehr anfangen, sagte sie der Zeitung. Schon weil die AfD die größte Oppositionskraft im Land sei, folge daraus die Pflicht, mit ihren Vertretern zu reden.

„Wir müssen sie also einladen, auch wenn die Partei den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen will.“

Das klingt nach Einsicht. Man kann es aber auch nüchterner lesen. Die Moderatorin begründet ihren Kurs ausdrücklich damit, dass die AfD über eigene Kanäle längst ein Millionenpublikum erreiche. Die Brandmauer im Studio fällt also offenbar nicht aus Überzeugung, sondern weil sie ihren Zweck nicht mehr erfüllt.

Einladung ja, aber nur nach Maß

Einen Freibrief stellt Miosga ohnehin nicht aus. Ihre Redaktion überlege sehr genau, „wie oft und warum“ man die Partei einlade. Eine Debatte müsse zu etwas führen. Bislang habe sie häufig den Eindruck gehabt, den AfD-Politikern gehe es gar nicht um einen konstruktiven Austausch.

Dazu kommt ein Versprechen, das bei vielen Zuschauern eher für Stirnrunzeln sorgen dürfte. Jede Sendung brauche einen begleitenden Faktencheck, und zwar „nicht, um sich moralisch zu empören, sondern um zu klären, was die Fakten sind“. Mutmaßliche Falschaussagen wolle sie möglichst noch live korrigieren, ansonsten werde nachgereicht. Ein fairer Grundsatz, ohne Frage. Dann aber bitte für jeden Gast, ganz gleich, ob er aus dem Kanzleramt, von den Grünen oder von der Linken kommt.

Das Moped-Problem der Öffentlich-Rechtlichen

Besonders aufschlussreich ist, wie Miosga den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt beschreibt. Die AfD verfolge seit Langem eine „Parallelmedienstrategie“. Als Beispiel nannte sie Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, der mit dem Moped übers Land gefahren sei und vor allem gute Laune verbreitet habe. Das sei in erster Linie Social-Media-PR gewesen, sauber gefilmt und von Streamern völlig unkritisch begleitet.

Wirkung hatte es jedenfalls. Bei der Landtagswahl am 6. September 2026 kam die AfD nach dem amtlichen Endergebnis auf 43,8 Prozent und erhielt 39 der 83 Sitze im Magdeburger Landtag. Die CDU verlor dagegen deutlich. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent.

Wer hat hier wen verloren?

Genau hier liegt der Kern des Problems. Dass Millionen Bürger ihre politischen Informationen inzwischen woanders holen, ist nicht einfach Ergebnis einer cleveren Parteistrategie. Kritiker sehen darin auch die Quittung für Sender, die viele Beitragszahler über Jahre als einseitig erlebt haben. Wer für monatlich 18,36 Euro Rundfunkbeitrag Ausgewogenheit erwartet und stattdessen das Gefühl hat, belehrt zu werden, schaltet irgendwann ab. Oder er schaut eben den Streamer mit dem Moped.

Ganz neu ist die AfD bei Miosga übrigens nicht. Im Februar 2026 saß Parteichef Tino Chrupalla bei ihr im Studio, und der Auftritt sorgte damals für reichlich Gesprächsstoff.

Fazit: Späte Einsicht oder Notbremse?

Dass eine prominente ARD-Moderatorin öffentlich einräumt, die Ausgrenzungsstrategie sei gescheitert, ist bemerkenswert. Als Vertrauensoffensive taugt ihr Vorstoß aber nur bedingt. Eingeladen werde nach eigenem Ermessen, geprüft werde im Zweifel einseitig, und am Ende steht die Sorge, die Deutungshoheit endgültig zu verlieren. Ob sich die Zuschauer, die dem Ersten längst den Rücken gekehrt haben, davon zurückholen lassen? Daran darf man zweifeln.

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