
Mokha gefallen: Warum dieser Hafen Europas Energiepreise sprengt
Die Hafenstadt Mokha am Roten Meer hat den Besitzer gewechselt. Nach Angaben jemenitischer Militärkreise übernahmen die Huthi-Kräfte der nicht international anerkannten Regierung in Sanaa am Donnerstag, dem 10. September 2026, die Kontrolle über den Ort. Die Truppen des saudisch gestützten Präsidialrats zogen sich Richtung Dhubab zurück – direkt an die Meerenge Bab al-Mandab.
Klingt weit weg? Ist es nicht. Durch dieses Nadelöhr läuft ein erheblicher Teil des Warenverkehrs zwischen Asien und Europa.
Vier Kilometer, die über Europas Energierechnung entscheiden
Mehrere internationale Agenturen berichten übereinstimmend über den Fall Mokhas. Jemenitischen Militärquellen zufolge kontrollieren die Huthi inzwischen auch Dhubab nahezu vollständig und sollen auf die Inseln Zuqar und Hanish vorgerückt sein. Westliche Berichte beschreiben die Lage vorsichtiger: Die Meerenge selbst sei noch nicht vollständig in der Hand Sanaas.
Parallel dazu soll die saudische Luftwaffe laut chinesischen Medienberichten rund 40 Angriffe auf Taiz, Hodeidah, Al-Jawf und Marib geflogen haben. Eine offizielle Stellungnahme aus Riad dazu gab es demnach nicht.
Die zweite Front – und die zweite Wahrheit
Während an der Westküste Sanaa vorrückt, meldet der von Saudi-Arabien und den Emiraten getragene Präsidialrat Geländegewinne im Norden, unter anderem bei Yatma in Al-Jawf. Erklärtes Ziel: die Rückeroberung der Hauptstadt.
Bemerkenswert ist, was in der westlichen Debatte meist untergeht. Auch die „international anerkannte" Seite hat kein Wahlvolk hinter sich. Der Präsidialrat wurde 2022 nicht gewählt, sondern von den Golfstaaten eingesetzt. Das jemenitische Parlament stammt aus dem Jahr 2003. Eine demokratisch legitimierte Regierung gibt es in diesem Krieg auf keiner der beiden Seiten – wer das verschweigt, verkauft Geopolitik als Moralstück.
Öl über 100 Dollar – und Berlin schaut zu
Die Märkte reagieren längst. Nachdem die Straße von Hormus faktisch blockiert ist, kletterte Brent Medienberichten zufolge zuletzt wieder über die Marke von 100 US-Dollar je Fass; einzelne Berichte nennen bereits Kurse jenseits von 105 Dollar. Analysten großer Banken hatten zuvor vor Notierungen von 120 Dollar gewarnt.
Sollte auch Bab al-Mandab dauerhaft unsicher werden, träfe das Europa doppelt: Erst fällt der kurze Seeweg weg, dann der Preispuffer. Für die deutsche Industrie, die ohnehin unter Rekord-Energiekosten, Bürokratielasten und einer Klimapolitik mit Verfassungsrang ächzt, wäre das ein weiterer Schlag.
Die bittere Ironie: Wer sich energiepolitisch bewusst von einem Lieferanten abgekoppelt hat, ohne belastbare Alternativen zu sichern, steht bei jeder neuen Krise am Golf mit leeren Händen da. Aus Sicht unserer Redaktion rächt sich hier eine Politik, die Versorgungssicherheit jahrelang als nachrangig behandelt hat.
Was Anleger daraus lernen können
Kriege verschieben Handelsrouten, Handelsrouten verschieben Preise, Preise verschieben die Inflation. Genau in solchen Phasen zeigt sich, warum physische Edelmetalle seit Jahrhunderten als Versicherung gegen politische Schocks gelten. Gold und Silber kennen weder Frachtraten noch Sanktionslisten – sie liegen im Tresor, unabhängig davon, wer gerade welche Meerenge kontrolliert.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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